Archiv der Kategorie ‘Allgemeines‘

Willkommen im Wohnzimmer

„Es wird privat”, versprechen die Kuratorinnen der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen mit der aktuellen Ausstellung „AT HOME, der Blick durchs Schlüsselloch, Wohnen im Ruhrgebiet – gesehehen durch die Kunst”. Zum Thema werden 220 Arbeiten von 65 (Foto-)Künstlern gezeigt. Darunter auch Mischa Kuball und Sebastian Mölleken. Kuball zeigt einen Ausschnitt aus seinem grandiosen, von der RWE geförderten Kulturhauptstadt-Projekt  „New Pott. 100 Lichter / 100 Gesichter”. Mölleken, 2010 der zweite VISIT-Künstler der RWE-Stiftung, präsentiert mit Oliver Blobel die gemeinsame Semesterarbeit „Nachbarschaft. Im Emscherbruch” aus dem Jahr 2008.

 „AT HOME”-Plakatmotive von Jörg Winde: Tante Änne. Wohnung Trosin. Gelsenkirchen aus 1994, Vintage-Print einer analogen Großformat-Fotografie.

In Oberhausen zeigt Mischa Kuball wohl die aktuellste und authentischsen Einblicke in Wohnzimmer der Ruhrgebiets, wenn 100 Migrantenfamilien aus 100 Nationen ihre Geschichte erzählen. Der Düsseldorfer Fotograf Egbert Trogemann hat die Bilder und Videos gemacht. Seine schwarzweißen Fotografien kontrastieren die Interviewsituation mit den leeren Wohnräumen, aufgenommen aus exakt derselben Perspektive mit derselben Belichtung im selben Format.

Sebastian Mölleken und Oliver Blobel ist es zu verdanken, dass wir uns nicht nur von den Bewohnern in den Fenstern ihrer Zechenhäuser im Herner Emscherbruch ein Bild machen können, sondern auch von den Zimmern dahinter. Die beiden Fotodesigner haben Licht gemacht und sich mit einem Hubsteiger auf Augenhöhe mit ihren Motiven begeben. Das Resultat sind seltsam helle und lebendige Bilder. Im Fenster liegen nicht mehr  nur  die Menschen, sondern auch ein kleiner Teil ihrer ganz privaten Welt dahinter. Auf der Pressekonfenz zur Oberhausener „AT HOME”-Ausstellung am Donnerstag haben die beiden übrigens ihren Dozenten an der Fachhochschule Dortmund getroffen. Prof. Jörg Winde lehrt dort Fotodesign und zeigt seine Fotoserie „Tante Änne” aus den Jahren 1992 bis 1994 ebenfalls im Erdgeschoss der Ludwiggalerie. Das Plakatmotiv  (oben) stammt aus dieser Serie. Retro-Stimmung und Farbstich sind analog-authentisch und können von keiner app der welt erzeugt werden, ob wohl das immer wieder versucht wird.

Überdies ist „AT HOME” sehr sehenswert und bietet viel Kunst pro Quadratmeter Wohnfläche. Von der klassischen journalistischen Auffassung der Ruhrgebietsfotografie-Ikonen Manfred Vollmer, Achim Pohl, Jürgen Leiendecker, Marga Kingler und Brigitte Krämer über die formale Strenge der Bechers bis zu den verspielt-ironischen Kunst-Stücken von Judith Saupper und dem hinreißenen „skribblegebibble” von David Janzen und Simon Mellnich. Denen gelingt es mit ihrer Arbeit „April, Mai, Juni 2011”, dem Kulturwandel im Revier eine pointierte Rückkopplung zu verpassen. Ganz schön schrill – wie Rückkopplungen eben so sind – erweitern sie Omas Kitsch-Couch mit schlichtesten Mitteln zu einem kleinen Steam-Punk-Uniersum samt Tagebau im klaffenden Polster, Baumaschinen aus Pappkarton und einem wattedampfenden Zug nach nirgendwo. Wandel durch Industriekultur mal ganz anders. Herrlich.

Die Bilder:

Nun möchte ich diesen Weblogeintrag nicht endgültig abspeichern, ohne zwei Dinge angemerkt zu haben.

Erstens wird “AT HOME” am 20. Mai, dem kommenden Sonntag der RuhrKunstMuseen, um die die Ausstellung „Mein liebstes Stück” erweitert. Gezeigt werden Dinge mit Geschichte aus dem Privatbesitz freiwilliger Ruhrgebietsbewohner. Noch bis Ende August können sich Interessierte daran beteiligen und das Bewerbungsformular auf dieser Seite  der Ludwiggalerie herunterladen. Dort finden sich auch alle Termine der Museumspädagogik von Wohnsinn! bis Luftschloss DreiTausendZwölf.

Zweitens könnte diese Aktion den Gelsenkirchener-Barock-Faktor im Schloss Oberhausen beträchtlich senken. Gut möglich, ich habe 2010 einfach zuviel Aufbruchstimmung inhaliert, oder zuviel junges Ruhrgebiet erlebt, dass auch gut in Hamburg oder Berlin spielen könnte. Vielleicht bin ich auch einfach nicht jung genug. Sicher ist aber eins. Ich kann diese bräsigen Sessel und Sofas, diese schrecklichen Furniermöbel vor tristen Tapeten nicht mehr sehen. Ich wünsche mir eine Ausstellung über das Wohnen im Ruhrgebiet mit Kunstwerken und Bildern nicht älter als, sagen wir mal, fünf Jahre. Die darf dann auch ruhig „ZU HAUSE” heißen, mit einer kleinen und gut recherchierten historischen Abteilung. Da kommen dann die Möbel von Omma rein und gut ist.

 

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Frank Vinken am 12. Mai 2012 in Allgemeines, Kultur

Das Energie-Interview mit Marion Prinz

„Energie ist ein Thema, das alle angeht“

Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin aus Bochum ist Leiterin der Rechnungswesen Governance der RWE AG. Zusätzlich ist Marion Prinz seit 2011 Geschäftsführerin der RWE Stiftung und betreut vor allem die finanzielle Unterstützung der durch die Stiftung geförderten Projekte.

 

Marion Prinz, seit einem Jahr Geschäftsführerin der RWE Stiftung

 

Seit einem Jahr sind Sie Geschäftsführerin der RWE Stiftung. Wie haben Sie in dieser Zeit die Entwicklung der Stiftung erlebt?

Ich habe erlebt, dass die RWE Stiftung ihr Profil weiter geschärft hat. Durch die Fokussierung in den drei Förderfeldern Bildung, Kultur und Soziales ist eine sehr intensive Betreuung der Projekte möglich. Dadurch hat die Stiftungsarbeit inhaltlich gewonnen.

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Redaktion am 03. Mai 2012 in Allgemeines

Das Zitat mit Energie

Zum Wochenende mal wieder ein „Energie-Beitrag“ der anderen Art. Wir haben Impulse gesucht, die nicht von uns, sondern z. B. von Philosophen, Autoren oder auch Wissenschaftlern stammen. Sie alle haben sich mit dem Thema Energie aus verschiedenen Perspektiven beschäftigt. Kennen Sie auch ein schönes Zitat zum Thema? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.

„Meiner Idee nach ist Energie die erste und einzige Tugend des Menschen.“

Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835), deutscher Philosph und Sprachforscher

 

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Daniela Berglehn am 27. April 2012 in Allgemeines, Kultur

Was macht eigentlich der Duracell-Hase an Ostern?

Wie verbringt er die freien Tage, dieser kleine flauschig-plüschige, rosafarbene Geselle, der unermüdlich seine Trommel schlägt?

Sitzt er mit der Hasenmischpoke am Ostertisch und gewinnt im Eierdötschen? Hat er die Muße, genüsslich am Sonntagsfrühstückstisch – selbstverständlich zu vorgerückter Morgenstunde, denn an einem Feiertag muss man ja auch mal fünfe gerade sein lassen und den Wecker ausstellen – da also genüsslich herumzulümmeln, in seinem Kaffee oder Tee oder Nesquik zu rühren und sich die Frühlingssonne auf den Pelz scheinen zu lassen?

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Sarah Meyer-Dietrich am 08. April 2012 in Allgemeines, Soziales

Tanzendes Kraftwerk: Energie der Zukunft

Kunst und Energie – wie passt das zusammen? Nach der Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Musik und Literatur mit Energie in meinen letzten beiden Beiträgen geht es nun um eine Kunstsparte, in der die Beziehung zu Energie gleich auf den ersten Blick augenfällig ist: der Tanz.

Wenn energiegeladene Tänzer über die Bühne wirbeln und ihre ganze Power in die Performance geben, spürt man schnell, wie viel Energie dahinter steckt. Selbst wenn der Tanz mitunter so leicht, so schwerelos wirkt … Der Zuschauer ahnt doch immer, wie viel harte Arbeit diese Leichtigkeit kostet. Dass Tanz jede Menge Investition von Energie erfordert, so wie es auch bei anderen sportlichen Aktivitäten der Fall ist, erscheint daher vielleicht allzu trivial, um weiter hinterfragt zu werden.

Wie aber steht es um den Tanz als Energie produzierenden oder freisetzenden Prozess?

Auf Begriffe wie Energie und elektrisch stößt man zum Beispiel in Interviews mit Wim Wenders, in denen er sich über den Film „Pina“ und seine Begegnungen mit der 2009 verstorbenen Tänzerin und Choreographin Pina Bausch äußert, deren außergewöhnlichem Werk er mit dem Film ein Denkmal gesetzt hat.

Aus Trauer Energie machen

Wim Wenders, für den die Fertigstellung des Films nach dem Tod von Pina Bausch auch ein Stück Trauerarbeit war, sagt darüber zum Beispiel:

„In dieser Arbeit, die der Film leistet, mit der Trauer umzugehen, da ist Pina vielleicht auch am meisten anwesend. Wenn man ihre Arbeiten kennt, dann weiß man auch, dass sie in den schwersten Zeiten ihres Lebens, da, wo es ans Eingemachte ging, ihre lustigsten und leichtesten Stücke entwickelt hat. Ihre eigene Anstrengung, mit Trauer umzugehen, war: ihr etwas entgegenzusetzen. Dass man sich ihr nicht hingibt, nicht ihr Opfer wird, sondern ganz im Gegenteil die Trauer umwandelt in andere Energie.“ (Wim Wenders im taz-Interview)

Aus Trauer Energie machen – das klingt nach einem vielversprechenden Energiekonzept für die Zukunft. Ist Trauer doch ein nachwachsender, ein erneuerbarer Rohstoff, eine Ressource, die nie zur Neige gehen wird, solange es Menschen gibt.

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Sarah Meyer-Dietrich am 03. April 2012 in Allgemeines, Kultur

Nicht eine Wahrheit, sondern viele?

“Sensationelle Kunstausstellung in Berlin” schreibt die BILD und auch den “Tagesthemen” war sie gestern Abend einen Bericht wert: ART and PRESS, eine neue Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin. Sie hält der Presse den Spiegel vor und profitiert zugleich von ihr. BILD ist Medienpartner und wird die Werke der Ausstellung über vier Wochen lang auf einer ganzen Seite vorstellen. BILD-Chef Kai Diekmann sieht darin eine Chance, den 11 Millionen Lesern von “Deutschlands reichweiten stärkster Zeitung” die zeitgenössische Kunst näher zu bringen. Eine tolle Werbung für die Kunst, ein bildungspolitisches Experiment, so die Einen – eine Vereinnahmung, ein PR-Gag, finden Andere. Doch das Experiment kann gelingen, wenn alle Beteiligten offen zusammenarbeiten. Dafür will sich auch Peter Iden einsetzen – Mitglied des künstlerischen Beirats, der das Ausstellungskonzept entwickelte und einer derjenigen, die es vor sich haben, die Sprache der Kunst nicht in die Sprache des Boulevards zu übersetzen. Wir sind gespannt, denn RWE ist Hauptsponsor der Ausstellung und damit Teil des Experiments.

Doch über Kunst soll man nicht lesen, man muss sie sehen. Und dazu war gestern Abend erstmals Gelegenheit. 56 Künstler haben einen Beitrag zu ART and PRESS geleistet – teilweise wurden dafür eigens Werke neu erstellt.  Darunter die eindrucksvolle Installation alter Druckmaschinen von Anselm Kiefer, in deren Mitte gestern die feierliche Eröffnung stattfand.

Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien und RWE-Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Großmann fanden ihren Bezug zum Thema im Kontext der “Freiheit der Kunst” und der “Freiheit der Presse”, die vor allem in den Werken von Ai Weiwei und Farhad Moshiri zum Ausdruck kam. In Gesellschaften, in denen nur eine Wahrheit gilt, sei es um die Freiheit der Presse und die Freiheit der Kunst nie gut bestellt, so Großmann. Die Vielfalt der Meinungen und die Möglichkeit diese auch artikulieren zu können, sei ein hohes Gut. Kai Diekmann reflektierte die Zeitung als Teil der Alltagskultur, die immer im Spannungsfeld zwischen Wahrheit und Wirklichkeit steht und der Philosoph Peter Sloterdijk reflektierte in seinem Festvortrag insbesondere die Wahrnehmung der Kunst und ihre ästhetischen Spielregeln.

Kurator und Veranstalter Walter Smerling, Stiftung Kunst und Kultur Bonn, freute sich über mehr als 900 Besucher, darunter viele Künstler und Prominente.

RWE CEO Jürgen Großmann, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Kurator Walter Smerling (v.l.)
RWE CEO Jürgen Großmann, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Kurator Walter Smerling (v.l.)
Die Künstler Gilbert & George
Gilbert & George

Peter Raue und Peter Sloterdijk

Ab heute ist die Ausstellung für alle geöffnet. Bis zum 24. Juni 2012 besteht die Möglichkeit einige spannende Begleitveranstaltungen zu besuchen. Die erste Lesung und Filmvorführung mit der Künstlerin Marlene Dumas findet bereits heute, 23. März, um 17 Uhr statt. Weitere Gesprächsrunden und Vorträge folgen. www.artandpress.de

Das Verhältnis von Kunst und Zeitung zu reflektieren ist auch Ausgangspunkt für ein interessantes Vermittlungsprogramm, das von der RWE Stiftung gefördert wird. Es richtet sich an Kinder, Jugendliche und Studenten und soll die Fähigkeit zum Lesen und Erfassen von Bildaussagen schulen sowie Erkenntnisse darüber vermitteln, wie sich Bild und Text gegenseitig beeinflussen. “Damit werden Alltagskompetenzen gestärkt, die eine wichtige Funktion im schulischen und sozialen Kontext haben”, so Dr. Stephan Muschick, Geschäftsführer der RWE Stiftung. Um möglichst vielen den Zugang zum Angebot zu ermöglichen sind die ersten 100 Workshops sogar kostenlos. www.gropiusbau.de

Die Ausstellung ART and PRESS geht mit der Zeit: Ab Montag, dem 26. März, bietet ein App für iPhone und Android Hintergrundinformationen und Einblicke in digitaler Form. Interessierte können einen Audioguide, Interviews mit Künstlern und Mitwirkenden der Ausstellung sowie das Rahmenprogramm herunterladen. Den klassischen Katalog gibt es natürlich auch noch. Ein umfangreicher Bildband mit Fachtexten von Götz Adriani, Peter Iden und Heiner Bastian uvm. – erschienen im Wienand Verlag.

Wer jetzt Lust hat, nach der Wahrheit zu suchen, wird hier in Berlin nicht die eine Wahrheit finden, aber viele. Und das ist auch gut so.

 

Alle Bilder: David Ausserhofer, www.ausserhofer.de

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Daniela Berglehn am 23. März 2012 in Allgemeines, Kultur

Kleine Kunstperlen zwischen Bergen von Beliebigkeit

Als Shige Fujishiro im November 2011 mit seinen Arbeiten den Best-Box-Award im Dortmunder Depot gewann, hat er es zunächst kaum fassen können. Seine preisgekrönten Arbeiten sind seit Dienstag in der Foyer-Galerie des RWE Towers zu sehen. Und eins hat der in Hiroshima geborene Künstler mit seiner Präsentation gewiss erreicht. Wohl selten zuvor hat ein Eröffnungspublikum so lange ganz genau hinsehen müssen und auch wollen, um sich in einer Kunst-Welt zurechtzufinden, die nur auf den ersten Blick banal scheint. Unter einer harmlosen Oberfläche aus bunten Perlen lauert tiefe Erkenntnis. Einfach verblüffend.

 

Shige Fujishiro mit seiner Arbeit „Heute Feind – Morgen Freund”

Oder verblüffend einfach, vielleicht sogar zu einfach? Shige Fujishiro macht es uns nicht leicht, ihm auf den gefährlich-schmalen Grat zwischen Kitsch und Kunst zu folgen. Allein die Wahl seiner Werkstoffe macht Kunsthistoriker ebenso nervös wie -Kenner, die glauben, schon alles gesehen zu haben. Sicherheitsnadeln, Draht und Glasperlen. Der Kosmos des Shige Fujishiro besteht aus wenigen, ganz einfachen Bausteinen. Wie im richtigen Leben. Für menschliches Erbgut braucht es eine knappe Handvoll chemischer Verbindungen, für den Literaturnobelpreis nicht mehr als die Buchstaben eines gut sortierten Alphabets.

Sicherheitsnadeln und Glasperlen. Da geraten selbst gestandene Museumsdirektoren ins Stirnrunzeln. Denn: „Das Material macht stutzig. Ist das Kunst oder eher Bastelei?“, fragt Hans Günter Golinski aus Bochum in seiner beherzten Einführungsrede, zeigt sich aber fasziniert und überzeugt gleichermaßen von Fujishiros respektlosem Umgang mit dem schönen Schein der Dinge. Durch Sicherheitsnadeln, Draht und Glasperlen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht, gibt uns die seltsame Aldi-Tüte in der Ausstellung ebenso zu denken, wie die Tasche von Louis Vuitton, der Bonsai mit Löwenzahn und die von fetten Faltern umflatterte, blumige Installation auf Zucker mit dem Titel „Letzte Nacht hatte ich einen Traum in meines Freundes Bett“. Das wirkt nicht nur wegen des Zuckers irgendwie süß, macht aber einen bitterem Nachgeschmack. Glasperlen gehören nicht nur zu den ältesten Zahlungsmitteln und Kunst-Stoffen des Planeten. Glasperlen haben ganze Völkerstämme ums Wohl gebracht. Und schließlich wissen wir doch alle, wie schnell so ein schöner Schein getauscht ist gegen die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

„Spuren von Tränen“ nennt Fujishiro denn auch sein nachdenklichstes Werk auf der großen weißen Stirnwand der Tower-Galerie. Für mich die ergreifendste der Arbeiten, die der in Hannover lebende Fujishiro für „LESS IS MORE“ zusammengestellt hat. Mit Sicherheitsnadeln, Draht, Glasperlen und sechs Gehörnen (Material-Liste) zitiert er die Kirschblüte, den Tod und die Gedanken des Zen, wo weder die Blüte am Baum wirklich wichtig ist noch das verwelkte Blatt am Boden. Was zählt, ist  der Augenblick, in dem es herunterfällt. Aber Digitalfotografen haben es leicht, den Geschichten von Shige Fujishiro zu folgen.  So ein Pixel ist als monochrome Farbfläche an Schlichtheit kaum zu überbieten. Erst die Menge ergibt ein Muster, das sich mit dem nötigen Betrachtungsabstand zum Bild formt. Ein schneller Prozess, der täglich milliardenfach Berge der Beliebigkeit erzeugt. Da hat es Shige Fujishiro leichter aufzufallen. Die Einzigartigkeit von Fastfood-Ketten-Tüten aus Sicherheitsnadeln, Draht und Glasperlen wird wohl niemand bezweifeln.

Wie es mit Fujishiro weitergeht, ist ebenfalls geklärt. Aus Essen war Irma Gublia-Segerath nach Dortmund gekommen, sozusagen als Scout für den Galeristen Thorsten Obrist. Der möchte Shige Fujishiro in seiner Galerie am Museum zeigen. Wir sind gespannt.

Die Bilder aus Dortmund:

 

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Frank Vinken am 15. März 2012 in Allgemeines, Kultur

Tag des Energiesparens: Forschungsprojekt Sustainable Living-Labs

Heute, am 5. März, ist Tag des Energiesparens. Wir wollen das Thema einmal von der wissenschaftlichen Seite beleuchten und haben uns daher zwei Gastbloggerinnen eingeladen, um über ihr neuestes Forschungsprojekt zu berichten. Carolin Baedeker ist stellvertretende Forschungsgruppenleiterin für Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Gemeinsam mit Dr. Christa Liedtke, Leiterin der Forschungsgruppe,beschäftigt sie sich damit, Verbraucher und Verbraucherinnen bereits in den Innovationsprozess neuer Produkte einzubinden und so das Konsumentenverhalten positiv zu beeinflussen. Ihre These: Energiesparen kann durch innovative, nutzerfreundliche Produkte und Dienstleistungen angeregt werden – aber nur, wenn vorher ein Bewusstsein für die Notwendigkeit geschaffen wurde. Bewusstsein schafft man durch die Beteiligung am Entwicklungsprozess von Produkten und Dienstleistungen und durch Bildung – so auch Energiebildung. Hier schließt sich der Kreis: Carolin Baedeker hat auch an dem ersten wissenschaftlichen Workshop zur Energiebildungsstudie der Universität Kiel und der RWE Stiftung mitgewirkt.

Carolin Baedeker
Carolin Baedeker
Dr. Christa Liedtke
Dr. Christa Liedtke

Private Haushalte tragen einen Anteil von 28,5 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch in Deutschland, wovon ein wesentlicher Anteil in den Privathaushalten für Raumwärme sowie Warmwasser anfällt. Eine gesellschaftsverträgliche Transformation hin zu einem nachhaltigeren Energiesystem sollte deshalb die Handlungsweisen sowie die Motivation der Konsumenten bzw. der Nutzer und Nutzerinnen berücksichtigen.

Ob CarSharing, energiesparende Wasserkocher, effizientere Heizungs-, Beleuchtungs- sowie Lüftungssysteme oder einfach “nur” Waschmittel, die bei einer geringeren Temperatur wirken – in den letzten Jahrzehnten wurde eine große Anzahl potenziell energie- und ressourceneffizienterer Technologien, Produkte und Dienstleistungen entwickelt – ohne wesentliche Integration der Konsumenten. Doch diese Technologien führten aufgrund unerwarteten Nutzerverhaltens nur selten zu den gewünschten Effekten. Unerwartetes Nutzerverhalten oder veränderte Verhaltensweisen haben technisch mögliche Effizienzgewinne häufig überkompensiert. Aufgrund sich ändernder Lebensstile hat beispielsweise der Wasserverbrauch zum Duschen, trotz prinzipiell durchlaufoptimierter Armaturen, um etwa 30 Prozent zugenommen, da länger und häufiger geduscht wird.

Das Konzept der “Nachhaltigkeits-LivingLabs” will hier neue Wege gehen. Sie wurden im Auftrag der Europäischen Kommission von einem internationalen Forschungskonsortium, zu dem auch das Wuppertal Institut gehört, unter Leitung der Technischen Universität Delft entwickelt. Die Labs (Labore) ermöglichen in realen Umgebungen wie Wohnraum, Arbeitsumfeld, Verkehrsweg oder Stadtumfeld die interaktive Erforschung von Mensch-Technik-Beziehungen. Die besondere Aufmerksamkeit der Forscherinnen und Forscher richtet sich dabei auf den effizienteren Gebrauch von Energie und Ressourcen, auf die Forcierung von nachhaltigeren und erneuerbaren Energieformen sowie auf die Entwicklung von klimaschonenden, ressourceneffizienten Technologien und Lebens-/Wirtschaftskulturen. Neben den Produzenten und Nutzern werden auch Handwerker, Verbraucherzentralen und Designer als relevante Akteure des Wertschöpfungs- bzw. Entwicklungs- und Umsetzungsprozesses von Produkten und Dienstleistungen in den Prozess einbezogen.

Damit neue Produkten und Dienstleistungen akzeptiert und richtig gehandhabt werden, reicht funktionelles, bedienerfreundliches und ansprechendes Design nicht aus. Denn man muss auch in der Lage sein und über das Wissen verfügen, das Produkt richtig zu nutzen. Und schließlich darf die Lust nicht fehlen, die Neuheit dauerhaft verwenden zu wollen. Dafür gilt es neben technischen Innovationen auch geeignete Bildungskonzepte zu entwickeln, die für Produzenten und Konsumenten gleichermaßen geeignet sind.

Eines dieser Nachhaltigkeits-LivingLabs wird von 2012 bis 2015 im Ruhrgebiet, im Rahmen des EU-Projekts SusLabNWE umgesetzt und durch Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Programm INTERREG IVB NWE gefördert. Bottrop ist die Modellstadt für InnovationCity Ruhr. Hier werden die deutschen Projektpartner, Wuppertal Institut, Hochschule Ruhr West und InnovationCity Ruhr GmbH, eine LivingLab-Infrastruktur aufbauen. Mit Bottroper Haushalten wird eine Pilotanwendung im Bereich Heizung und Raumwärme durchgeführt. Kofinanziert wird das Projekt aus Mitteln des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen.

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Redaktion am 05. März 2012 in Allgemeines, Bildung

Soziale Energie

Kultur elektrisiert – das war der einprägsame Slogan der RWE AG im Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010. Auf den dazugehörigen Plakaten konnte man sehen, wie den von Kultur Elektrisierten die Haare vom Kopf standen.

In meinem letzten Beitrag ging es unter anderem darum, wie Musik elektrisieren, wie sie unter Strom setzen, welche Energieflüsse sie auslösen kann. Gemeint war dabei nicht unbedingt, dass man beim Griff nach der E-Gitarre Gefahr läuft, sich einen Stromschlag einzufangen (auch wenn es Menschen zu geben scheint, die dieses Problem haben). Fazit war jedenfalls, dass Musik ziemlich viel mit Energie zu tun hat – uns in Bewegung versetzt, äußerlich wie innerlich.

Anders verhält es sich bei einer anderen Kultursparte, könnte man meinen: der Literatur. Wer einen versunkenen Leser übers Buch gebeugt sitzen sieht, mag denken, dass das recht wenig mit Energie zu hat – abgesehen davon vielleicht, dass die elektrische Energie das Rezeptionsverhalten des Lesers nicht unbeeinflusst gelassen hat: Ob das E-Book die traditionellen Printerzeugnisse wirklich zu verdrängen vermag, wird man zwar erst in Jahrzehnten zu sagen vermögen. Aber versuchen Sie doch bitte mal, ohne Taschenlampe heimlich unter der Bettdecke zu lesen!
Fernab von diesem durch elektrische Energie veränderten Rezeptionsverhalten mag in dem still und versunken dasitzenden Leser aber wesentlich mehr passieren als von außen sichtbar. Nicht immer müssen sich einem im wortwörtlichen Sinne die Haare sträuben, wenn man unter Strom steht. Was aber kann Literatur im Leser auslösen, welche Energien setzt sie frei? Befragen wir zunächst einmal die Literatur selbst:

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Sarah Meyer-Dietrich am 02. März 2012 in Allgemeines, Bildung, Kultur, Soziales

Das Energie-Interview mit Joey Kelly

“Sport ist die Quelle, aus der ich Energie tanke”

Als erster Mensch hat er in einem Jahr acht Ironman absolviert, ist also achtmal am Stück 3,86 Kilometer geschwommen, 180,2 Kilometer geradelt und dann 42,195 Kilometer gelaufen. Er ist zu Fuß in 17 Tagen und 23 Stunden von Wilhelmshaven bis zur Zugspitze und in zehn Tagen quer durch die Antarktis zum Südpol gelaufen. Er hat 44 Marathons und 31 Ultra-Marathons gefinisht, mehr als 10 Wüsten-Ultra-Läufe überstanden und 3-mal beim „Race Across America“ die USA auf dem Rad durchquert. Wenn Joey Kelly über Energie redet, dann weiß der 39-Jährige, wovon er spricht.

Herr Kelly, welche spontanen Assoziationen haben Sie bei dem Begriff Energie?
Ohne Energie ist alles nichts. Energie ist Gesundheit, Energie ist Leben.

Joey Kelly – Energiebündel in Sachen Sport und Musik

Was verbinden Sie mit der Energiewende?
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Redaktion am 20. Februar 2012 in Allgemeines, Kultur