Können Unternehmen den Kulturinfarkt verhindern? Und sollen Sie das überhaupt?

In den vergangenen Wochen wurde teils heftig über die Zukunft der öffentlichen Kulturfinanzierung debattiert. Kein Wunder, und angesichts leerer Kassen auch notwendig. Aus dem Blick gerät dabei häufig das Engagement der Privatwirtschaft. Heute richtet Stephan Muschick seinen Blick auf diesen Bereich:

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Warum unterstützen Unternehmen Kultur? Diese Frage beinhaltet zwei vermeintliche Selbstverständlichkeiten, die man hinnehmen, die man aber auch hinterfragen kann.

Selbstverständlichkeit 1: Unternehmen (und unternehmensnahe Stiftungen) fördern Kultur. Das ist empirisch belegt. So gaben in einer 2010 veröffentlichten Umfrage des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 265 Unternehmen zu Protokoll, im Schnitt jeweils 633.615 Euro pro Jahr für Kulturförderung auszugeben: als Spenden oder in Form von Sponsoring-Geldern, an Vereine oder direkt an Kulturinstitutionen, langfristig oder für einzelne Projekte. Dazu gibt es eine detaillierte Studie vom Kulturkreis im BDI.

 

Ohne Sponsoring der Wirtschaft wäre so manche Ausstellung im Essener Museum Folkwang unmöglich gewesen.

 

Und dennoch tut mancher Kulturjournalist etwas verstohlen, wenn es darum geht zu erwähnen, wessen Geld Ausstellung X oder Konzert Y ermöglicht hat. Diese Eigenheit eint übrigens große und kleine Zeitungen, linke und rechte Blätter, Hörfunk, TV und Internet. weiterlesen »

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Redaktion am 23.04.2012 in Kultur

Von Wolkenkugeln, Piranhas und einer Webcam im Meisennest . . .

Während in vielen Städten des Ruhrgebiets bei Bürgern und Bürokraten langsam die Erinnerung an das Kulturhauptstadtjahr verblasst und sich Wissenschaftler skeptisch distanzieren, blickt Christa Schragmann glücklich zurück und erinnert sich begeistert an die Aufbruchstimmung im Revier. Für die Leiterin des  Naturkundemuseums „Haus RuhrNatur“ in Mülheim war 2010 das Beste, was passieren konnte. Die RWW haben ihrem Haus im denkmalgeschützten Betriebsgebäude auf der Kraftwerksinsel am Mülheimer Wasserbahnhof neben der Renovierung eine komplette neue „Forschungsabteilung”  spendiert. Mit Lehr- und Lernstationen zu den Themen, Wind- und Wasserenergie, Solartechnik und Bionik, mit einer zauberischen Wolkenkugel (unser Bild), mit Strömungsbecken für die Wasserkraftforschung und einem virtuellen Erdball für die lichtschnelle Reise durch alle erforschten Erdzeitalter und Klima-Epochen.

Christa Schragmann mit Wolkensimulator im „Haus RuhrNatur” in Mülheim

Ich treffe Christa Schragmann hinter der Kasse, wo sie den diensthabenden Kollegen vertritt. An diesem sonnigen Frühlingstag ist der Empfang, eine enge aber effektive Mischung aus Kasse, Information und Museums-Shop, dicht umlagert. Eine Kindergruppe schnattert angeregt durcheinander und ist sehr geneigt, das Ausflugs-Taschengeld in kleine Experimente zu investieren, mit denen sich die Naturforschung zu Hause fortzusetzen lässt. Einen knappen Meter daneben rauscht lautstark Wasser mit Hochdruck durch den Kanal der Strömungsanlage, um dort in kürzester Zeit einen Wall aus Sand und Steinen einzuebnen, den kurz zuvor ein Großelternpaar samt Enkeln stolz in den Strom gebaut hatte. Viel los im Hause „RuhrNatur. „Wir werden hier zeitweise regelrecht überrannt.” Christa Schragmann hebt die Stimme gegen das Getöse und gönnt sich das kappe Lächeln des Museums-Profis, der weiß, dass keine Besucherzahl so hoch ist, dass sie sich nicht noch erhöhen ließe.

21.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr ins „Haus RuhrNatur“ auf der Insel mit dem „Wasserbahnhof” und der niedlichen Schleuse, in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angelegt, um die Fallhöhe für das Wasserkraftwerk Kahlenberg auf rund fünf Meter zu erhöhen. Für zahlreiche Biologie-Grund und -Leistungskurse der Gesamtschulen und Gymnasien des Reviers ist das „Haus RuhrNatur” zum festen Bestandteil der Unterrichtsprojekte geworden.

Wer die Lernstationen im „Haus RuhrNatur” durchforscht hat, der weiß, wie man aus Wasser Energie gewinnt, warum Haie so schnell schwimmen, wie man erfolgreich Solar-Module mit Motoren verkabelt und dass eine Kaplan-Turbine nichts mit der Kirchensteuer zu tun hat. Stichwort: Energie-Bildung. Ich allerdings gebe zu, beim Rundgang vor dem Piranha-Aquarium zweimal nachgefragt zu haben. Was haben die kleinen Fische mit dem großen Gebiss mit der „RuhrNatur” zu tun? „Neubürger“, erklärt Christa Schragmann knapp: „Neubürger und ein gutes Beispiel dafür, dass exotische Tiere nicht in unser Ökosystem gehören.“ Gedankenlos ausgesetzt finden sich Piranhas vor Kühlwasser-Einlässen und sollen auch schon von Anglern aus Mülheimer Hafenbecken gefischt worden sein. Eine der spannendsten „RuhrNatur”-Installationen gibt es allerdings nur im Frühling. Christa Schragmann hat eine Webcam ins Meisennest hinterm Haus geschmuggelt. Wie auf dem Monitor im Mikroskopierraum zu sehen ist, wird zur Zeit noch gebaut . . .

Bleibt zu erwähnen, dass im „Haus RuhrNatur” am 30. Juni auch wieder eine Extraschicht gefahren wird. „2011 waren wir bei der Publikumsbefragung unter den Top Ten”, berichtet Christa Schragmann stolz. 2012 sollen Licht- und Klanginstallationen auf der Kassenbergbrücke zum Wasserkraftwerk  ganze Zeitalter überspannen und den Sound der Zeitalter hörbar machen. Zudem wird das schönste Naturkundemuseum des Ruhrgebiets im August seinen 20. Geburtstag feiern. Das Programm ist in Arbeit. Wir kommen darauf zurück.

Die Bilder:

 

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Frank Vinken am 18.04.2012 in Bildung, Kultur

Kinder- und Jugendförderung durch Stiftungen – wohin führt der Weg?

“Umsonst? Wertvoll!”

Unter diesem Motto steht unsere Diskussionsrunde im Rahmen der Berliner Stiftungswoche am Freitagabend. Es geht um bürgerschaftliches Engagement zugunsten von Kindern und Jugendlichen und im Besonderen um die Frage, welche Rolle dabei Stiftungen spielen.

Mehr Infos: www.berlinerstiftungswoche.eu

Dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ohne bürgerschaftliches Engagement nicht mehr auskommt, dürfte „common sense“ sein. Schließlich sind ehrenamtliche Helfer eine enorme Unterstützung: in der Freizeitgestaltung etwa, im Bildungsbereich, aber auch in der Begleitung kranker Menschen. Diskussionsbedarf gibt es dennoch: weiterlesen »

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Redaktion am 16.04.2012 in Bildung, Soziales

Energie = Power = Meine Kunst = Zeit

Am kommenden Montag endet die Ausstellung “less is more” des japanischen Künstlers Shige Fujishiro im Foyer des RWE Towers Dortmund. Die Besucherbilanz war gut, drei Kunstwerke wurden bereits verkauft, eine nächste Galerie-Ausstellung erwartet ihn und am Ende fand sich Shige Fujishiro sogar groß in der BILD wieder. Der Perlenzauber hatte es einfach in sich – und im Fußballverrückten Dortmund war sein eigenwilliges Schalobjekt einfach der Hinkucker. Wo nimmt der junge Künstler seine Energie für die aufwendigen und kleinteiligen Arbeiten her? Wir schickten ihm unseren Energie-Fragebogen und erhielten eine Antwort – und viele.

Welche spontanen Assoziationen haben Sie bei dem Begriff Energie?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit

Was verbinden Sie mit der Energiewende?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit
Mein verlängertes Bein ist das Fahrrad. Energie sparen ist die sinnvollste Methode und sehr “grün”.

Wo tanken Sie Energie?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit
Im Atelier mit meiner Kunst.

Wofür hätten Sie gerne mehr Energie?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit
Energie habe ich genug, nur leider fehlt mir die Zeit.

Weitere Infos:
http://shige-fujishiro.blogspot.de/
http://www.ruhrnachrichten.de/Diese-Ausstellung-perlt-besonders-pfiffig;art13731,1585136,C::cme119186,3044085

Foto: Frank Vinken

 

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Daniela Berglehn am 12.04.2012 in Kultur

bilnos – Lehrer-Förderung, die Schülern hilft

Im ersten Moment klingt es paradox: Warum sollte sich ein soziales Förderprojekt um Lehrer kümmern, wenn doch eigentlich die Schulkinder im Fokus des Interesses stehen?

„bilnos“, das Projekt zur „Bildungs- und Lernberatung im nördlichen Osnabrücker Land“ (daher auch der Kunstname als Abkürzung) gibt die Antwort. Weil Lehrerförderung natürlich indirekt eine ganz wertvolle Form der Schülerförderung ist. Weil nur Lehrkräfte, die sich bewusst sind, wie man unterschiedlicher leistungsstarke Schüler individuell unterstützt, dies auch im Schulalltag tun können. Und weil gut ausgebildete Lehrer damit das Fundament eines Bildungssystems sind, in dem auch intellektuell oder sozial benachteiligte Kinder Aufstiegschancen haben.

Ein Videoteam hat sich daher im Osnabrücker Land genau diese Facette von bilnos genauer angeschaut. Wie schafft es das Projekt, die Lehrer fit zu machen? Siegfried Leicht, Vorsitzender des Bildungsfonds e.V.  als Träger von bilnos, und Thomas Nachtwey vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft standen der Video-Crew Rede und Antwort. Sehen Sie selbst:


Sie wollen mehr über das von der RWE Stiftung seit 2011 geförderte Programm erfahren? Weitere Infos finden Sie hier auf der Website oder bei uns im Blog, wo wir neulich schon ausführlich über bilnos berichtet haben.

Uns interessiert Ihre Meinung: Müssen Lehrer in Deutschland in Sachen Individualförderung mehr Unterstützung/mehr Input erhalten? Oder könnte man das Geld sinnvoller einsetzen?

 

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Redaktion am 10.04.2012 in Bildung

Was macht eigentlich der Duracell-Hase an Ostern?

Wie verbringt er die freien Tage, dieser kleine flauschig-plüschige, rosafarbene Geselle, der unermüdlich seine Trommel schlägt?

Sitzt er mit der Hasenmischpoke am Ostertisch und gewinnt im Eierdötschen? Hat er die Muße, genüsslich am Sonntagsfrühstückstisch – selbstverständlich zu vorgerückter Morgenstunde, denn an einem Feiertag muss man ja auch mal fünfe gerade sein lassen und den Wecker ausstellen – da also genüsslich herumzulümmeln, in seinem Kaffee oder Tee oder Nesquik zu rühren und sich die Frühlingssonne auf den Pelz scheinen zu lassen?

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Sarah Meyer-Dietrich am 8.04.2012 in Allgemeines, Soziales

Das „Haus der Berufsvorbereitung“: Sprungbrett in die Ausbildung

Es gleicht einem Paradoxon: Ganz Deutschland beklagt den Fachkräftemangel, immer mehr Unternehmen finden keine Bewerber – zugleich finden aber Jahr für Jahr zehntausende Hauptschüler nach dem Abschluss keine Ausbildungsstelle.

Hier setzt das das Sozialwerk Dürener Christen in NRW mit seinem Projekt „Haus der Berufsvorbereitung – Jugendliche engagieren sich für die Zukunft“ an. Sein Ziel: ausbildungswilligen Hauptschülern den Weg in eine duale Berufsausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ebnen.

Motiviert nehmen die Schüler das Projekt in Angriff

Die Schüler nehmen freiwillig und in ihrer Freizeit an dem Projekt teil und werden während des gesamten zehnten Schuljahres von einem Team an Pädagogen und Lehrkräften begleitet. Die erarbeiten mit ihnen die benötigten Fertigkeiten und Kenntnisse für den angestrebten Beruf und verschaffen den Jugendlichen Kontakte zu Unternehmen.

In Rollenspielen üben die Schüler soziale Schlüsselqualifikationen

Das Sozialwerk Dürener Christen besitzt dabei als langjährig erfahrener Bildungsträger in der Region breitgefächerte Kontakte in die Berufswelt und stellt dieses den Schülern zur Berufsorientierung zur Verfügung. Handwerksberufen wie Tischler, Metallbauer und Maler/Lackierer zählen genauso dazu wie Gartenbauberufe oder Dienstleistungs-Jobs als Friseur, im Verkauf oder der Bürokommunikation. Der hauseigene Pflegedienst erweitert das Spektrum zudem auf die sozialen Berufe.

Übergabe der Zertifikate an die erfolgreichen Absolventen

Vor dem Hintergrund eines drohenden Fachkräftemangels und der oft geringen Chancen von Hauptschülern, nahtlos nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zu finden, wurde mit dem „Haus der Berufsvorbereitung“ ein Projekt initiiert, welches einen neuen Weg in Sachen Berufsorientierung aufzeigt. Unternehmen verlangen eine gewisse „Ausbildungsreife“ und zahlreiche Schlüsselqualifikationen – und genau die sind ein wichtigen Bestandteil der Arbeit.

Die Erfolge können sich sehen lassen: Schulen und Betriebe haben zahlreichen teilnehmenden Schülern bereits eine deutliche Verbesserung der persönlichen Stärken bescheinigt. Und in allen Jahren gelang es zudem, einen großen Teil der beteiligten Schüler in eine weiter führende Ausbildung zu vermitteln.

War das „Haus der Berufsvorbereitung“ vor drei Jahren ein ganz neuer Feldversuch im Hauptschul-Bereich, hat es sich inzwischen zu einem wichtigen Baustein schulischer Berufsorientierung entwickelt. Heute sind an vielen Schulen ähnliche Projekte mit dem Ziel einer effektiven Übergangsbegleitung fest installiert. Themen wie frühzeitige Berufsorientierung, Potenzialanalysen der persönlichen Kompetenzen und kontinuierliche Förderung der fachlichen Stärken gehören glücklicherweise zum heutigen schulischen Alltag dazu.

Man hat erkannt, dass es sehr wichtig ist, Schüler bei der beruflichen Orientierung zu unterstützen und ihnen einen Wegweiser durch die mannigfaltigen Möglichkeiten der Berufswelt an die Hand zu geben. Gerade Hauptschüler benötigen diese wichtige Unterstützung, weil man ihnen lange Zeit nur wenige Chancen auf dem Arbeitsmarkt einräumte, obwohl in jedem Schüler ein Potenzial steckt. In diesem Sinne ist man mit Projekten wie dem Haus der Berufsvorbereitung und den schuleigenen Berufsorientierungsangeboten auf dem richtigen Weg, um in Zukunft jedem ausbildungswilligen Schüler einen Zugang zum regionalen Arbeitsmarkt zu verschaffen.

 

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Redaktion am 5.04.2012 in Bildung, Soziales

Tanzendes Kraftwerk: Energie der Zukunft

Kunst und Energie – wie passt das zusammen? Nach der Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Musik und Literatur mit Energie in meinen letzten beiden Beiträgen geht es nun um eine Kunstsparte, in der die Beziehung zu Energie gleich auf den ersten Blick augenfällig ist: der Tanz.

Wenn energiegeladene Tänzer über die Bühne wirbeln und ihre ganze Power in die Performance geben, spürt man schnell, wie viel Energie dahinter steckt. Selbst wenn der Tanz mitunter so leicht, so schwerelos wirkt … Der Zuschauer ahnt doch immer, wie viel harte Arbeit diese Leichtigkeit kostet. Dass Tanz jede Menge Investition von Energie erfordert, so wie es auch bei anderen sportlichen Aktivitäten der Fall ist, erscheint daher vielleicht allzu trivial, um weiter hinterfragt zu werden.

Wie aber steht es um den Tanz als Energie produzierenden oder freisetzenden Prozess?

Auf Begriffe wie Energie und elektrisch stößt man zum Beispiel in Interviews mit Wim Wenders, in denen er sich über den Film „Pina“ und seine Begegnungen mit der 2009 verstorbenen Tänzerin und Choreographin Pina Bausch äußert, deren außergewöhnlichem Werk er mit dem Film ein Denkmal gesetzt hat.

Aus Trauer Energie machen

Wim Wenders, für den die Fertigstellung des Films nach dem Tod von Pina Bausch auch ein Stück Trauerarbeit war, sagt darüber zum Beispiel:

„In dieser Arbeit, die der Film leistet, mit der Trauer umzugehen, da ist Pina vielleicht auch am meisten anwesend. Wenn man ihre Arbeiten kennt, dann weiß man auch, dass sie in den schwersten Zeiten ihres Lebens, da, wo es ans Eingemachte ging, ihre lustigsten und leichtesten Stücke entwickelt hat. Ihre eigene Anstrengung, mit Trauer umzugehen, war: ihr etwas entgegenzusetzen. Dass man sich ihr nicht hingibt, nicht ihr Opfer wird, sondern ganz im Gegenteil die Trauer umwandelt in andere Energie.“ (Wim Wenders im taz-Interview)

Aus Trauer Energie machen – das klingt nach einem vielversprechenden Energiekonzept für die Zukunft. Ist Trauer doch ein nachwachsender, ein erneuerbarer Rohstoff, eine Ressource, die nie zur Neige gehen wird, solange es Menschen gibt.

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Sarah Meyer-Dietrich am 3.04.2012 in Allgemeines, Kultur

Energie = Mammutbraten

Unser “Energie-Fragebogen” auf Zeitreise: Interview mit dem Neandertaler

Wo heute eines der beliebtesten und modernsten Museen Europas steht, wurde vor rund 150 Jahren der namengebende Neandertaler entdeckt. Im damals von Steilwänden eingerahmten Tal der Düssel haben Arbeiter im Jahre 1856 beim Kalkabbau Knochen gefunden, die der Wuppertaler Lehrer und Naturforscher Fuhlrott als Skelettreste eines eiszeitlichen Menschen identifizierte – der Neandertaler war geboren.

“Was Euch in Sachen Energie so alles einfällt, da kann ich nur staunen”

Heute ist der Neandertaler ein wahrer Weltstar. Jeder kennt ihn – jeder hat ein Bild von ihm. Grund genug, dass ihm und der Menschheitsgeschichte, in der er eine bedeutende Rolle spielt, mit wesentlicher Unterstützung der RWE AG im Jahre 1996 ein Museum gewidmet wurde, welches seither jährlich 170.000 Besucher in das Neanderthal nahe Düsseldorf lockt. Die erste lebensechte Rekonstruktion des Original- Neandertalers begrüßt im Foyer des Museums seit 2006 die Besucher. Trotz Touristen-Ansturm hat er sich netterweise Zeit für unseren “Energie-Fragebogen” genommen:

Welche spontanen Assoziationen haben Sie bei dem Begriff Energie?
Wärme, Mammutbraten

Was verbinden Sie mit der Energiewende?
Dass wir uns auf die Ursprünge besinnen. Wir haben ja damals von dem gelebt, was die Natur uns geboten hat. Mit der Energiewende soll intelligent das natürliche Angebot z.B. an Sonne und Wind genutzt werden. Aber nicht zurück in die Steinzeit, bitte! Ihr könnt das heute doch viel besser. Wir waren zwar auch innovativ und haben es geschafft, im eiszeitlichen Europa zu überleben, aber was Euch in Sachen Energie so alles einfällt, da kann ich nur staunen.

Wo tanken Sie Energie?
Abends am Feuer, wenn die Alten spannende Geschichten erzählen.

Wofür hätten Sie gerne mehr Energie?
Ich finde Eure Zeit so unglaublich spannend und hätte gerne noch die Lebensenergie, Euch beim Erfinden und Entwickeln neuer Technologien zuzuschauen.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage des Neanderthals und auf der Facebook-Seite des dortigen Museums.

 

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Redaktion am 1.04.2012 in Bildung, Kultur

„Energie ist ein Motor unserer Gesellschaft“

Interview mit Prof. Manfred Euler, wissenschaftlicher Leiter der Energiebildungsstudie des IPN Kiel und der RWE Stiftung, zu aktuellen Ergebnissen und zukünftigen Anforderungen an die Vermittlung des Querschnittsthemas Energie im deutschen Bildungssystem

Prof. Manfred Euler

Herr Prof. Euler, warum beschäftigen Sie sich mit dem Thema Energiebildung?

Energie ist für mich ein Querschnittsthema, das Wissenschaft, Technik und Lebenswelt verbindet. Ohne Energie gäbe es kein Leben. Energie ist ein Motor für alles und diesen Motor am Laufen zu halten ist ganz essentiell für unsere Gesellschaft. Die Energiebildungsstudie, die das IPN Kiel im Auftrag der RWE Stiftung durchführt, ist für mich von großer Bedeutung, weil sie zeigt, dass wir in unserer Gesellschaft mit diesem ganz wichtigen Querschnittsthema nicht in der gebührenden Tiefe umgehen und wir da unbedingt noch etwas nachlegen müssen, damit wir unsere Jugend zukunftsfähig machen können. 

Im ersten Schritt der Energiebildungsstudie haben Sie die Lehrpläne analysiert. Was war das zentrale Ergebnis?

Zum einen hat sich erneut gezeigt, dass es in Deutschland auf Grund der föderalen Struktur sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen gibt. Es ist durch viele weitere Studien belegt, dass Bildungsgerechtigkeit einen geographischen Aspekt hat. In einigen Gegenden hat man einen besseren Zugang zu Bildung, als woanders. Dagegen muss man, denke ich, etwas tun. Der zweite Punkt, der mich wirklich überrascht und auch schockiert hat, war, dass bei grundlegenden Themen, wie der Physik beispielsweise, keine klare Kohärenz in den Lehrplanvorgaben bestand. Der dritte Punkt ist, dass eine Beliebigkeit besteht hinsichtlich dessen, was man über die Naturwissenschaften und die Technik hinaus macht – also ob das Energiethema z.B. auch von einer geopolitischen Seite aus betrachtet wird. Da Energie so ein wichtiges Querschnittsthema ist, muss künftig an den entsprechenden Vorgaben gearbeitet werden, um das Ganze sichtbar und für jeden begreifbar zu machen.

Nun haben Sie die Lehrer direkt befragt. Wo sehen diese die Chancen und Herausforderungen in der Energiebildung?

Zunächst sagen die Lehrer in der Tat, und das bestätigt auch die theoretischen Ergebnisse aus den Lehrplananalysen, dass wir viel tun müssen, um die Energiebildung im Schulsystem zu verankern. Zwei Drittel der Lehrer sagen, es reicht nicht aus, was wir derzeit tun und 90% sagen, es müssen erheblich mehr Anstrengungen unternommen werden, um Energiebildung auf den Stand zu bringen, der aus ihrer Sicht notwendig wäre. Das steht auf der Seite der Herausforderungen. Auf der Seite der Chancen wurde deutlich, und das ist die positive Nachricht, dass die Lehrer selbst eine sehr große Bereitschaft zeigen, sich in Sachen Energiebildung zu engagieren und durchaus über den fachlichen Tellerrand hinwegschauen. Sie sehen, dass das Thema wichtig ist, dass Technologien in diesem Zusammenhang wichtig sind und dass gesellschaftliche Aspekte wichtig sind. Aber die Lehrer sagen auch: Es gibt Rahmenbedingungen, die die Umsetzung der umfassenden Betrachtung der Energiethematik erschweren. Lehrer nennen hier Defizite in Aus- und Fortbildung sowie mangelnde materielle und zeitlich Ressourcen.

Diese Ergebnisse überprüfen Sie jetzt durch eine Delphi-Befragung. Wie genau gehen Sie vor?

Wir spielen die Ergebnisse aus der ersten Umfrage noch einmal an die Befragten zurück und stellen ihnen erneut die gleichen Fragen. Die Lehrkräfte können vor dem Hintergrund der Ergebnisse ihre eigene Meinung reflektieren. Wir wollen damit erreichen, die Ergebnisse der ersten Runde abzusichern und wir hoffen auch, genauere geographische Unterschiede in den Lehreraussagen statistisch absichern zu können. Auf diese Ergebnisse aus den Bundesländern bin ich besonders gespannt. Insgesamt soll die Delphi-Befragung dazu beitragen, die Gesamtergebnisse auf eine breitere empirische Basis zu stellen.

Wie geht es weiter und was versprechen Sie sich von den Ergebnissen der Studie?

Wir haben aus den Lehreraussagen schon einige Hinweise bekommen, an welchen Stellschrauben man drehen kann und sollte. Die Umfragen zeigen, dass tatsächlich einiges im Energiebildungsbereich in Gang gekommen ist. Vor allem im Eingangsbereich, im Bereich der Grundschule, gibt es sehr viel Bewegung und Innovation. Wir müssen es schaffen, dass das, was dort passiert, auch in die anderen Bereiche weiter getragen wird. Denn deutlich wurde auch, dass im Übergangsbereich bzw. im Eingangsbereich der weiterführenden Schulen nicht so viel passiert und die Anschlussfähigkeit zwischen Grundschulen in die weiterführenden Schulen nicht ausreichend gegeben ist. Hier hat die empirische Studie sehr klar gezeigt: Es besteht Handlungsbedarf. Da Energie ein ziemlich abstraktes Konzept ist, besteht weiterer Handlungsbedarf darin, erfahrungsbasiertes Lernen, also Lernen aus Experimenten, Projekten oder allgemein mit schüleraktivierenden Lernformen, zu vertiefen.

Wir sind gerade dabei, einen „Schüler-Energiebildungstest“ auf die Beine zu stellen. Dazu haben wir schon erste Pilotstudien laufen lassen. Wir wollen sehen, was in den Köpfen der Schüler im Bereich der Energiebildung ankommt, wie sie mit eher praktischen lebensweltlichen Dingen der Energie zurechtkommen und wie sie das Energiekonzept allgemein verstanden haben, wie sie gesellschaftliche Implikationen sehen und wie sie aufgrund ihres Wissens auch grundsätzlichere gesellschaftliche und ethische Herausforderungen bewerten. Wir untersuchen also das konzeptuelle Verständnis sowie Aspekte der Bewertung der Energiethematik und versuchen, das mit dem Unterricht zusammenzubringen, den die Schüler genossen haben. Wir vermuten durchaus enge Zusammenhänge mit der Unterrichtsintensität und sind ganz gespannt, diese Ergebnisse flächendeckend zu bekommen, um zu sehen, wo besonderer Handlungsbedarf besteht. Das wäre auch eine Basis um zu sehen, wohin sich das Thema Energiebildung in der Schule in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickelt.

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Redaktion am 30.03.2012 in Bildung