Nach jedem Rausch folgt der Kater. Das ist, zugegeben, keine besonders originelle Erkenntnis. Aber ist es nicht verblüffend, dass man diese Weisheit tatsächlich immer wieder bestätigt bekommt? Diesmal bei einem Thema, bei dem wir das nicht vermutet hätten – bei der Photovoltaik.
Eine wilde Party stieg da in den vergangenen Jahren auf Deutschlands Dächern, immer mehr Solarmodule wurden in der Erwartung gesetzlich abgesicherter Renditen montiert. Bei Herstellern, Installateuren und Hausbesitzern knallten die Korken, Politiker und Öffentlichkeit feierten munter mit, weil die Rettung des Weltklimas näher zu rücken schien. Von 5,3 Gigawatt Leistung, die 2008 installiert waren, stieg der Wert in 2009 auf 9,8 und prognostizierten 17 Gigawatt in 2010. Aber so langsam nüchtern manche Beteiligte wieder aus und fragen sich: Wer zahlt eigentlich die Zeche?
Na ja, auch das steht im Erneuerbare-Energien-Gesetz. Es ist der Verbraucher, es sind wir alle. Und wie hoch ist die Zeche? 2011 um stattliche 70 Prozent höher als in 2010. In konkreten Zahlen: Die EEG-Umlage“, mit der die Einspeisevergütung für regenerativ erzeugten Strom auf alle Verbraucher umgelegt wird, steigt von 2,047 Cent auf 3,53 Cent pro Kilowattstunde. Das liest sich harmlos, summiert sich für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden aber auf Mehrkosten von 60 Euro im Jahr, für Unternehmen, zumal im produzierenden Gewerbe, natürlich ein Vielfaches.
Aber ist es nicht wunderbar, wenn immer mehr Strom regenerativ erzeugt wird? Sagen wir’s mir Radio Erivan: Im Prinzip ja“. Aber finden wir es wirklich angemessen, wenn nur ein Prozent der Stromerzeugung in Deutschland im vergangenen Jahr mit 2,5 Milliarden Euro gefördert wurde? Sonnenstrom, erinnern wir uns, ist nun mal der mit Abstand teuerste regenerativ erzeugte Strom.
Jetzt aber dringen wieder Stimmen der Vernunft durch. Eine gehört Professor Fritz Vahrenholt, Chef der RWE-Tochter Innogy, deren Geschäftsfeld der Ausbau der Erneuerbaren ist. Für ihn gleicht die EEG-Umlage einer milliardenschweren sozialen Umverteilung: “Das Geld für die Umwandlung von Sonnenenergie wandert von den Bewohnern der Mietshäuser hin zu den Hausbesitzern, und zwar vornehmlich denen in Süddeutschland.” Das sieht mittlerweile auch der Deutsche Mieterbund so. “Wir brauchen dringend einen Deckel für die Solarförderung”, sagte Sprecher Ulrich Ropertz der Frankfurter Rundschau. Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur dena, unterstützt die Forderung, freilich aus anderem Grund: Wir bekommen durch die Photovoltaik ein Riesenproblem in den Netzen, das bisher kaum beachtet wurde: Sie stehen vor der Überlastung durch Sonnenstrom.“
Kommt jetzt also der Kehraus? Ach was, die Party geht weiter! Auf 8 Milliarden Euro schätzt die Bundesnetzagentur die Kosten, die 2011 für Solarstrom anfallen werden – trotz deutlich sinkender Einspeisevergütung! Und der Zubau geht fast ungebremst weiter. Initiativen der politisch Verantwortlichen, ihm einen Riegel vorzuschieben? Derzeit nicht auf der Agenda.
Na, dann Prost!
meint Ihr
Achim Schillak