Archiv der Kategorie ‘Bildung‘

Bronnbacher Stipendium: Im besten Fall entsteht eine Sehnsucht nach Kunst

Am 9. Mai 2012 fand an der Ruhr-Universität Bochum die Abschlussfeier des 5 Jahrgangs des von der RWE Stiftung geförderten Bronnbacher Stipendiums statt. Das Programm ermöglicht den Stipendiaten ein Jahr lang einen intensiven Einblick in zeitgenössische Kunst. Als Stipendiaten ausgewählt wurden Studierende und Promovierende aus verschiedensten fachlichen Disziplinen. Das Besondere daran: von der Wirtschaftswissenschaft über die Medizin bis hin zur Chemie handelt es sich dabei gerade um „kunstferne“ Fächer. Im Laufe der vierzehn Abend- und Wochenendveranstaltungen begegneten sie Künstlern und Kulturschaffenden, setzten sich mit einzelnen Werken und spezifischen Positionen auseinander und nahmen auch selbst aktiv an künstlerischen Workshops teil.
Das fünfjährige Bestehen des Stipendiums ist Anlass genug einmal nachzufragen. Beim Kurator Dr. Sven Sappelt, der das Stipendium an der Ruhr-Universität Bochum aufgebaut hat und bis heute leitet. Und bei den ehemaligen Stipendiaten. Was passiert, wenn „Fachfremde“ auf zeitgenössische Kunst treffen?

5 Jahre Bronnbacher Stipendium sind eine lange Zeit und viele Erfahrungen. Was waren aus deiner Sicht die Highlights des Programms?

Sven Sappelt: Im Laufe von fünf Jahren kommen natürlich etliche Veranstaltungen zusammen. Wir haben Kulturmetropolen wie Berlin, Wien, Paris, Istanbul und Stockholm besucht; mit eindrucksvollen Persönlichkeiten wie Nele Hertling, Heiner Goebbels und Matthias Lilienthal gesprochen und mit jüngeren Künstlern wie Doris Dziersk, Herbordt & Mohren, Maxi Obexer, FÖN und Jan Wagner zusammengearbeitet. Da fällt es schwer, einzelnes besonders hervorzuheben.

Du arbeitest mit Studierenden und Promovierenden aus verschiedenen Fachbereichen. Wie ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit?

Sven Sappelt: Zunächst einmal versuche ich die Stipendiaten gar nicht als Studierende zu sehen, sondern als Menschen mit individuellen Biografien und besonderen Begabungen. Das schafft schon einmal viele Gemeinsamkeiten. Dass sie sich um eine Teilnahme an dem Programm bewerben müssen, gewährleistet, dass sie freiwillig kommen und wirklich etwas wissen möchten. Für mich bedeutet das wiederum, dass ich auch etwas bieten muss, da sie ansonsten einfach wegbleiben. Dieses gegenseitige Interesse ist eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Stipendiaten-Statement Nr. 1

Während des Bronnbacher Stipendiums lernten wir eine Reihe von intelligenten und kreativen Köpfen kennen, sowohl unter den Mitstipendiaten als auch unter unseren Gesprächspartnern bei den wöchentlichen Exkursionen. Das alles gab mir viele Denkanstöße mit und zeigte mir, wie ich in gewissen Situationen das Beste aus mir raushole. Seit dem Bronnbacher Stipendium bin ich sensibler für kulturelle und politische Themen und habe eine Meinung zu Themen, denen ich früher gleichgültig oder unwissend gegenüber stand. Außerdem nehme ich aktiver am kulturellen Leben meiner Stadt teil und bin motivierter mich sozial zu engagieren. Nicht zuletzt lernte gute Freunde fürs Leben kennen.

Kerstin Poggemann (26); 3. Bronnbacher Jahrgang; Studiengang: Humanmedizin; berufliche Tätigkeit: Assistenzärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin

Grenzen überschreiten

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Sarah Meyer-Dietrich am 14. Mai 2012 in Bildung, Kultur

Ehrenamt ist nicht umsonst (zu haben)

Wie lässt sich bürgerschaftliches Engagement besser fördern? Wie motiviert man Menschen zum Ehrenamt? Darüber diskutierten bei der Berliner Stiftungswoche jetzt Verantwortliche aus Stiftungen, Ehrenamtliche und Politiker. Ein Beitrag unserer Gastautorin Christine Plaß:

Fische sezieren, TV-Dokus filmen, Fußballspielen. Flexibilität ist für Anna Vatankhah Berufsalltag. Als Projektleiterin des Knowledge Clubs Berlin an der Richard-Grundschule in Neukölln leitet sie dort Studenten an, die nachmittags Freizeitaktivitäten anbieten – ehrenamtlich versteht sich.

Die Angebote orientieren sich an den Bedürfnissen der Kinder und wollen ihre Talente und Interessen fördern. Mit dem Film „Lottokönig Abdallah“ kamen die Kids von der Richard-Schule sogar in die Tagespresse. Anna Vatankhah hatte Filmschaffende von „Arte“ und „Tatort Leipzig“ gewonnen, die mit den Grundschülern drehten. Doch TV-Dokus filmen und mit Kindern arbeiten, die sich, wie Schulleiterin Marita Holt es freundlich ausdrückt, „oft erst einmal von ihrer herausfordernden Seite zeigen“, sind zweierlei paar Schuhe. Als Sonderpädagogin gibt Anna Vatankhah Tipps, wie man „die Kinder kriegen kann“. Sie weiß: „Es ist eine große Herausforderung für die Ehrenamtlichen. Das ist auf gar keinen Fall nur Spaß, sondern harte Arbeit.“

 

Großes Podium für das Thema Ehrenamt: Die Experten diskutierten im ZDF-Hauptstadtstudio

 

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Redaktion am 02. Mai 2012 in Bildung, Soziales

Von Hochbegabung bis Chancengleichheit: Worüber Stiftungen bloggen

Unser Lesetipp für alle, die heute am Feiertag Zeit haben: Nicht nur unsere Stiftung blogt, auch andere tummeln sich mit interessanten Angeboten im Social Web. Empfehlenswert sind beispielsweise diese sechs:

 

 

Bertelsmann-Stiftung
Der Bildungs-Blog “Vielfalt Lernen” widmet sich der Frage, wie mit der zunehmenden Heterogenität der Schüler konstruktiv umzugehen ist und wie Unterschiedlichkeit und multikulturelle Strukturen befruchtend sein können. Uns gefällt zum Beispiel der aktuelle Beitrag zu “Chancengerechtigkeit in der Bildungsrepublik Deutschland“.

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Redaktion am 01. Mai 2012 in Bildung, Kultur, Soziales

Von Wolkenkugeln, Piranhas und einer Webcam im Meisennest . . .

Während in vielen Städten des Ruhrgebiets bei Bürgern und Bürokraten langsam die Erinnerung an das Kulturhauptstadtjahr verblasst und sich Wissenschaftler skeptisch distanzieren, blickt Christa Schragmann glücklich zurück und erinnert sich begeistert an die Aufbruchstimmung im Revier. Für die Leiterin des  Naturkundemuseums „Haus RuhrNatur“ in Mülheim war 2010 das Beste, was passieren konnte. Die RWW haben ihrem Haus im denkmalgeschützten Betriebsgebäude auf der Kraftwerksinsel am Mülheimer Wasserbahnhof neben der Renovierung eine komplette neue „Forschungsabteilung”  spendiert. Mit Lehr- und Lernstationen zu den Themen, Wind- und Wasserenergie, Solartechnik und Bionik, mit einer zauberischen Wolkenkugel (unser Bild), mit Strömungsbecken für die Wasserkraftforschung und einem virtuellen Erdball für die lichtschnelle Reise durch alle erforschten Erdzeitalter und Klima-Epochen.

Christa Schragmann mit Wolkensimulator im „Haus RuhrNatur” in Mülheim

Ich treffe Christa Schragmann hinter der Kasse, wo sie den diensthabenden Kollegen vertritt. An diesem sonnigen Frühlingstag ist der Empfang, eine enge aber effektive Mischung aus Kasse, Information und Museums-Shop, dicht umlagert. Eine Kindergruppe schnattert angeregt durcheinander und ist sehr geneigt, das Ausflugs-Taschengeld in kleine Experimente zu investieren, mit denen sich die Naturforschung zu Hause fortzusetzen lässt. Einen knappen Meter daneben rauscht lautstark Wasser mit Hochdruck durch den Kanal der Strömungsanlage, um dort in kürzester Zeit einen Wall aus Sand und Steinen einzuebnen, den kurz zuvor ein Großelternpaar samt Enkeln stolz in den Strom gebaut hatte. Viel los im Hause „RuhrNatur. „Wir werden hier zeitweise regelrecht überrannt.” Christa Schragmann hebt die Stimme gegen das Getöse und gönnt sich das kappe Lächeln des Museums-Profis, der weiß, dass keine Besucherzahl so hoch ist, dass sie sich nicht noch erhöhen ließe.

21.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr ins „Haus RuhrNatur“ auf der Insel mit dem „Wasserbahnhof” und der niedlichen Schleuse, in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angelegt, um die Fallhöhe für das Wasserkraftwerk Kahlenberg auf rund fünf Meter zu erhöhen. Für zahlreiche Biologie-Grund und -Leistungskurse der Gesamtschulen und Gymnasien des Reviers ist das „Haus RuhrNatur” zum festen Bestandteil der Unterrichtsprojekte geworden.

Wer die Lernstationen im „Haus RuhrNatur” durchforscht hat, der weiß, wie man aus Wasser Energie gewinnt, warum Haie so schnell schwimmen, wie man erfolgreich Solar-Module mit Motoren verkabelt und dass eine Kaplan-Turbine nichts mit der Kirchensteuer zu tun hat. Stichwort: Energie-Bildung. Ich allerdings gebe zu, beim Rundgang vor dem Piranha-Aquarium zweimal nachgefragt zu haben. Was haben die kleinen Fische mit dem großen Gebiss mit der „RuhrNatur” zu tun? „Neubürger“, erklärt Christa Schragmann knapp: „Neubürger und ein gutes Beispiel dafür, dass exotische Tiere nicht in unser Ökosystem gehören.“ Gedankenlos ausgesetzt finden sich Piranhas vor Kühlwasser-Einlässen und sollen auch schon von Anglern aus Mülheimer Hafenbecken gefischt worden sein. Eine der spannendsten „RuhrNatur”-Installationen gibt es allerdings nur im Frühling. Christa Schragmann hat eine Webcam ins Meisennest hinterm Haus geschmuggelt. Wie auf dem Monitor im Mikroskopierraum zu sehen ist, wird zur Zeit noch gebaut . . .

Bleibt zu erwähnen, dass im „Haus RuhrNatur” am 30. Juni auch wieder eine Extraschicht gefahren wird. „2011 waren wir bei der Publikumsbefragung unter den Top Ten”, berichtet Christa Schragmann stolz. 2012 sollen Licht- und Klanginstallationen auf der Kassenbergbrücke zum Wasserkraftwerk  ganze Zeitalter überspannen und den Sound der Zeitalter hörbar machen. Zudem wird das schönste Naturkundemuseum des Ruhrgebiets im August seinen 20. Geburtstag feiern. Das Programm ist in Arbeit. Wir kommen darauf zurück.

Die Bilder:

 

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Frank Vinken am 18. April 2012 in Bildung, Kultur

Kinder- und Jugendförderung durch Stiftungen – wohin führt der Weg?

“Umsonst? Wertvoll!”

Unter diesem Motto steht unsere Diskussionsrunde im Rahmen der Berliner Stiftungswoche am Freitagabend. Es geht um bürgerschaftliches Engagement zugunsten von Kindern und Jugendlichen und im Besonderen um die Frage, welche Rolle dabei Stiftungen spielen.

Mehr Infos: www.berlinerstiftungswoche.eu

Dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ohne bürgerschaftliches Engagement nicht mehr auskommt, dürfte „common sense“ sein. Schließlich sind ehrenamtliche Helfer eine enorme Unterstützung: in der Freizeitgestaltung etwa, im Bildungsbereich, aber auch in der Begleitung kranker Menschen. Diskussionsbedarf gibt es dennoch: weiterlesen »

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Redaktion am 16. April 2012 in Bildung, Soziales

bilnos – Lehrer-Förderung, die Schülern hilft

Im ersten Moment klingt es paradox: Warum sollte sich ein soziales Förderprojekt um Lehrer kümmern, wenn doch eigentlich die Schulkinder im Fokus des Interesses stehen?

„bilnos“, das Projekt zur „Bildungs- und Lernberatung im nördlichen Osnabrücker Land“ (daher auch der Kunstname als Abkürzung) gibt die Antwort. Weil Lehrerförderung natürlich indirekt eine ganz wertvolle Form der Schülerförderung ist. Weil nur Lehrkräfte, die sich bewusst sind, wie man unterschiedlicher leistungsstarke Schüler individuell unterstützt, dies auch im Schulalltag tun können. Und weil gut ausgebildete Lehrer damit das Fundament eines Bildungssystems sind, in dem auch intellektuell oder sozial benachteiligte Kinder Aufstiegschancen haben.

Ein Videoteam hat sich daher im Osnabrücker Land genau diese Facette von bilnos genauer angeschaut. Wie schafft es das Projekt, die Lehrer fit zu machen? Siegfried Leicht, Vorsitzender des Bildungsfonds e.V.  als Träger von bilnos, und Thomas Nachtwey vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft standen der Video-Crew Rede und Antwort. Sehen Sie selbst:


Sie wollen mehr über das von der RWE Stiftung seit 2011 geförderte Programm erfahren? Weitere Infos finden Sie hier auf der Website oder bei uns im Blog, wo wir neulich schon ausführlich über bilnos berichtet haben.

Uns interessiert Ihre Meinung: Müssen Lehrer in Deutschland in Sachen Individualförderung mehr Unterstützung/mehr Input erhalten? Oder könnte man das Geld sinnvoller einsetzen?

 

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Redaktion am 10. April 2012 in Bildung

Das „Haus der Berufsvorbereitung“: Sprungbrett in die Ausbildung

Es gleicht einem Paradoxon: Ganz Deutschland beklagt den Fachkräftemangel, immer mehr Unternehmen finden keine Bewerber – zugleich finden aber Jahr für Jahr zehntausende Hauptschüler nach dem Abschluss keine Ausbildungsstelle.

Hier setzt das das Sozialwerk Dürener Christen in NRW mit seinem Projekt „Haus der Berufsvorbereitung – Jugendliche engagieren sich für die Zukunft“ an. Sein Ziel: ausbildungswilligen Hauptschülern den Weg in eine duale Berufsausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ebnen.

Motiviert nehmen die Schüler das Projekt in Angriff

Die Schüler nehmen freiwillig und in ihrer Freizeit an dem Projekt teil und werden während des gesamten zehnten Schuljahres von einem Team an Pädagogen und Lehrkräften begleitet. Die erarbeiten mit ihnen die benötigten Fertigkeiten und Kenntnisse für den angestrebten Beruf und verschaffen den Jugendlichen Kontakte zu Unternehmen.

In Rollenspielen üben die Schüler soziale Schlüsselqualifikationen

Das Sozialwerk Dürener Christen besitzt dabei als langjährig erfahrener Bildungsträger in der Region breitgefächerte Kontakte in die Berufswelt und stellt dieses den Schülern zur Berufsorientierung zur Verfügung. Handwerksberufen wie Tischler, Metallbauer und Maler/Lackierer zählen genauso dazu wie Gartenbauberufe oder Dienstleistungs-Jobs als Friseur, im Verkauf oder der Bürokommunikation. Der hauseigene Pflegedienst erweitert das Spektrum zudem auf die sozialen Berufe.

Übergabe der Zertifikate an die erfolgreichen Absolventen

Vor dem Hintergrund eines drohenden Fachkräftemangels und der oft geringen Chancen von Hauptschülern, nahtlos nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zu finden, wurde mit dem „Haus der Berufsvorbereitung“ ein Projekt initiiert, welches einen neuen Weg in Sachen Berufsorientierung aufzeigt. Unternehmen verlangen eine gewisse „Ausbildungsreife“ und zahlreiche Schlüsselqualifikationen – und genau die sind ein wichtigen Bestandteil der Arbeit.

Die Erfolge können sich sehen lassen: Schulen und Betriebe haben zahlreichen teilnehmenden Schülern bereits eine deutliche Verbesserung der persönlichen Stärken bescheinigt. Und in allen Jahren gelang es zudem, einen großen Teil der beteiligten Schüler in eine weiter führende Ausbildung zu vermitteln.

War das „Haus der Berufsvorbereitung“ vor drei Jahren ein ganz neuer Feldversuch im Hauptschul-Bereich, hat es sich inzwischen zu einem wichtigen Baustein schulischer Berufsorientierung entwickelt. Heute sind an vielen Schulen ähnliche Projekte mit dem Ziel einer effektiven Übergangsbegleitung fest installiert. Themen wie frühzeitige Berufsorientierung, Potenzialanalysen der persönlichen Kompetenzen und kontinuierliche Förderung der fachlichen Stärken gehören glücklicherweise zum heutigen schulischen Alltag dazu.

Man hat erkannt, dass es sehr wichtig ist, Schüler bei der beruflichen Orientierung zu unterstützen und ihnen einen Wegweiser durch die mannigfaltigen Möglichkeiten der Berufswelt an die Hand zu geben. Gerade Hauptschüler benötigen diese wichtige Unterstützung, weil man ihnen lange Zeit nur wenige Chancen auf dem Arbeitsmarkt einräumte, obwohl in jedem Schüler ein Potenzial steckt. In diesem Sinne ist man mit Projekten wie dem Haus der Berufsvorbereitung und den schuleigenen Berufsorientierungsangeboten auf dem richtigen Weg, um in Zukunft jedem ausbildungswilligen Schüler einen Zugang zum regionalen Arbeitsmarkt zu verschaffen.

 

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Redaktion am 05. April 2012 in Bildung, Soziales

Energie = Mammutbraten

Unser “Energie-Fragebogen” auf Zeitreise: Interview mit dem Neandertaler

Wo heute eines der beliebtesten und modernsten Museen Europas steht, wurde vor rund 150 Jahren der namengebende Neandertaler entdeckt. Im damals von Steilwänden eingerahmten Tal der Düssel haben Arbeiter im Jahre 1856 beim Kalkabbau Knochen gefunden, die der Wuppertaler Lehrer und Naturforscher Fuhlrott als Skelettreste eines eiszeitlichen Menschen identifizierte – der Neandertaler war geboren.

“Was Euch in Sachen Energie so alles einfällt, da kann ich nur staunen”

Heute ist der Neandertaler ein wahrer Weltstar. Jeder kennt ihn – jeder hat ein Bild von ihm. Grund genug, dass ihm und der Menschheitsgeschichte, in der er eine bedeutende Rolle spielt, mit wesentlicher Unterstützung der RWE AG im Jahre 1996 ein Museum gewidmet wurde, welches seither jährlich 170.000 Besucher in das Neanderthal nahe Düsseldorf lockt. Die erste lebensechte Rekonstruktion des Original- Neandertalers begrüßt im Foyer des Museums seit 2006 die Besucher. Trotz Touristen-Ansturm hat er sich netterweise Zeit für unseren “Energie-Fragebogen” genommen:

Welche spontanen Assoziationen haben Sie bei dem Begriff Energie?
Wärme, Mammutbraten

Was verbinden Sie mit der Energiewende?
Dass wir uns auf die Ursprünge besinnen. Wir haben ja damals von dem gelebt, was die Natur uns geboten hat. Mit der Energiewende soll intelligent das natürliche Angebot z.B. an Sonne und Wind genutzt werden. Aber nicht zurück in die Steinzeit, bitte! Ihr könnt das heute doch viel besser. Wir waren zwar auch innovativ und haben es geschafft, im eiszeitlichen Europa zu überleben, aber was Euch in Sachen Energie so alles einfällt, da kann ich nur staunen.

Wo tanken Sie Energie?
Abends am Feuer, wenn die Alten spannende Geschichten erzählen.

Wofür hätten Sie gerne mehr Energie?
Ich finde Eure Zeit so unglaublich spannend und hätte gerne noch die Lebensenergie, Euch beim Erfinden und Entwickeln neuer Technologien zuzuschauen.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage des Neanderthals und auf der Facebook-Seite des dortigen Museums.

 

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Redaktion am 01. April 2012 in Bildung, Kultur

„Energie ist ein Motor unserer Gesellschaft“

Interview mit Prof. Manfred Euler, wissenschaftlicher Leiter der Energiebildungsstudie des IPN Kiel und der RWE Stiftung, zu aktuellen Ergebnissen und zukünftigen Anforderungen an die Vermittlung des Querschnittsthemas Energie im deutschen Bildungssystem

Prof. Manfred Euler

Herr Prof. Euler, warum beschäftigen Sie sich mit dem Thema Energiebildung?

Energie ist für mich ein Querschnittsthema, das Wissenschaft, Technik und Lebenswelt verbindet. Ohne Energie gäbe es kein Leben. Energie ist ein Motor für alles und diesen Motor am Laufen zu halten ist ganz essentiell für unsere Gesellschaft. Die Energiebildungsstudie, die das IPN Kiel im Auftrag der RWE Stiftung durchführt, ist für mich von großer Bedeutung, weil sie zeigt, dass wir in unserer Gesellschaft mit diesem ganz wichtigen Querschnittsthema nicht in der gebührenden Tiefe umgehen und wir da unbedingt noch etwas nachlegen müssen, damit wir unsere Jugend zukunftsfähig machen können. 

Im ersten Schritt der Energiebildungsstudie haben Sie die Lehrpläne analysiert. Was war das zentrale Ergebnis?

Zum einen hat sich erneut gezeigt, dass es in Deutschland auf Grund der föderalen Struktur sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen gibt. Es ist durch viele weitere Studien belegt, dass Bildungsgerechtigkeit einen geographischen Aspekt hat. In einigen Gegenden hat man einen besseren Zugang zu Bildung, als woanders. Dagegen muss man, denke ich, etwas tun. Der zweite Punkt, der mich wirklich überrascht und auch schockiert hat, war, dass bei grundlegenden Themen, wie der Physik beispielsweise, keine klare Kohärenz in den Lehrplanvorgaben bestand. Der dritte Punkt ist, dass eine Beliebigkeit besteht hinsichtlich dessen, was man über die Naturwissenschaften und die Technik hinaus macht – also ob das Energiethema z.B. auch von einer geopolitischen Seite aus betrachtet wird. Da Energie so ein wichtiges Querschnittsthema ist, muss künftig an den entsprechenden Vorgaben gearbeitet werden, um das Ganze sichtbar und für jeden begreifbar zu machen.

Nun haben Sie die Lehrer direkt befragt. Wo sehen diese die Chancen und Herausforderungen in der Energiebildung?

Zunächst sagen die Lehrer in der Tat, und das bestätigt auch die theoretischen Ergebnisse aus den Lehrplananalysen, dass wir viel tun müssen, um die Energiebildung im Schulsystem zu verankern. Zwei Drittel der Lehrer sagen, es reicht nicht aus, was wir derzeit tun und 90% sagen, es müssen erheblich mehr Anstrengungen unternommen werden, um Energiebildung auf den Stand zu bringen, der aus ihrer Sicht notwendig wäre. Das steht auf der Seite der Herausforderungen. Auf der Seite der Chancen wurde deutlich, und das ist die positive Nachricht, dass die Lehrer selbst eine sehr große Bereitschaft zeigen, sich in Sachen Energiebildung zu engagieren und durchaus über den fachlichen Tellerrand hinwegschauen. Sie sehen, dass das Thema wichtig ist, dass Technologien in diesem Zusammenhang wichtig sind und dass gesellschaftliche Aspekte wichtig sind. Aber die Lehrer sagen auch: Es gibt Rahmenbedingungen, die die Umsetzung der umfassenden Betrachtung der Energiethematik erschweren. Lehrer nennen hier Defizite in Aus- und Fortbildung sowie mangelnde materielle und zeitlich Ressourcen.

Diese Ergebnisse überprüfen Sie jetzt durch eine Delphi-Befragung. Wie genau gehen Sie vor?

Wir spielen die Ergebnisse aus der ersten Umfrage noch einmal an die Befragten zurück und stellen ihnen erneut die gleichen Fragen. Die Lehrkräfte können vor dem Hintergrund der Ergebnisse ihre eigene Meinung reflektieren. Wir wollen damit erreichen, die Ergebnisse der ersten Runde abzusichern und wir hoffen auch, genauere geographische Unterschiede in den Lehreraussagen statistisch absichern zu können. Auf diese Ergebnisse aus den Bundesländern bin ich besonders gespannt. Insgesamt soll die Delphi-Befragung dazu beitragen, die Gesamtergebnisse auf eine breitere empirische Basis zu stellen.

Wie geht es weiter und was versprechen Sie sich von den Ergebnissen der Studie?

Wir haben aus den Lehreraussagen schon einige Hinweise bekommen, an welchen Stellschrauben man drehen kann und sollte. Die Umfragen zeigen, dass tatsächlich einiges im Energiebildungsbereich in Gang gekommen ist. Vor allem im Eingangsbereich, im Bereich der Grundschule, gibt es sehr viel Bewegung und Innovation. Wir müssen es schaffen, dass das, was dort passiert, auch in die anderen Bereiche weiter getragen wird. Denn deutlich wurde auch, dass im Übergangsbereich bzw. im Eingangsbereich der weiterführenden Schulen nicht so viel passiert und die Anschlussfähigkeit zwischen Grundschulen in die weiterführenden Schulen nicht ausreichend gegeben ist. Hier hat die empirische Studie sehr klar gezeigt: Es besteht Handlungsbedarf. Da Energie ein ziemlich abstraktes Konzept ist, besteht weiterer Handlungsbedarf darin, erfahrungsbasiertes Lernen, also Lernen aus Experimenten, Projekten oder allgemein mit schüleraktivierenden Lernformen, zu vertiefen.

Wir sind gerade dabei, einen „Schüler-Energiebildungstest“ auf die Beine zu stellen. Dazu haben wir schon erste Pilotstudien laufen lassen. Wir wollen sehen, was in den Köpfen der Schüler im Bereich der Energiebildung ankommt, wie sie mit eher praktischen lebensweltlichen Dingen der Energie zurechtkommen und wie sie das Energiekonzept allgemein verstanden haben, wie sie gesellschaftliche Implikationen sehen und wie sie aufgrund ihres Wissens auch grundsätzlichere gesellschaftliche und ethische Herausforderungen bewerten. Wir untersuchen also das konzeptuelle Verständnis sowie Aspekte der Bewertung der Energiethematik und versuchen, das mit dem Unterricht zusammenzubringen, den die Schüler genossen haben. Wir vermuten durchaus enge Zusammenhänge mit der Unterrichtsintensität und sind ganz gespannt, diese Ergebnisse flächendeckend zu bekommen, um zu sehen, wo besonderer Handlungsbedarf besteht. Das wäre auch eine Basis um zu sehen, wohin sich das Thema Energiebildung in der Schule in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickelt.

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Redaktion am 30. März 2012 in Bildung

Der „Maximalförderer”

Eigentlich hatte das ein Routine-Termin werden sollen. Fotos für den Geschäftsbericht der Stiftung vom Projekt „VeddelErleben” in Hamburg. Wie gesagt, eigentlich ein Routine-Termin, bis mir Ulrich Koch begegnet ist. Denn wenn sich auch alle der in diesem Tagebuch vorgestellten Initiatoren, Mitarbeiter, Freunde, Förderer und Partner der Stiftung auf sehr hohem Energie-Niveau engagieren, dann gebührt Ulrich Koch ein Platz in der Kraftwerksklasse.

Was der 67-jährige, studierte Indologe, ehemaliger Seemann und praktizierende Computergrafiker anpackt, das kesselt. Von „Stand” mit oder ohne Ruhe nicht die Spur. Begonnen hat alles mit einem internationalen Straßenfußballturnier, aus dem der Förderverein „Get the Kick e.V.” geboren wurde. Das war 2002. Heute hilft der Verein mit sechs Projekten Kindern aus schwierigen sozialen und ganz unterschiedlichen kulturellen Lebenswelten, die Kurve – den „Kick” – zu kriegen, das eigene Schicksal aktiv in die Hand zu nehmen. Ohne Gewalt und Aggression, mit Mut und dem guten Gefühl, Ziele erreichen zu können, die man sich kaum selber zugetraut hätte. „VeddelErleben” ist eins der besten Beispiele dafür.

„Eigentlich wollten wir ja eine Bank gründen”, erzählt Uli Koch im Vorgespräch mit dem Selbstbewusstsein des erfahrenen Maximalförderers und seine wachen blauen Augen blitzen, „aber die Sparkasse Hamburg hatte damals eigene Pläne”. So ist aus der Schülerbank eine Schülerfirma geworden, die mit Erfolg den Turnsaal der ehemaligen Polizeikaserne auf der Veddel-Insel im Zollhafen bewirtschaftet, 2006 von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA GWG umgebaut und renoviert, heute täglich von Kitas, Sportvereinen, Poetry-Slammern und dem Jungen Schauspiel des Thalia-Theaters genutzt.

Dabei hatte das Projekt „VeddelErleben” aus der Sicht des Initiators keinen leichten Start. Ulrich Koch: „Mit zitternden Knien habe ich hier angefangen. Briefe schreiben war eine Katastrophe, von Emails ganz zu schweigen.“ Doch auf der „Veddel” hat auch Ulrich Koch erlebt, „wie gut das funktioniert, wenn man den Jugendlichen etwas zutraut und ihnen echte Verantwortung überträgt. Die Zahlen stimmen und der Jahresabschluss war einfach Klasse.” Zudem kümmert sich Ulrich Koch um viele der Kleinigkeiten, die erfolgreiche Firmenbetreiber auch sonst noch brauchen. Wir treffen die Projektklassen in der Turnhalle beim montäglichen Workshop mit den Trainern von „Sportjobs Hamburg”. Die Jugendlichen sollen Körpergefühl entwickeln mit der Perspektive, das Wissen um die Beziehungen zwischen frischem Geist und bewegtem Körper künftig auch anderen vermitteln zu können. Ulrich Koch verteilt die neuen Firmen-T-Shirts. Edles Grau mit dezentem Logo. Sehr zeitgemäß. Der Marketingprofi mit eigener Agentur denkt dabei sicher auch an den Fotografen, der Bilder braucht. Später im Klassenraum der Stadtteilschule Wilhelmsburg wird er neue offizielle Visitenkarten verteilen. Die sehen gut aus und stammen aus seinem Bürodrucker, alle „VeddelErleben”-Abteilungen sind vertreten, die gewählten Geschäftsführer ebenso wie Kundenbetreuer und das „Facility Management”, eine leichte Übung für jemanden, der jahrelang für den Hamburger Flughafen als Database-Publisher die Flugpläne erstellt hat. Zwei Laptops bringt Koch ebenfalls immer mit, samt Surfstick, um die Kunden-Emails auf den Weg zu bringen.

Indes führt Projektlehrer Sven Wagner seine Klasse geduldig aber bestimmt durch das kleine Chaos einer Schülerfirma mitten im Alltag. Hallennutzer haben nach einer privaten Feier ihre Miete immer noch nicht gezahlt. Klare Antworten brauchen klare Fragen: „Wie reagieren wir? Wer schreibt die Mahnung? Es gibt Handlungsbedarf, wer macht was?” Innerhalb kürzester Zeit ist das Problem vom Tisch, sind die Zuständigkeiten geklärt und das Mahnschreiben so gut wie auf dem Weg. Ich bin beeindruckt.

Aber noch einmal zurück. Am Ende unseres Vorgesprächs stehe ich mit Ulrich Koch am Hafenbecken, in dem sich die Eisschollen einer strahlenden Vorfrühlingssonne ergeben. Auf der anderen Seite, genau gegenüber vom IBA-Dock, ist Kochs jüngstes und wohl auch größtes Baby im Bau. „Mügge” wird es heißen. Ein Haus der Projekte für alle, deren Talente und Begabungen erst noch entdeckt und gefördert werden müssen, weil das offizielle Bildungssystem oft viel zu wenig Zeit für Kinder hat, deren Startblöcke nicht in der besseren Gegend gestanden haben. Mit einem Portalkran für die Boote, mit Werkstätten samt KFZ-Meister zum Schrauben und Entdecken. Mit einem zerbeulten Porsche-Traktor in verrostet-rot und mit einer Segelschule voller Optimisten-Jollen, damit Ulrich Kochs Kinder später auch auf dem eigenen Kurs ein wenig sicherer gegen den Wind kreuzen können.

„Veddel erleben”? In meinem Fall gar kein Problem. Mehr über einen spannenden Hamburger Vormittag in der Galerie:

 

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Frank Vinken am 28. März 2012 in Bildung, Soziales