Förderstopp der KfW: neue Strategie für Modernisierer
Es ist ziemlich ruhig geblieben. Kein Aufschrei in den Medien, mit dem der Förderstopp für Einzelmaßnahmen der bundeseigenen KfW-Förderbank kommentiert wurde. Immerhin zitierte die Süddeutsche Zeitung Klaus Wiesehügel, Chef der Gewerkschaft IG Bau mit den Worten: “Das wird die Bundesregierung keinem Hausbesitzer, keinem Handwerker und keinem Umweltschützer erklären können.“ Es sei völlig widersinnig, ein so zentrales Förderprogramm einzustellen, weil es zu erfolgreich sei. Recht hat der Mann. Aber wird das etwas bewegen? Es muss wohl erst noch ein Sturm der Entrüstung losbrechen, um wie bei der für einige Woche gestoppten Förderung für erneuerbare Energien eine Umkehr der politisch Verantwortlichen zu bewirken. Und wenn es nicht geschieht? Dann brauchen Modernisierer eine neue Strategie für ihr Sanierungsprojekt.
Wie kann sie aussehen? Verschiedene Aspekte sind wichtig:
- Der richtige Zeitpunkt: Eine energetische Sanierung macht immer dann am meisten Sinn, wenn ohnehin modernisiert oder repariert werden muss. Muss zum Beispiel das Dach neu gedeckt werden, kann man ihm im selben Schritt auch eine neue Dämmung spendieren. Muss das Haus neu gestrichen werden, es also ohnehin eingerüstet werden muss, bietet sich eine Dämmung der Fassade als sinnvolle Ergänzung an. Im Zuge der Planung kann nun der Energieberater prüfen, wie viel mehr (finanziellen) Aufwand es bedeuten würde, das Haus zu einem KfW-Effizienzhaus aufwerten, um in den Genuss günstiger Förderdarlehen zu kommen. So sind etwa neue Fenster eine gute Ergänzung der Fassadensanierung.
- Die richtige Planung. Die Berechnung des energetischen Standards einer Immobilie nach Energieeinsparverordnung (EnEV) ist höhere Mathematik, die der Planer nur mithilfe einer aufwendigen Software bewältigen kann. Wer dabei schon mal zugesehen hat, war verblüfft: Unterschiedliche Maßnahmen werden nach EnEV unterschiedlich hoch bewertet. So gibt es einen Bonus, wenn verstärkt Erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Es kann also Sinn machen, verschiedene Maßnahmen gegeneinander zu rechnen, um mit dem geringst möglichen Aufwand zum Effizienzhaus zu kommen.
- Die richtige Kalkulation. Vergleiche zeigen immer wieder, wie groß die Differenzen zwischen den Angeboten mehrerer Handwerksfirmen sein können, wie stark auch die Preise zwischen verschiedenen Produkten differieren. Ein guter Planer kann hier seinem Bauherren eine Menge Geld sparen.
- Die richtige Einstellung. Fachleute wissen es nur zu gut: Längst nicht alle Aspekte einer Sanierung machen sich tatsächlich in vernünftiger Zeit durch eingesparte Heizkosten bezahlt. Sinnvoll sind sie trotzdem, weil jedes Gramm eingespartes CO2 zählt, weil jede Verbesserung der Substanz eines Hauses seinen Wert steigert und seine Zukunft sichert. So ist die Erlangung des Standards „Effizienzhaus“ ein Prädikat, das sich auf verschiedene Weisen bezahlt macht.
All das ist keine Rechtfertigung für den Förderstopp. Er ist und bleibt ein kapitaler Fehler. Aber es wäre falsch, wenn Modernisierer in spe nun die Flinte ins Getreide werfen. Sie sollten denjenigen vertrauen, die das verdienen: sich selbst.
Herzlich,
Ihr Sven Rohde
admin am August 19th 2010 in Allgemein, Bauen & Sanieren, Energiepolitik, Förderung