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„Kunst kann die Energiebranche technologisch bereichern“

Das Kölner Kunstfestival „Strom“ (27. bis 30.8.) geht in die vierte Runde – und erstmals wird der Titel des Festivals zum Programm: Alle Beiträge widmen sich dem elektrischen Strom. Dieser Bezug zwischen Kunst und Wissenschaft gefällt uns, genauso wie die Vielschichtigkeit der individuellen Interpretationen von Energie. Daher fördert unsere Stiftung das Festival. Ein Gespräch mit „Strom“-Kurator Oliver Niemöller:

Herr Niemöller, ein Festival namens „Strom“ der elektrischen Energie als Überthema zu widmen, klingt ja durchaus nahe liegend. Trotzdem: Wie kamen Sie dazu?
OLIVER NIEMÖLLER: Weil mir in letzter Zeit klar geworden ist, dass die Kunst mit und aus elektrischem Strom ein Bereich ist, der leider immer noch kein ausreichendes Forum hat. Es gibt ein paar Objekte aus den 1960ern, die in Ausstellungen Platz gefunden haben, aber wenig Etabliertes. Viele Museen sind zu konservativ, mal mutig etwas Neues zu zeigen. Daher wollen wir jetzt das Gesamtspektrum dessen darstellen, was mit Strom in der Kunst alles möglich ist.

Kurator Oliver Niemöller

“Wir wollen das Gesamtspektrum dessen darstellen, was mit Strom in der Kunst alles möglich ist.” Kurator Oliver Niemöller

Und das wäre?
Das Spektrum ist riesig: von Animationen auf Basis von Wissenschafts-Software, über Elektroschrott-Installationen bis zu Musik aus Glühbirnen.

Wie kann man sich die vorstellen?
Das ist eine Performance von Michael Vorfeld, der mit Ein- und Ausschaltgeräuschen von Glühbirnen Musik macht. Und ein anderer Künstler, erzeugt im Computer hörbare Schwingungen, die er dann in einen Spannungsmesser gibt und damit Bilder malt. Wir haben einige außergewöhnliche Ansätze – auch die 3D-Fraktale zum Beispiel.

Mandelbrot-Menge

Visualisierung der Mandelbrot-Menge mit eingefärbter Umgebung. Foto: Fedi/Wikpedia CC BY-SA 3.0

Bitte was?
3D-Fraktale. Das sind wunderschöne, computergenierte Bilder, die auf reiner Mathematik basieren. Sie gehen zurück auf naturwissenschaftliche Forschungen der 80er, als zum Beispiel Benoît Mandelbrot die nach ihm benannte „Mandelbrot-Menge“ fand. Hier in Deutschland kennt man die Visualisierung eher als „Apfelmännchen“. Das ganze ist seither weiter gedacht worden, von Mathematikern, aber auch von Künstlern. Philippe Jacqueroux etwa ist bei uns zu Gast, er ist einer der drei besten weltweit in seinem Metier, denke ich.

Wie wichtig ist elektrische Energie vor diesem Hintergrund als Wegbereiter von Kunst?
Sehr wichtig. Die ganze Medienkunst wäre ohne Strom nicht denkbar. Das geht los beim Videoschnitt. Oder Kinetik – die würde gar nicht funktionieren. Abgesehen davon sehe ich den Zusammenhang auch in umgekehrter Form.

“Ist das nur Kunst, oder ist darin schon eine neue technische Lösung enthalten?”

Inwiefern?
Im Sinne von Kunst als Wegweiser für Energie-Fragen. Es gibt so viele kreative Köpfe, so viele Elektrotechniker bei uns in der Kunst, die darüber nachdenken, was man mit Strom tun kann. Wieso sollte daraus nicht mal etwas entstehen, was die Energiebranche auch technologisch bereichert – eine neue Form Stromspeicher zum Beispiel? Wonbaek Shin, einer der Künstler bei unserem Festival, hat zum Beispiel 400 Meter Kupferdraht um einen sehr komplexen Körper geflochten und lässt den Draht als Widerstand wirken, um Energie von 230 auf 6 Volt runterzuspannen. Ist das nur Kunst, oder ist darin schon eine neue technische Lösung enthalten?

Wenn es letzteres ist, sollte er sich vielleicht mal bei RWE vorstellen…
Man weiß es nicht. Es hat meines Wissens noch niemand ausprobiert, wie solche Muster, man spricht übrigens von fraktalen Formen, auf Strom wirken. Aber es ist ein tolles Beispiel für vielversprechenden, spielerischen Umgang mit Kunst an der Schnittstelle zur Wissenschaft.

Inwiefern vielversprechend?
Die Elektroingenieure, die in der Vergangenheit unsere Energieversorgung mit ihren Erfindungen revolutioniert haben, haben das geschafft, weil sie anders gedacht haben als die Menschen um sie herum. Und das tun die Künstler, die wir bei uns zu Gast haben, ganz genauso.

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Mehr zum Strom-Festival lesen Sie hier bei uns auf rwestiftung.com

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