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Satoru Tamura gewinnt den ILAA 2017

Mit seiner magischen Installation „Point of Contact for Unna“ hat der japanische Lichtkünstler Satoru Tamura den zweiten International Light Art Award (ILAA) des Zentrums für Internationale Lichtkunst Unna und der innogy Stiftung gewonnen. Tilman Küntzels gestürzter „Lüster mit audiovisueller Rauminszenierung“ landete auf dem zweiten Platz, die Niederländer Matti Vroegop und Ed Schoonveld mit „ECHO, turning the light around“ auf dem dritten.

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Auf dem Weg zur Urkunde: ILAA-Gewinner 2017 Satoru Tamura - Fotos: Frank Vinken | dwb

Am Ende hatte die Jury unter Fernvorsitz des New Yorker Künstlers Keith Sonnier, dem Unna seinen tränenreich strahlenden „Tunnel of Tears“ verdankt, keine andere Wahl. Soviel Sinn hat selten in den Bildern eines Lichtkunstwerks gesteckt, denn Satoru Tamura spielt beherzt mit dem Augenblick zwischen „An“ und „Aus“, wenn die elektrische Spannung das letzte Millimeterchen Luft zwischen zwei noch nicht ganz geschlossenen Kontakten mit einem knisternden Funken überbrückt.

Dabei darf es diesen zauberischen Blitz zwischen den Schaltzuständen „An“ und „Aus“, 1 und 0, hell und dunkel im Grunde gar nicht geben. Der 220-Volt-Alltag in diesem Teil der Welt ist aus Sicherheitsgründen so gut wie funkenfrei. Aber dieses kleine feuergefährliche Abenteuer in Tamuras „Point of Contact“ ist einfach zu schön, zu archaisch und irgendwie auch eine großartige Beschreibung für den ILAA und die Stadt Unna insgesamt.

Zwischen Lichtkunstpreis (An) und kein Lichtkunstpreis (Aus) hat die Award Ceremony am Freitag jedenfalls jede Menge festlicher Fünkchen fliegen lassen. Sehr schöne Momente einer 15-jährigen Lichtkunstinitiative im Spannungsfeld zwischen Provinz und Metropole. „Ein Musterbeispiel für den Strukturwandel auf dem Land und nicht in den Zentren Köln, Berlin oder Hamburg“, wie es der Kölner Kurator Gérard A. Goodrow in seiner Moderation formulierte.

Was offizielle Gäste und Redner auf der ILAA-Bühne sagten, findet sich in der folgenden O-Ton-Sammlung. Der Zauber des verstörenden Klirrens nach Tilman Küntzels Lüstersturz, das seltsam elektromobile Echo in Vroegop/Schoonvelds original chinesischer Friseurwerbungslampen-Welle und Satoru Tamuras flackernder Lichtschwall finden sich in der ILAA-Sonderausstellung, die noch bis zum 3. September läuft.

 

ILAA 2017 - Preisverleihung (Award Ceremony) in Unna am 21. April 2017

Dr. Jochen Stemplewski, Vorsitzender des Trägervereins „Zentrum für Internationale Lichtkunst e.V.“: „Förderung von Kunst im allgemeinen und Lichtkunst im Besonderen ist keine Einbahnstraße. Die Verleihung des zweiten International Light Art Arwards hier und heute unterstreicht unseren Anspruch, Unna als Heimat der Lichtkunst und als Stadt des Lichts zu etablieren.“

 

ILAA 2017 - Preisverleihung (Award Ceremony) in Unna am 21. April 2017

Christina Kubisch, Laudatorin, ILAA-Jurymitglied und mit ihrer Arbeit „Schlohweiß und Rabenschwarz“ Künstlerin der ständigen Ausstellung des Lichtkunstzentrums: „Die Qualität der Arbeiten aller Finalisten ist sehr hoch und es war sehr komplex und nicht leicht für die Jury, eine finale Entscheidung zu treffen.“

 

ILAA 2017 - Preisverleihung (Award Ceremony) in Unna am 21. April 2017

Werner Kolter, Bürgermeister der Kreisstadt Unna, auf die Frage von Moderator Gérard A. Goodrow, ob die Stadt Unna nach 15 Jahren nun erleuchtet ist durch das Lichtkunstmuseum: „Die große gesellschaftliche Resonanz auf diesen Preis und die Preisverleihung heute sind ein Dank an all diejenigen Bürgerinnen und Bürger, die sich in all den Jahren für diese Idee eingesetzt haben und sie immer wieder offensiv gegen alle Kritik verteidigt haben . . . Dieser Preis adelt auch uns.“

 

ILAA 2017 - Preisverleihung (Award Ceremony) in Unna am 21. April 2017

Museumsdirektor John Jaspers auf die Frage, was Lichtkunst denn nun überhaupt ist: „Es ist nicht die Weihnachtbeleuchtung . . . Es geht um die ästhetische Qualität von Skulpturen und Installationen, die von Künstlern mit Kunstlicht geschaffen werden. Projektion und Video-Mappings sind schön, aber für mich keine Lichtkunst.“

 

ILAA 2017 - Preisverleihung (Award Ceremony) in Unna am 21. April 2017

Die drittplatzieren ILAA-Finalisten Matti Vroegop (r.) und Ed Schoonveld auf die Frage, ob sie die chinesischen Barbershop-Lampen mit einer Art Zen-Idee verknüpfen wollten: „Ja, warum nicht. In der traditionellen chinesischen Kunst hat die Kooperation unter Künstlern, das Lernen voneinander eine große Bedeutung. Für uns drücken die Barbershop-Lampen das sehr gut aus.“

 

ILAA 2017 - Preisverleihung (Award Ceremony) in Unna am 21. April 2017

Der ILAA-Gewinner 2017, Satoru Tamura, auf die Frage, ob seine Kombination von Low- und Hightec nicht eine besondere japanische Poesie offenbart: „Ich weiß nicht, ob das japanisch ist oder nicht, bloß weil ich Japaner bin. Ich bin glücklich damit.“

 

ILAA 2017 - Preisverleihung (Award Ceremony) in Unna am 21. April 2017

Tilman Küntzel auf die Frage, wie er auf die Idee gekommen ist, so etwas Altmodisches wie einen Kronleuchter für seine aktuelle Lichtkunst zu verwenden: „Mir geht es beim Geräusch der flackernden Birnen des Kronleuchters um das Gefühl der Störung, die das verursacht haben könnte.“

 

ILAA 2017 - Preisverleihung (Award Ceremony) in Unna am 21. April 2017

Bernd Neuendorf, NRW-Staatssekretär im Ministerium für Kultur: „Diese vom elektrischen Strom abhängige Lichtkunst ist auch ein eindringliches Sinnbild für unsere gegenwärtige Zivilisation, die über nachhaltige Strategien nachdenken muss, damit nicht irgendwann im wahrsten Sinn des Wortes die Lichter ausgehen. Die Frage nach der Bedeutung von Energie für unsere tägliches Leben und Überleben finde ich in allen drei künstlerischen Positionen der Finalisten wieder.“

ILAA 2017 - Preisverleihung (Award Ceremony) in Unna am 21. April 2017

Schließlich sei noch Stephan Muschick (hier mit Moderator Gérard A. Goodrow) zitiert, der die Rolle der innogy Stiftung mit einer Begegnung beim dritten „Lichtgestalten“-Dialog des monopol-Magazins kurz zuvor am Nachmittag im Atelier der Lindenbrauerei skizzierte. Dort hatte er Herbert Resch kennengelernt, den leitenden Lichtdesigner der schweizerischen Kunst-Licht-Schmiede Zumtobel. „Lichtkünstler aus der ganzen Welt wie James Turrell gehen mit ihren Ideen dorthin“, so Muschick, „und erwarten, dass die Industrie dabei hilft, ihre Ideen zu verwirklichen. Und die hochspezialisierten Ingenieure dort forschen und tüfteln und machen am Ende das Unmögliche möglich. So können Kunst und Wirtschaft – und das ist auch unser Ziel – Innovationen voranbringen.“

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Lichtkunstpreis 2017: Die Ruhe vor dem Sturm

In wenigen Tagen ist es soweit: Am 21. April wird der “International Light Art Award” (ILAA) zum zweiten Mal verliehen. Dieser Preis ist eine Initiative der innogy Stiftung sowie des Zentrums für Internationale Lichtkunst Unna und fördert aufstrebende Künstler, die Licht kreativ und innovativ einsetzen. Zum ersten Mal findet nicht nur die Ausstellung der drei Finalisten, sondern auch die zugehörige Preisverleihung im Lichtkunstmuseum Unna statt. Seit Oktober 2016 ist Christofer Schmidt als verantwortlicher Projektleiter mit der Vorbereitung des Events beschäftigt – wir haben mit ihm darüber gesprochen. Weiterlesen ›

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VISIT – das Artist In Residence Programm der innogy Stiftung sucht Stipendiaten

Der Countdown läuft: Am 28. April endet die Bewerbungsfrist für das diesjährige Kunststipendium VISIT der innogy Stiftung. Anne-Marie Melster, Jury-Mitglied bei VISIT sowie Direktorin und Mitbegründerin von ARTPORT_makingwaves, erklärt im Interview, worum es sich bei dem “Artist In Residence”-Programm handelt und nach welchen Kriterien sie in der VISIT-Jury die Stipendiaten sondiert. Weiterlesen ›

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