Okay; eigentlich wollten wir uns auf energiewelt.de gar nicht den Strompreisen widmen. Das ist ein (zu) weites Feld. Das sollen die Stromerzeuger auf ihren Websites abhandeln, oder auch das große “unabhängige” Vergleichsportal, das jetzt unter Beschuss gekommen ist, nur weil es einen (mittlerweile insolventen…) Stromlieferanten immer schön im Voraus mit Insiderinformationen über die geplanten Preise der Wettbewerber versorgt hat…
Nein; wir wollen hier reden über das EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Dieses regelt u.a., wie die Kosten der Regenerativen Energien auf den allgemeinen Strompreis umgelegt werden können. Die Monopolkommission der Bundesregierung hat das EEG nun unter die Lupe genommen. Im „Sondergutachten Strom und Gas 2011“ wird es ungemütlich für die Ökostrom-Branche. Von „Marktverzerrungen aufgrund des radikalen Ökostromausbaus“ ist die Rede, und dass sich diese ungünstig auf die Verbraucher auswirken würden. „Die Monopolkommission erachtet daher einen grundsätzlichen Wechsel in ein marktnäheres System als unausweichlich“. Wenn Deutschland seine ambitionierten Ausbauziele erreichen wolle, lasse sich dies nicht mit der bisherigen Einspeisevergütung finanzieren. Und Justus Haucap, Vorsitzender der Monopolkommission, formuliert es in der ZEIT so: „Da laufen die Kosten aus dem Ruder.Wir müssen jetzt überlegen, wie wir die Energiewende langfristig finanzieren.“
Die EEG-Umlage beträgt derzeit 3,5 Cent je Kilowattstunde. Im Jahr 2050 soll der Ökostromanteil in Deutschland bei 80 Prozent liegen. Wie hoch dann wohl die EEG-Umlage ausfallen wird?!? Tatsache ist, dass jeder Ökostromproduzent für zwanzig Jahre eine garantierte Vergütung für jede Kilowattstunde erhält.
In ihrem Sondergutachten hat die Kommission zudem detailliert die Preistarife von Energieversorgern untersucht. Ergebnis: In nur elf aus 7.300 betrachteten PLZ-Gebieten legte ein kommunaler Stromversorger das beste Angebot vor. “Diese geringe Zahl hat mich sehr überrascht”, sagt Haucap. “Entweder wollen die kommunalen Versorger genauso Geld verdienen wie die privatwirtschaftlichen, oder sie arbeiten aufgrund einer schlechteren Kostenstruktur einfach ineffizienter.”
Als Besitzer einer Wärmepumpe und Familienvater betrifft mich der Strompreis langfristig. Ich habe nichts dagegen bzw. bin sogar dafür, den Ausbau der Erneuerbaren Energien über das EEG mitzufinanzieren. Aber es sollte schon mit Sinn und Verstand geschehen! Ich will nicht zugeworfen werden mit Mogelpackungen und Stromtarifen, die mir suggerieren wollen, dass ich schon für 1 EUR im Monat 100% CO2-freien, super-sauberen, ökologischen Strom beziehe. Nein, ich trage gerne meinen ehrlichen Anteil zur Energiewende, und der dürfte schon ein wenig höher sein; da bin ich Realist. Aber ich will auch keine Ineffizienzen und Verschwendereien. Kommunen, die sich mit unsinnigen, unwirtschaftlichen und letztendlich auch nicht ökologischen Projekten als „innovativ“, „umweltfreundlich“ und „nachhaltig“ darstellen wollen. Und ich will meinem Zahnarzt nicht Traumrenditen für seine Investitionen in Solaranlagen und Windparks bescheren.
Deshalb finde ich das Gutachten der Monopolkommission außerordentlich interessant und bin sehr gespannt, was Politik und Wirtschaft daraus machen
meint Ihr
Achim Schillak
achimschillak am 16.09.2011 in Allgemein, Energiepolitik