Archiv der Kategorie ‘Kultur‘

Bronnbacher Stipendium: Im besten Fall entsteht eine Sehnsucht nach Kunst

Am 9. Mai 2012 fand an der Ruhr-Universität Bochum die Abschlussfeier des 5 Jahrgangs des von der RWE Stiftung geförderten Bronnbacher Stipendiums statt. Das Programm ermöglicht den Stipendiaten ein Jahr lang einen intensiven Einblick in zeitgenössische Kunst. Als Stipendiaten ausgewählt wurden Studierende und Promovierende aus verschiedensten fachlichen Disziplinen. Das Besondere daran: von der Wirtschaftswissenschaft über die Medizin bis hin zur Chemie handelt es sich dabei gerade um „kunstferne“ Fächer. Im Laufe der vierzehn Abend- und Wochenendveranstaltungen begegneten sie Künstlern und Kulturschaffenden, setzten sich mit einzelnen Werken und spezifischen Positionen auseinander und nahmen auch selbst aktiv an künstlerischen Workshops teil.
Das fünfjährige Bestehen des Stipendiums ist Anlass genug einmal nachzufragen. Beim Kurator Dr. Sven Sappelt, der das Stipendium an der Ruhr-Universität Bochum aufgebaut hat und bis heute leitet. Und bei den ehemaligen Stipendiaten. Was passiert, wenn „Fachfremde“ auf zeitgenössische Kunst treffen?

5 Jahre Bronnbacher Stipendium sind eine lange Zeit und viele Erfahrungen. Was waren aus deiner Sicht die Highlights des Programms?

Sven Sappelt: Im Laufe von fünf Jahren kommen natürlich etliche Veranstaltungen zusammen. Wir haben Kulturmetropolen wie Berlin, Wien, Paris, Istanbul und Stockholm besucht; mit eindrucksvollen Persönlichkeiten wie Nele Hertling, Heiner Goebbels und Matthias Lilienthal gesprochen und mit jüngeren Künstlern wie Doris Dziersk, Herbordt & Mohren, Maxi Obexer, FÖN und Jan Wagner zusammengearbeitet. Da fällt es schwer, einzelnes besonders hervorzuheben.

Du arbeitest mit Studierenden und Promovierenden aus verschiedenen Fachbereichen. Wie ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit?

Sven Sappelt: Zunächst einmal versuche ich die Stipendiaten gar nicht als Studierende zu sehen, sondern als Menschen mit individuellen Biografien und besonderen Begabungen. Das schafft schon einmal viele Gemeinsamkeiten. Dass sie sich um eine Teilnahme an dem Programm bewerben müssen, gewährleistet, dass sie freiwillig kommen und wirklich etwas wissen möchten. Für mich bedeutet das wiederum, dass ich auch etwas bieten muss, da sie ansonsten einfach wegbleiben. Dieses gegenseitige Interesse ist eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Stipendiaten-Statement Nr. 1

Während des Bronnbacher Stipendiums lernten wir eine Reihe von intelligenten und kreativen Köpfen kennen, sowohl unter den Mitstipendiaten als auch unter unseren Gesprächspartnern bei den wöchentlichen Exkursionen. Das alles gab mir viele Denkanstöße mit und zeigte mir, wie ich in gewissen Situationen das Beste aus mir raushole. Seit dem Bronnbacher Stipendium bin ich sensibler für kulturelle und politische Themen und habe eine Meinung zu Themen, denen ich früher gleichgültig oder unwissend gegenüber stand. Außerdem nehme ich aktiver am kulturellen Leben meiner Stadt teil und bin motivierter mich sozial zu engagieren. Nicht zuletzt lernte gute Freunde fürs Leben kennen.

Kerstin Poggemann (26); 3. Bronnbacher Jahrgang; Studiengang: Humanmedizin; berufliche Tätigkeit: Assistenzärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin

Grenzen überschreiten

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Sarah Meyer-Dietrich am 14. Mai 2012 in Bildung, Kultur

Willkommen im Wohnzimmer

„Es wird privat”, versprechen die Kuratorinnen der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen mit der aktuellen Ausstellung „AT HOME, der Blick durchs Schlüsselloch, Wohnen im Ruhrgebiet – gesehehen durch die Kunst”. Zum Thema werden 220 Arbeiten von 65 (Foto-)Künstlern gezeigt. Darunter auch Mischa Kuball und Sebastian Mölleken. Kuball zeigt einen Ausschnitt aus seinem grandiosen, von der RWE geförderten Kulturhauptstadt-Projekt  „New Pott. 100 Lichter / 100 Gesichter”. Mölleken, 2010 der zweite VISIT-Künstler der RWE-Stiftung, präsentiert mit Oliver Blobel die gemeinsame Semesterarbeit „Nachbarschaft. Im Emscherbruch” aus dem Jahr 2008.

 „AT HOME”-Plakatmotive von Jörg Winde: Tante Änne. Wohnung Trosin. Gelsenkirchen aus 1994, Vintage-Print einer analogen Großformat-Fotografie.

In Oberhausen zeigt Mischa Kuball wohl die aktuellste und authentischsen Einblicke in Wohnzimmer der Ruhrgebiets, wenn 100 Migrantenfamilien aus 100 Nationen ihre Geschichte erzählen. Der Düsseldorfer Fotograf Egbert Trogemann hat die Bilder und Videos gemacht. Seine schwarzweißen Fotografien kontrastieren die Interviewsituation mit den leeren Wohnräumen, aufgenommen aus exakt derselben Perspektive mit derselben Belichtung im selben Format.

Sebastian Mölleken und Oliver Blobel ist es zu verdanken, dass wir uns nicht nur von den Bewohnern in den Fenstern ihrer Zechenhäuser im Herner Emscherbruch ein Bild machen können, sondern auch von den Zimmern dahinter. Die beiden Fotodesigner haben Licht gemacht und sich mit einem Hubsteiger auf Augenhöhe mit ihren Motiven begeben. Das Resultat sind seltsam helle und lebendige Bilder. Im Fenster liegen nicht mehr  nur  die Menschen, sondern auch ein kleiner Teil ihrer ganz privaten Welt dahinter. Auf der Pressekonfenz zur Oberhausener „AT HOME”-Ausstellung am Donnerstag haben die beiden übrigens ihren Dozenten an der Fachhochschule Dortmund getroffen. Prof. Jörg Winde lehrt dort Fotodesign und zeigt seine Fotoserie „Tante Änne” aus den Jahren 1992 bis 1994 ebenfalls im Erdgeschoss der Ludwiggalerie. Das Plakatmotiv  (oben) stammt aus dieser Serie. Retro-Stimmung und Farbstich sind analog-authentisch und können von keiner app der welt erzeugt werden, ob wohl das immer wieder versucht wird.

Überdies ist „AT HOME” sehr sehenswert und bietet viel Kunst pro Quadratmeter Wohnfläche. Von der klassischen journalistischen Auffassung der Ruhrgebietsfotografie-Ikonen Manfred Vollmer, Achim Pohl, Jürgen Leiendecker, Marga Kingler und Brigitte Krämer über die formale Strenge der Bechers bis zu den verspielt-ironischen Kunst-Stücken von Judith Saupper und dem hinreißenen „skribblegebibble” von David Janzen und Simon Mellnich. Denen gelingt es mit ihrer Arbeit „April, Mai, Juni 2011”, dem Kulturwandel im Revier eine pointierte Rückkopplung zu verpassen. Ganz schön schrill – wie Rückkopplungen eben so sind – erweitern sie Omas Kitsch-Couch mit schlichtesten Mitteln zu einem kleinen Steam-Punk-Uniersum samt Tagebau im klaffenden Polster, Baumaschinen aus Pappkarton und einem wattedampfenden Zug nach nirgendwo. Wandel durch Industriekultur mal ganz anders. Herrlich.

Die Bilder:

Nun möchte ich diesen Weblogeintrag nicht endgültig abspeichern, ohne zwei Dinge angemerkt zu haben.

Erstens wird “AT HOME” am 20. Mai, dem kommenden Sonntag der RuhrKunstMuseen, um die die Ausstellung „Mein liebstes Stück” erweitert. Gezeigt werden Dinge mit Geschichte aus dem Privatbesitz freiwilliger Ruhrgebietsbewohner. Noch bis Ende August können sich Interessierte daran beteiligen und das Bewerbungsformular auf dieser Seite  der Ludwiggalerie herunterladen. Dort finden sich auch alle Termine der Museumspädagogik von Wohnsinn! bis Luftschloss DreiTausendZwölf.

Zweitens könnte diese Aktion den Gelsenkirchener-Barock-Faktor im Schloss Oberhausen beträchtlich senken. Gut möglich, ich habe 2010 einfach zuviel Aufbruchstimmung inhaliert, oder zuviel junges Ruhrgebiet erlebt, dass auch gut in Hamburg oder Berlin spielen könnte. Vielleicht bin ich auch einfach nicht jung genug. Sicher ist aber eins. Ich kann diese bräsigen Sessel und Sofas, diese schrecklichen Furniermöbel vor tristen Tapeten nicht mehr sehen. Ich wünsche mir eine Ausstellung über das Wohnen im Ruhrgebiet mit Kunstwerken und Bildern nicht älter als, sagen wir mal, fünf Jahre. Die darf dann auch ruhig „ZU HAUSE” heißen, mit einer kleinen und gut recherchierten historischen Abteilung. Da kommen dann die Möbel von Omma rein und gut ist.

 

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Frank Vinken am 12. Mai 2012 in Allgemeines, Kultur

Lichtgestalten im Revier

Markus Lüpertz im Osthaus Museum Hagen, Heinz Mack im Museum Ostwall im Dortmunder U. Zwei Künstler der alten Schule werden mit großen Ausstellungen im Revier geehrt. Und diese “alte Schule” erscheint jünger und dynamischer denn je.

Bereits mit der Retrospektive “Im göttlichen Licht“, die im letzten Jahr in Den Haag zu sehen war, stellte Malerfürst Lüpertz unter Beweis, dass seine Bilder noch immer vor Kraft strotzen. Teile dieser Ausstellung – ergänzt um neue Arbeiten – hat nun Tayfun Belgin unter dem Titel “Der gemalte Horinzont” ins Osthaus Museum nach Hagen geholt.

 

Von Den Haag nach Hagen: Markus Lüpertz Retrospektive (Foto: Frank Vinken)

 

Mittlerweile umfasst Lüpertz’ Werk wohl mehr als 15.000 Arbeiten: Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Bühnendekorationen, Kostüme, Gedichte, sogar Kirchenfenster – doch aufhören? Für ihn undenkbar.  Sein Kosmos wächst weiter und seine Werke finden Anerkennung im In- und Ausland. Vielleicht gerade weil er jemand ist, der sich jeder Strömung des Zeitgeistes widersetzt. Seine Kunstwerke sind keine Kommentare zu zeitgeschichtlichen Ereignissen und mit ihrer Farbigkeit und Kraft verweisen sie gern auf etwas Höheres. Hermes, Herkules, Merkur sind feste Akteure in Lüpertz’ göttlicher Komödie, die noch bis 29. Juli in Hagen aufgeführt wird. Zum Mitnehmen sei der schöne Ausstellungskatalog empfohlen, der nicht zuletzt durch die Förderung der RWE realisiert werden konnte.

Auch zur Ausstellung “Zwischen den Zeiten” des Malers und Bildhauers Heinz Mack ist ein schöner Katalog erschienen – ebenfalls mit Unterstützung der RWE. Kein Wunder, geht es doch auch hier um Energie in ihrer schönsten Form: Farbe und Licht.

 

Heinz Mack vor seinem “Garten Eden” (Bild Ruhr Nachrichten, Tilman Abegg)

 

Kinetische Objekte, Lichtskulpturen und Malerei von den 70er Jahren bis heute werden auf der 6. Etage des Dortmunder U präsentiert. Silbern spiegeln die Steelen in der großen Eingangshalle das Licht, rechst geht es in den Dunkelraum, wo es bunt blitzt und schillert, ruhig und golden die Stimmung dagegen im Sahara-Raum. Hier wird der Besucher mit den Ergebnissen aus Macks frühen Experimenten in der Wüste konfrontiert. Mack, er ist eben nicht nur Maler und Bildhauer, er ist auch Forscher. Die Dortmunder Ausstellung bietet für dieses umfangreiche Werk einen sehr schönen Überblick und zeigt Arbeiten, die noch nie oder schon lange nicht mehr zu sehen waren.

Wie Belgin in Hagen konnte auch Direktor Kurt Wettengl aus einem nahezu unerschöpflichen Werk auswählen. Es ist ihm und seiner Co-Kuratorin Katja Knicker dabei gelungen, den zahlreichen Geburtstagsausstellungen des vergangenen Jahres neue Aspekte hinzuzufügen.

Anlaß für die Ausstellung, die ebenfalls noch bis zum 29. Juil zu sehen sein wird, war übrigens die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Kunstpreis der Kulturstiftung Dortmund  an Heinz Mack. Bei der Preisverleihung am 6. Mai gehörte die Bühne dann aber auch noch einer jungen Frau. Der Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro ging an Roseline Rannoch, von der wir – wenn es nach Jurymitglied Kay Heymer (Leiter zeitgenössische Kunst im Museum Kunstpalast Düsseldorf)  geht – noch viel hören werden. Sie bekam ihr Schaufenster auf der 4. Etage im U und überzeugt dort mit Arbeiten voller Witz und Gespür für Materialität. Von der Decke baumelt ein Spongebob in Silber. Er scheint aus einer anderen Welt. Ein Schelm, wer jetzt an den Tele Mack denkt.  :)

 

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Daniela Berglehn am 07. Mai 2012 in Kultur

Von Hochbegabung bis Chancengleichheit: Worüber Stiftungen bloggen

Unser Lesetipp für alle, die heute am Feiertag Zeit haben: Nicht nur unsere Stiftung blogt, auch andere tummeln sich mit interessanten Angeboten im Social Web. Empfehlenswert sind beispielsweise diese sechs:

 

 

Bertelsmann-Stiftung
Der Bildungs-Blog “Vielfalt Lernen” widmet sich der Frage, wie mit der zunehmenden Heterogenität der Schüler konstruktiv umzugehen ist und wie Unterschiedlichkeit und multikulturelle Strukturen befruchtend sein können. Uns gefällt zum Beispiel der aktuelle Beitrag zu “Chancengerechtigkeit in der Bildungsrepublik Deutschland“.

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Redaktion am 01. Mai 2012 in Bildung, Kultur, Soziales

Das Zitat mit Energie

Zum Wochenende mal wieder ein „Energie-Beitrag“ der anderen Art. Wir haben Impulse gesucht, die nicht von uns, sondern z. B. von Philosophen, Autoren oder auch Wissenschaftlern stammen. Sie alle haben sich mit dem Thema Energie aus verschiedenen Perspektiven beschäftigt. Kennen Sie auch ein schönes Zitat zum Thema? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.

„Meiner Idee nach ist Energie die erste und einzige Tugend des Menschen.“

Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835), deutscher Philosph und Sprachforscher

 

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Daniela Berglehn am 27. April 2012 in Allgemeines, Kultur

Rap auf schwarzem Marmorboden

Die Ausstellungen im RWE Foyer Dortmund waren schon immer abwechslungsreich – aber Streetart und Rap? Das ist neu. Wer Lust hat kann heute abend ab 19 Uhr live erleben, wie Gregg, Slyte und Cognac zusammen mit Boris Gott den Nordstadtrap präsentieren.

 

Heute abend gehts ab: Rap, Streetart – in jedem Fall “Trashic”

Alle sind eingeladen, die einmal einen Blick auf die Dortmunder Nordstadt werfen wollen, der frei von Vorurteilen, aber nicht unbedingt ohne Klischees ist. Mit einem Augenzwinkern präsentieren sich die Jugendlichen “trashic” auf einem roten Sperrmüllsofa, drücken ihre Gefühle durch Streetart aus oder beschreiben ihren Alltag mit der Fotoreportage “Hannibal-Helden”. Ein Interview mit Ulrich Sierau, dem Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, und eine Reportage mit Hauptkommissar Jäger von der Wache Nord runden das Bild ab.

“Ich sehe was, was Du nicht siehst” – so der Titel der Ausstellung, der uns die Augen öffnen soll. Entstanden sind die Werke im Rahmen von “Nordwerkstadt“. Die Fotografin Iris Wolf und die Journalistin Barbara Underberg sind die Köpfe dieser Initiative und begleiteten die Jugendlichen über mehrere Monate in zahlreichen Workshops. Sie arbeiten in und mit der Nordstadt und wollen die zu Wort kommen lassen, die sonst nicht gefragt werden: “Wird sonst häufig von außen über den Dortmunder Norden geschrieben und geurteilt, will “Nordwerkstadt“ den Stadtteil gemeinsam mit den Menschen, die hier leben, anders erlebbar machen und aktiv gestalten”, so Underberg.

In dem spannenden Ausstellungsprojekt setzen die jungen Menschen aus der Nordstadt, den oft negativen Schlagzeilen über ihren Stadtteil, nun ihre eigene Sicht entgegen. Mit den ausgestellten Werken beschreiben sie ihre Perspektive, ihre Meinungen und Sehnsüchte. Die Arbeiten geben einen Einblick in ihre Welt, ihre Generation und ihr durch die äußeren Umstände geprägtes Lebensgefühl.

Ein Projekt, das Anerkennung und viel Aufmerksamkeit verdient – findet jedenfalls Hanns-Ferdinand Müller, Vorstandssprecher der RWE Vertrieb AG: „Es war uns wichtig, dieses Nordstadt-Projekt hier zu uns in die Innenstadt zu holen. Die Themen und Ideen der Jugendlichen sollen nicht nur da diskutiert und gesehen werden, wo sie weitgehend bekannt sind.“ Er wird die Ausstellung heute abend gemeinsam mit Sierau eröffnen.

Alle Beteiligten hoffen nun auf zahlreiche Besucher, die sich selbst ein Bild machen. Zu entdecken gibt es einiges.

Wo? RWE Vertrieb, Foyer, Freistuhl 7, 44137 Dortmund, ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei 

 

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Daniela Berglehn am 26. April 2012 in Kultur

Können Unternehmen den Kulturinfarkt verhindern? Und sollen Sie das überhaupt?

In den vergangenen Wochen wurde teils heftig über die Zukunft der öffentlichen Kulturfinanzierung debattiert. Kein Wunder, und angesichts leerer Kassen auch notwendig. Aus dem Blick gerät dabei häufig das Engagement der Privatwirtschaft. Heute richtet Stephan Muschick seinen Blick auf diesen Bereich:

                                                                  ***

Warum unterstützen Unternehmen Kultur? Diese Frage beinhaltet zwei vermeintliche Selbstverständlichkeiten, die man hinnehmen, die man aber auch hinterfragen kann.

Selbstverständlichkeit 1: Unternehmen (und unternehmensnahe Stiftungen) fördern Kultur. Das ist empirisch belegt. So gaben in einer 2010 veröffentlichten Umfrage des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 265 Unternehmen zu Protokoll, im Schnitt jeweils 633.615 Euro pro Jahr für Kulturförderung auszugeben: als Spenden oder in Form von Sponsoring-Geldern, an Vereine oder direkt an Kulturinstitutionen, langfristig oder für einzelne Projekte. Dazu gibt es eine detaillierte Studie vom Kulturkreis im BDI.

 

Ohne Sponsoring der Wirtschaft wäre so manche Ausstellung im Essener Museum Folkwang unmöglich gewesen.

 

Und dennoch tut mancher Kulturjournalist etwas verstohlen, wenn es darum geht zu erwähnen, wessen Geld Ausstellung X oder Konzert Y ermöglicht hat. Diese Eigenheit eint übrigens große und kleine Zeitungen, linke und rechte Blätter, Hörfunk, TV und Internet. weiterlesen »

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Redaktion am 23. April 2012 in Kultur

Von Wolkenkugeln, Piranhas und einer Webcam im Meisennest . . .

Während in vielen Städten des Ruhrgebiets bei Bürgern und Bürokraten langsam die Erinnerung an das Kulturhauptstadtjahr verblasst und sich Wissenschaftler skeptisch distanzieren, blickt Christa Schragmann glücklich zurück und erinnert sich begeistert an die Aufbruchstimmung im Revier. Für die Leiterin des  Naturkundemuseums „Haus RuhrNatur“ in Mülheim war 2010 das Beste, was passieren konnte. Die RWW haben ihrem Haus im denkmalgeschützten Betriebsgebäude auf der Kraftwerksinsel am Mülheimer Wasserbahnhof neben der Renovierung eine komplette neue „Forschungsabteilung”  spendiert. Mit Lehr- und Lernstationen zu den Themen, Wind- und Wasserenergie, Solartechnik und Bionik, mit einer zauberischen Wolkenkugel (unser Bild), mit Strömungsbecken für die Wasserkraftforschung und einem virtuellen Erdball für die lichtschnelle Reise durch alle erforschten Erdzeitalter und Klima-Epochen.

Christa Schragmann mit Wolkensimulator im „Haus RuhrNatur” in Mülheim

Ich treffe Christa Schragmann hinter der Kasse, wo sie den diensthabenden Kollegen vertritt. An diesem sonnigen Frühlingstag ist der Empfang, eine enge aber effektive Mischung aus Kasse, Information und Museums-Shop, dicht umlagert. Eine Kindergruppe schnattert angeregt durcheinander und ist sehr geneigt, das Ausflugs-Taschengeld in kleine Experimente zu investieren, mit denen sich die Naturforschung zu Hause fortzusetzen lässt. Einen knappen Meter daneben rauscht lautstark Wasser mit Hochdruck durch den Kanal der Strömungsanlage, um dort in kürzester Zeit einen Wall aus Sand und Steinen einzuebnen, den kurz zuvor ein Großelternpaar samt Enkeln stolz in den Strom gebaut hatte. Viel los im Hause „RuhrNatur. „Wir werden hier zeitweise regelrecht überrannt.” Christa Schragmann hebt die Stimme gegen das Getöse und gönnt sich das kappe Lächeln des Museums-Profis, der weiß, dass keine Besucherzahl so hoch ist, dass sie sich nicht noch erhöhen ließe.

21.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr ins „Haus RuhrNatur“ auf der Insel mit dem „Wasserbahnhof” und der niedlichen Schleuse, in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angelegt, um die Fallhöhe für das Wasserkraftwerk Kahlenberg auf rund fünf Meter zu erhöhen. Für zahlreiche Biologie-Grund und -Leistungskurse der Gesamtschulen und Gymnasien des Reviers ist das „Haus RuhrNatur” zum festen Bestandteil der Unterrichtsprojekte geworden.

Wer die Lernstationen im „Haus RuhrNatur” durchforscht hat, der weiß, wie man aus Wasser Energie gewinnt, warum Haie so schnell schwimmen, wie man erfolgreich Solar-Module mit Motoren verkabelt und dass eine Kaplan-Turbine nichts mit der Kirchensteuer zu tun hat. Stichwort: Energie-Bildung. Ich allerdings gebe zu, beim Rundgang vor dem Piranha-Aquarium zweimal nachgefragt zu haben. Was haben die kleinen Fische mit dem großen Gebiss mit der „RuhrNatur” zu tun? „Neubürger“, erklärt Christa Schragmann knapp: „Neubürger und ein gutes Beispiel dafür, dass exotische Tiere nicht in unser Ökosystem gehören.“ Gedankenlos ausgesetzt finden sich Piranhas vor Kühlwasser-Einlässen und sollen auch schon von Anglern aus Mülheimer Hafenbecken gefischt worden sein. Eine der spannendsten „RuhrNatur”-Installationen gibt es allerdings nur im Frühling. Christa Schragmann hat eine Webcam ins Meisennest hinterm Haus geschmuggelt. Wie auf dem Monitor im Mikroskopierraum zu sehen ist, wird zur Zeit noch gebaut . . .

Bleibt zu erwähnen, dass im „Haus RuhrNatur” am 30. Juni auch wieder eine Extraschicht gefahren wird. „2011 waren wir bei der Publikumsbefragung unter den Top Ten”, berichtet Christa Schragmann stolz. 2012 sollen Licht- und Klanginstallationen auf der Kassenbergbrücke zum Wasserkraftwerk  ganze Zeitalter überspannen und den Sound der Zeitalter hörbar machen. Zudem wird das schönste Naturkundemuseum des Ruhrgebiets im August seinen 20. Geburtstag feiern. Das Programm ist in Arbeit. Wir kommen darauf zurück.

Die Bilder:

 

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Frank Vinken am 18. April 2012 in Bildung, Kultur

Energie = Power = Meine Kunst = Zeit

Am kommenden Montag endet die Ausstellung “less is more” des japanischen Künstlers Shige Fujishiro im Foyer des RWE Towers Dortmund. Die Besucherbilanz war gut, drei Kunstwerke wurden bereits verkauft, eine nächste Galerie-Ausstellung erwartet ihn und am Ende fand sich Shige Fujishiro sogar groß in der BILD wieder. Der Perlenzauber hatte es einfach in sich – und im Fußballverrückten Dortmund war sein eigenwilliges Schalobjekt einfach der Hinkucker. Wo nimmt der junge Künstler seine Energie für die aufwendigen und kleinteiligen Arbeiten her? Wir schickten ihm unseren Energie-Fragebogen und erhielten eine Antwort – und viele.

Welche spontanen Assoziationen haben Sie bei dem Begriff Energie?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit

Was verbinden Sie mit der Energiewende?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit
Mein verlängertes Bein ist das Fahrrad. Energie sparen ist die sinnvollste Methode und sehr “grün”.

Wo tanken Sie Energie?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit
Im Atelier mit meiner Kunst.

Wofür hätten Sie gerne mehr Energie?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit
Energie habe ich genug, nur leider fehlt mir die Zeit.

Weitere Infos:
http://shige-fujishiro.blogspot.de/
http://www.ruhrnachrichten.de/Diese-Ausstellung-perlt-besonders-pfiffig;art13731,1585136,C::cme119186,3044085

Foto: Frank Vinken

 

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Daniela Berglehn am 12. April 2012 in Kultur

Tanzendes Kraftwerk: Energie der Zukunft

Kunst und Energie – wie passt das zusammen? Nach der Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Musik und Literatur mit Energie in meinen letzten beiden Beiträgen geht es nun um eine Kunstsparte, in der die Beziehung zu Energie gleich auf den ersten Blick augenfällig ist: der Tanz.

Wenn energiegeladene Tänzer über die Bühne wirbeln und ihre ganze Power in die Performance geben, spürt man schnell, wie viel Energie dahinter steckt. Selbst wenn der Tanz mitunter so leicht, so schwerelos wirkt … Der Zuschauer ahnt doch immer, wie viel harte Arbeit diese Leichtigkeit kostet. Dass Tanz jede Menge Investition von Energie erfordert, so wie es auch bei anderen sportlichen Aktivitäten der Fall ist, erscheint daher vielleicht allzu trivial, um weiter hinterfragt zu werden.

Wie aber steht es um den Tanz als Energie produzierenden oder freisetzenden Prozess?

Auf Begriffe wie Energie und elektrisch stößt man zum Beispiel in Interviews mit Wim Wenders, in denen er sich über den Film „Pina“ und seine Begegnungen mit der 2009 verstorbenen Tänzerin und Choreographin Pina Bausch äußert, deren außergewöhnlichem Werk er mit dem Film ein Denkmal gesetzt hat.

Aus Trauer Energie machen

Wim Wenders, für den die Fertigstellung des Films nach dem Tod von Pina Bausch auch ein Stück Trauerarbeit war, sagt darüber zum Beispiel:

„In dieser Arbeit, die der Film leistet, mit der Trauer umzugehen, da ist Pina vielleicht auch am meisten anwesend. Wenn man ihre Arbeiten kennt, dann weiß man auch, dass sie in den schwersten Zeiten ihres Lebens, da, wo es ans Eingemachte ging, ihre lustigsten und leichtesten Stücke entwickelt hat. Ihre eigene Anstrengung, mit Trauer umzugehen, war: ihr etwas entgegenzusetzen. Dass man sich ihr nicht hingibt, nicht ihr Opfer wird, sondern ganz im Gegenteil die Trauer umwandelt in andere Energie.“ (Wim Wenders im taz-Interview)

Aus Trauer Energie machen – das klingt nach einem vielversprechenden Energiekonzept für die Zukunft. Ist Trauer doch ein nachwachsender, ein erneuerbarer Rohstoff, eine Ressource, die nie zur Neige gehen wird, solange es Menschen gibt.

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Sarah Meyer-Dietrich am 03. April 2012 in Allgemeines, Kultur