Arm, ärmer, Deutschland
Diese Überschrift hat uns vergangene Woche am meisten bedrückt: „Wo Deutschlands ärmste Kinder wohnen“ titelte der Spiegel online. Das Magazin berief sich auf eine sehr aufschlussreiche Studie der Bertelsmann-Stiftung, wonach in manchen Teilen Deutschlands jedes dritte Kleinkind mit seiner Familie von Hartz IV lebt.
Erschreckend waren vor allem die regionalen Unterschiede. Wie zu erwarten sind wieder die sozialen Brennpunkte besonders betroffen: In Berlin wächst über ein Drittel (36,3 Prozent – Zahl von 2010) der Unter-Dreijährigen in einer Hartz-IV-Familie auf. In Gelsenkirchen – einer vom Strukturwandel besonders betroffenen Kommune im Ruhrgebiet – sind es sogar 40,4 Prozent. Ganz anders dagegen die Lage in Bayern und Baden-Württemberg: In den reichen Flächenstaaten im Süden ist laut Bertelsmann-Stiftung nur eines von zehn Kleinkindern auf die staatliche Stütze angewiesen.
Die Studie dämpft die gute Stimmung, die noch Anfang des Jahres bei den Sozialpolitikern herrschte: Da hatte eine Erhebung der Bundesagentur für Arbeit suggeriert, dass sich die Lage der Unterschicht verbessere: Die Zahl der unter 15-Jährigen in Hartz-IV-Familien sei zwischen 2006 und 2011 um eine Viertelmillion gefallen, so die Sozialforscher. Doch auch hier hatten sich schon regionale Unterschiede gezeigt: Besonders stark sei der Rückgang in Bayern gewesen – dem ohnehin wohlhabendsten Bundesland also.
Andere Institutionen hatten daraufhin bereits vor Euphorie gewarnt: Der Kinderschutzbund etwa wies darauf hin, dass der aktuelle Aufschwung offenbar an der Unterschicht vorbei ginge. Zwar sei die Zahl der Arbeitssuchenden zwischen September 2006 und September 2011 insgesamt um gut ein Drittel zurück gegangen, bei erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfängern jedoch betrug der Rückgang nur 16 Prozent. Heißt: Neue Jobs entstehen, aber die Armen profitieren kaum davon.
Was bedeuten diese Ergebnisse für uns bei der RWE Stiftung? Zunächst: Kinder- und Jugend-Förderung in Deutschland ist und bleibt wichtig. Projekte wie „TAFF“, „Lichtpunkte“ oder „bilnos“, über das wir gerade diese Woche hier im Blog geschrieben haben, helfen, dieses Ungleichgewicht zu mindern. Dass „Lichtpunkte“ einen speziellen Fokus unter anderem auf Berlin setzt, ist absolut richtig und entspricht den realen Nöten hierzulande. Denn Deutschland mag als reich gelten – zahlreiche seiner Einwohner und Kinder sind es sicherlich nicht…
Uns interessiert Ihre Sicht: Sollte sich Kinder- und Jugend-Förderung auf die Brennpunkte fokussieren? Oder benachteiligt das andere Regionen? Und wer steht in Sachen Förderung in der Schuld? Der Staat? Die Wirtschaft? Oder wir alle zusammen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!
