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„B1|A40“ und die Schönheit des großen „Spaghetti-Knotens“

Für alle, die den Strand bereits in der ersten Sommerferienhälfte erledigt haben und die nun zwischen Rhein und Weser nach Freizeitthemen suchen, können wir Kunst im Verkehrsknoten empfehlen. Die „Die Schönheit der großen Straße“ geht in die zweite Halbzeit. Grund genug, hier noch einmal besonders Dr. Michael Fehrs Arbeit „Überplanungen“ im Autobahnkreuz Kaiserberg zu empfehlen.

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„Überplanungen“: Michael Fehrs Geschichtsschaukasten im Autobahnkreuz Kaiserberg. Fotos: Frank Vinken | dwb

Ein Ausflug zur Autobahn? Kultur im Spaghetti-Knoten? Ja sicher! Seit dem sagenhaften Stillleben auf der A40 im Kulturhauptstadtjahr haben die Menschen an der Ruhr sowieso ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrer südlichen Schnellverbindung zwischen Dortmund und Duisburg. Und mit der besonderen Beziehung zwischen Kunst und öffentlichem Raum an der Ruhr kennt sich Michael Fehr aus wie kaum ein Zweiter. Bei Max Imdahl in Bochum hat er 1978 promoviert und später dann unter anderem von 1987 bis 2005 das Osthaus-Museum in Hagen geleitet.

Für das B1|A40-Projekt ist Michael Fehr tief in die Geschichte des Autobahnkreuzes am Duisburger Kaiserberg eingestiegen. Mit seinem stählern-kantigem Geschichtsschaukasten macht der Wahlberliner die Entwicklung der Landschaft mit ihren Trassen und Verläufen, Leitungen und Linien auf sieben transparente Folien von 1900 bis heute sichtbar. Derart von oben betrachtet sieht man da viel klarer, und die Verknotungen mit fast 20 Brückenbauten, zwei Kilometern Gesamtlänge und rund 200.000 Fahrzeugen täglich haben mit dem Spaghetti-Modell nicht mehr viel zu tun.

Das Ding ist sehr gediegen

Dabei hat der Landstrich zwischen Dörnerhofstraße (Navi-Adresse) und den Ruhr-Auen kurz vor dem Duisburger Hafen eine gewisse Dörflichkeit und seine ursprüngliche landwirtschaftliche Prägung behalten. Von hier aus hat seinerzeit auch VISIT-Stipendiat Sebastian Mölleken seine legendären A40-Kühe in die entsättigende Bildbearbeitung geschickt. Unter blauen Sommerhimmeln bekommt der Besucher mit Michael Fehrs „Überplanungen“ denn auch das volle künstlerische Korn. Das Ding ist sehr gediegen, und nichts für schnell-kauende Fastfood-Fans. Und darüber surrt wie sanftes Meeresrauschen ein schwer zu beschreibendes Mischgeräusch, das nur 24-Tonner in Autobahn-Auffahrten, ICE-Züge auf Hauptstrecken und Maisfelder mitten im Ruhrgebiet erzeugen.

„Die Schönheit der großen Straße“ läuft offiziell noch bis zum 7. September. Auf das Begleitprogramm haben wir hier bereits Mitte Juni hingewiesen. Wer also das Spaghetti-Essen der B1|A40-Künstlerin Jeanne van Heeswijk am „Spaghetti-Knoten“ verpasst hat, ist selber schuld. Alternative wäre jetzt aber noch ein Picknick mit „Überplanungen“. Sind ja noch Ferien und schön ist es am Kaiserberg sowieso. Außerdem kommen Sie sommers von dort ruckzuck nach Köln, Venlo, Eindhoven und nicht zuletzt nach Dortmund, wo an der A 40 Pablo Wendels Kunst-Strom-Werk steht . . .

 

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