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Lichtkunst am Hellweg: Tilman Küntzels Kurzschluss zur Wasserkraft

Keine Frage, aus der Perspektive dieses Stiftungsblogs gehört Tilman Küntzels Brunnen „Lightning Blue(s)“ in Fröndenberg die klarste energiepolitische Pointe der Lichtweg-Marken in der Hellweg-Region zwischen Lippstadt, Hamm und Unna. So unscheinbar, wie Küntzels ebenerdige Arbeit auf den ersten Blick wirkt – wo liegt eigentlich Fröndenberg? – darf sie doch als einer der wichtigen kreativen „Wende“-Punkte in der laufenden Energiedebatte verstanden werden.

Lichtkunstwerk „Lightning Blue“ von Tilman Küntzel in Fröndenberg (Kreis Unna)

„Lightning Blue(s)“: Das Panorama lässt den audiovisuellen Brunnen von Tilman Küntzel größer erscheinen, bietet aber den Blick auf die Projektion und den Wasserlauf. Foto: Frank Vinken | dwb

Denn das blitzblaue Wasserspiel-Video, mit dem der Künstler seinen Brunnen-Ablauf untermalt, stammt nicht aus dem Archiv. Küntzel projiziert Livebilder und den Originalton von Wasserturbulenzen aus dem Turbinenschacht in einem der drei Fröndenberger Wasserkraftwerke an der Ruhr, mit dem die Stadt einen großen Teil ihres Energiehungers stillt. Aktuell erzeugt Fröndenberg aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft rund 35 Millionen kWh Ökostrom pro Jahr.

Wenn sich künstlerische Energie in zornige verwandelt

Damit hat Tilman Küntzel mit seiner Audio-Video-Installation die Transformation von natürlicher Energieerzeugung zur Kunst im öffentlichen Raum nahtlos vollzogen. Dieser 2005 eingeweihte (Video hier) und unlängst restaurierte lichtkünstlerische Kurzschluss findet allerdings nicht immer die volle Akzeptanz der Anwohner. Insbesondere dann nicht, wenn sommers Kinder die Fließrinne in der Fröndenberger Fußgängerzone zum Leidwesen des tiefergelegenen Apothekers nebenan verstopfen und Tilman Küntzels künstlerische Energie in eine ziemlich zornige verwandeln. Aber das ist wohl eine ganz andere Geschichte.

Lichtkunstwerk „Lightning Blue“ von Tilman Küntzel in Fröndenberg (Kreis Unna)

Detail der Wasserkraftwerk-Projektion in Fröndenberg

Zurück zur Lichtkunst am Hellweg. Es sieht so aus, dass der neue Katalog zum Projekt noch in diesem Winter erscheinen wird. Wir werden darauf natürlich auch hier zurückkommen. Und auch für Tilman Küntzel gilt: Ein Besuch auf der Internetpräsenz des Künstlers lohnt sich ungemein: Für die gezeigten Videoarbeiten dort empfiehlt sich allerdings ein Gerät über Smartphone-Niveau und etwas Zeit. Es lohnt sich. Allein die Stare über Berlin mit allen weiteren Verlinkungen sind spektakulär  und den Klick wert.

 

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