Willkommen im Wohnzimmer

„Es wird privat”, versprechen die Kuratorinnen der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen mit der aktuellen Ausstellung „AT HOME, der Blick durchs Schlüsselloch, Wohnen im Ruhrgebiet – gesehehen durch die Kunst”. Zum Thema werden 220 Arbeiten von 65 (Foto-)Künstlern gezeigt. Darunter auch Mischa Kuball und Sebastian Mölleken. Kuball zeigt einen Ausschnitt aus seinem grandiosen, von der RWE geförderten Kulturhauptstadt-Projekt  „New Pott. 100 Lichter / 100 Gesichter”. Mölleken, 2010 der zweite VISIT-Künstler der RWE-Stiftung, präsentiert mit Oliver Blobel die gemeinsame Semesterarbeit „Nachbarschaft. Im Emscherbruch” aus dem Jahr 2008.

 „AT HOME”-Plakatmotive von Jörg Winde: Tante Änne. Wohnung Trosin. Gelsenkirchen aus 1994, Vintage-Print einer analogen Großformat-Fotografie.

In Oberhausen zeigt Mischa Kuball wohl die aktuellste und authentischsen Einblicke in Wohnzimmer der Ruhrgebiets, wenn 100 Migrantenfamilien aus 100 Nationen ihre Geschichte erzählen. Der Düsseldorfer Fotograf Egbert Trogemann hat die Bilder und Videos gemacht. Seine schwarzweißen Fotografien kontrastieren die Interviewsituation mit den leeren Wohnräumen, aufgenommen aus exakt derselben Perspektive mit derselben Belichtung im selben Format.

Sebastian Mölleken und Oliver Blobel ist es zu verdanken, dass wir uns nicht nur von den Bewohnern in den Fenstern ihrer Zechenhäuser im Herner Emscherbruch ein Bild machen können, sondern auch von den Zimmern dahinter. Die beiden Fotodesigner haben Licht gemacht und sich mit einem Hubsteiger auf Augenhöhe mit ihren Motiven begeben. Das Resultat sind seltsam helle und lebendige Bilder. Im Fenster liegen nicht mehr  nur  die Menschen, sondern auch ein kleiner Teil ihrer ganz privaten Welt dahinter. Auf der Pressekonfenz zur Oberhausener „AT HOME”-Ausstellung am Donnerstag haben die beiden übrigens ihren Dozenten an der Fachhochschule Dortmund getroffen. Prof. Jörg Winde lehrt dort Fotodesign und zeigt seine Fotoserie „Tante Änne” aus den Jahren 1992 bis 1994 ebenfalls im Erdgeschoss der Ludwiggalerie. Das Plakatmotiv  (oben) stammt aus dieser Serie. Retro-Stimmung und Farbstich sind analog-authentisch und können von keiner app der welt erzeugt werden, ob wohl das immer wieder versucht wird.

Überdies ist „AT HOME” sehr sehenswert und bietet viel Kunst pro Quadratmeter Wohnfläche. Von der klassischen journalistischen Auffassung der Ruhrgebietsfotografie-Ikonen Manfred Vollmer, Achim Pohl, Jürgen Leiendecker, Marga Kingler und Brigitte Krämer über die formale Strenge der Bechers bis zu den verspielt-ironischen Kunst-Stücken von Judith Saupper und dem hinreißenen „skribblegebibble” von David Janzen und Simon Mellnich. Denen gelingt es mit ihrer Arbeit „April, Mai, Juni 2011”, dem Kulturwandel im Revier eine pointierte Rückkopplung zu verpassen. Ganz schön schrill – wie Rückkopplungen eben so sind – erweitern sie Omas Kitsch-Couch mit schlichtesten Mitteln zu einem kleinen Steam-Punk-Uniersum samt Tagebau im klaffenden Polster, Baumaschinen aus Pappkarton und einem wattedampfenden Zug nach nirgendwo. Wandel durch Industriekultur mal ganz anders. Herrlich.

Die Bilder:

Nun möchte ich diesen Weblogeintrag nicht endgültig abspeichern, ohne zwei Dinge angemerkt zu haben.

Erstens wird “AT HOME” am 20. Mai, dem kommenden Sonntag der RuhrKunstMuseen, um die die Ausstellung „Mein liebstes Stück” erweitert. Gezeigt werden Dinge mit Geschichte aus dem Privatbesitz freiwilliger Ruhrgebietsbewohner. Noch bis Ende August können sich Interessierte daran beteiligen und das Bewerbungsformular auf dieser Seite  der Ludwiggalerie herunterladen. Dort finden sich auch alle Termine der Museumspädagogik von Wohnsinn! bis Luftschloss DreiTausendZwölf.

Zweitens könnte diese Aktion den Gelsenkirchener-Barock-Faktor im Schloss Oberhausen beträchtlich senken. Gut möglich, ich habe 2010 einfach zuviel Aufbruchstimmung inhaliert, oder zuviel junges Ruhrgebiet erlebt, dass auch gut in Hamburg oder Berlin spielen könnte. Vielleicht bin ich auch einfach nicht jung genug. Sicher ist aber eins. Ich kann diese bräsigen Sessel und Sofas, diese schrecklichen Furniermöbel vor tristen Tapeten nicht mehr sehen. Ich wünsche mir eine Ausstellung über das Wohnen im Ruhrgebiet mit Kunstwerken und Bildern nicht älter als, sagen wir mal, fünf Jahre. Die darf dann auch ruhig „ZU HAUSE” heißen, mit einer kleinen und gut recherchierten historischen Abteilung. Da kommen dann die Möbel von Omma rein und gut ist.

 

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Frank Vinken am 12. Mai 2012 in Allgemeines, Kultur

Lichtgestalten im Revier

Markus Lüpertz im Osthaus Museum Hagen, Heinz Mack im Museum Ostwall im Dortmunder U. Zwei Künstler der alten Schule werden mit großen Ausstellungen im Revier geehrt. Und diese “alte Schule” erscheint jünger und dynamischer denn je.

Bereits mit der Retrospektive “Im göttlichen Licht“, die im letzten Jahr in Den Haag zu sehen war, stellte Malerfürst Lüpertz unter Beweis, dass seine Bilder noch immer vor Kraft strotzen. Teile dieser Ausstellung – ergänzt um neue Arbeiten – hat nun Tayfun Belgin unter dem Titel “Der gemalte Horinzont” ins Osthaus Museum nach Hagen geholt.

 

Von Den Haag nach Hagen: Markus Lüpertz Retrospektive (Foto: Frank Vinken)

 

Mittlerweile umfasst Lüpertz’ Werk wohl mehr als 15.000 Arbeiten: Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Bühnendekorationen, Kostüme, Gedichte, sogar Kirchenfenster – doch aufhören? Für ihn undenkbar.  Sein Kosmos wächst weiter und seine Werke finden Anerkennung im In- und Ausland. Vielleicht gerade weil er jemand ist, der sich jeder Strömung des Zeitgeistes widersetzt. Seine Kunstwerke sind keine Kommentare zu zeitgeschichtlichen Ereignissen und mit ihrer Farbigkeit und Kraft verweisen sie gern auf etwas Höheres. Hermes, Herkules, Merkur sind feste Akteure in Lüpertz’ göttlicher Komödie, die noch bis 29. Juli in Hagen aufgeführt wird. Zum Mitnehmen sei der schöne Ausstellungskatalog empfohlen, der nicht zuletzt durch die Förderung der RWE realisiert werden konnte.

Auch zur Ausstellung “Zwischen den Zeiten” des Malers und Bildhauers Heinz Mack ist ein schöner Katalog erschienen – ebenfalls mit Unterstützung der RWE. Kein Wunder, geht es doch auch hier um Energie in ihrer schönsten Form: Farbe und Licht.

 

Heinz Mack vor seinem “Garten Eden” (Bild Ruhr Nachrichten, Tilman Abegg)

 

Kinetische Objekte, Lichtskulpturen und Malerei von den 70er Jahren bis heute werden auf der 6. Etage des Dortmunder U präsentiert. Silbern spiegeln die Steelen in der großen Eingangshalle das Licht, rechst geht es in den Dunkelraum, wo es bunt blitzt und schillert, ruhig und golden die Stimmung dagegen im Sahara-Raum. Hier wird der Besucher mit den Ergebnissen aus Macks frühen Experimenten in der Wüste konfrontiert. Mack, er ist eben nicht nur Maler und Bildhauer, er ist auch Forscher. Die Dortmunder Ausstellung bietet für dieses umfangreiche Werk einen sehr schönen Überblick und zeigt Arbeiten, die noch nie oder schon lange nicht mehr zu sehen waren.

Wie Belgin in Hagen konnte auch Direktor Kurt Wettengl aus einem nahezu unerschöpflichen Werk auswählen. Es ist ihm und seiner Co-Kuratorin Katja Knicker dabei gelungen, den zahlreichen Geburtstagsausstellungen des vergangenen Jahres neue Aspekte hinzuzufügen.

Anlaß für die Ausstellung, die ebenfalls noch bis zum 29. Juil zu sehen sein wird, war übrigens die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Kunstpreis der Kulturstiftung Dortmund  an Heinz Mack. Bei der Preisverleihung am 6. Mai gehörte die Bühne dann aber auch noch einer jungen Frau. Der Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro ging an Roseline Rannoch, von der wir – wenn es nach Jurymitglied Kay Heymer (Leiter zeitgenössische Kunst im Museum Kunstpalast Düsseldorf)  geht – noch viel hören werden. Sie bekam ihr Schaufenster auf der 4. Etage im U und überzeugt dort mit Arbeiten voller Witz und Gespür für Materialität. Von der Decke baumelt ein Spongebob in Silber. Er scheint aus einer anderen Welt. Ein Schelm, wer jetzt an den Tele Mack denkt.  :)

 

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Daniela Berglehn am 07. Mai 2012 in Kultur

Rap auf schwarzem Marmorboden

Die Ausstellungen im RWE Foyer Dortmund waren schon immer abwechslungsreich – aber Streetart und Rap? Das ist neu. Wer Lust hat kann heute abend ab 19 Uhr live erleben, wie Gregg, Slyte und Cognac zusammen mit Boris Gott den Nordstadtrap präsentieren.

 

Heute abend gehts ab: Rap, Streetart – in jedem Fall “Trashic”

Alle sind eingeladen, die einmal einen Blick auf die Dortmunder Nordstadt werfen wollen, der frei von Vorurteilen, aber nicht unbedingt ohne Klischees ist. Mit einem Augenzwinkern präsentieren sich die Jugendlichen “trashic” auf einem roten Sperrmüllsofa, drücken ihre Gefühle durch Streetart aus oder beschreiben ihren Alltag mit der Fotoreportage “Hannibal-Helden”. Ein Interview mit Ulrich Sierau, dem Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, und eine Reportage mit Hauptkommissar Jäger von der Wache Nord runden das Bild ab.

“Ich sehe was, was Du nicht siehst” – so der Titel der Ausstellung, der uns die Augen öffnen soll. Entstanden sind die Werke im Rahmen von “Nordwerkstadt“. Die Fotografin Iris Wolf und die Journalistin Barbara Underberg sind die Köpfe dieser Initiative und begleiteten die Jugendlichen über mehrere Monate in zahlreichen Workshops. Sie arbeiten in und mit der Nordstadt und wollen die zu Wort kommen lassen, die sonst nicht gefragt werden: “Wird sonst häufig von außen über den Dortmunder Norden geschrieben und geurteilt, will “Nordwerkstadt“ den Stadtteil gemeinsam mit den Menschen, die hier leben, anders erlebbar machen und aktiv gestalten”, so Underberg.

In dem spannenden Ausstellungsprojekt setzen die jungen Menschen aus der Nordstadt, den oft negativen Schlagzeilen über ihren Stadtteil, nun ihre eigene Sicht entgegen. Mit den ausgestellten Werken beschreiben sie ihre Perspektive, ihre Meinungen und Sehnsüchte. Die Arbeiten geben einen Einblick in ihre Welt, ihre Generation und ihr durch die äußeren Umstände geprägtes Lebensgefühl.

Ein Projekt, das Anerkennung und viel Aufmerksamkeit verdient – findet jedenfalls Hanns-Ferdinand Müller, Vorstandssprecher der RWE Vertrieb AG: „Es war uns wichtig, dieses Nordstadt-Projekt hier zu uns in die Innenstadt zu holen. Die Themen und Ideen der Jugendlichen sollen nicht nur da diskutiert und gesehen werden, wo sie weitgehend bekannt sind.“ Er wird die Ausstellung heute abend gemeinsam mit Sierau eröffnen.

Alle Beteiligten hoffen nun auf zahlreiche Besucher, die sich selbst ein Bild machen. Zu entdecken gibt es einiges.

Wo? RWE Vertrieb, Foyer, Freistuhl 7, 44137 Dortmund, ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei 

 

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Daniela Berglehn am 26. April 2012 in Kultur

Energie = Power = Meine Kunst = Zeit

Am kommenden Montag endet die Ausstellung “less is more” des japanischen Künstlers Shige Fujishiro im Foyer des RWE Towers Dortmund. Die Besucherbilanz war gut, drei Kunstwerke wurden bereits verkauft, eine nächste Galerie-Ausstellung erwartet ihn und am Ende fand sich Shige Fujishiro sogar groß in der BILD wieder. Der Perlenzauber hatte es einfach in sich – und im Fußballverrückten Dortmund war sein eigenwilliges Schalobjekt einfach der Hinkucker. Wo nimmt der junge Künstler seine Energie für die aufwendigen und kleinteiligen Arbeiten her? Wir schickten ihm unseren Energie-Fragebogen und erhielten eine Antwort – und viele.

Welche spontanen Assoziationen haben Sie bei dem Begriff Energie?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit

Was verbinden Sie mit der Energiewende?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit
Mein verlängertes Bein ist das Fahrrad. Energie sparen ist die sinnvollste Methode und sehr “grün”.

Wo tanken Sie Energie?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit
Im Atelier mit meiner Kunst.

Wofür hätten Sie gerne mehr Energie?
Energie = Power = Meine Kunst = Zeit
Energie habe ich genug, nur leider fehlt mir die Zeit.

Weitere Infos:
http://shige-fujishiro.blogspot.de/
http://www.ruhrnachrichten.de/Diese-Ausstellung-perlt-besonders-pfiffig;art13731,1585136,C::cme119186,3044085

Foto: Frank Vinken

 

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Daniela Berglehn am 12. April 2012 in Kultur

Nicht eine Wahrheit, sondern viele?

“Sensationelle Kunstausstellung in Berlin” schreibt die BILD und auch den “Tagesthemen” war sie gestern Abend einen Bericht wert: ART and PRESS, eine neue Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin. Sie hält der Presse den Spiegel vor und profitiert zugleich von ihr. BILD ist Medienpartner und wird die Werke der Ausstellung über vier Wochen lang auf einer ganzen Seite vorstellen. BILD-Chef Kai Diekmann sieht darin eine Chance, den 11 Millionen Lesern von “Deutschlands reichweiten stärkster Zeitung” die zeitgenössische Kunst näher zu bringen. Eine tolle Werbung für die Kunst, ein bildungspolitisches Experiment, so die Einen – eine Vereinnahmung, ein PR-Gag, finden Andere. Doch das Experiment kann gelingen, wenn alle Beteiligten offen zusammenarbeiten. Dafür will sich auch Peter Iden einsetzen – Mitglied des künstlerischen Beirats, der das Ausstellungskonzept entwickelte und einer derjenigen, die es vor sich haben, die Sprache der Kunst nicht in die Sprache des Boulevards zu übersetzen. Wir sind gespannt, denn RWE ist Hauptsponsor der Ausstellung und damit Teil des Experiments.

Doch über Kunst soll man nicht lesen, man muss sie sehen. Und dazu war gestern Abend erstmals Gelegenheit. 56 Künstler haben einen Beitrag zu ART and PRESS geleistet – teilweise wurden dafür eigens Werke neu erstellt.  Darunter die eindrucksvolle Installation alter Druckmaschinen von Anselm Kiefer, in deren Mitte gestern die feierliche Eröffnung stattfand.

Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien und RWE-Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Großmann fanden ihren Bezug zum Thema im Kontext der “Freiheit der Kunst” und der “Freiheit der Presse”, die vor allem in den Werken von Ai Weiwei und Farhad Moshiri zum Ausdruck kam. In Gesellschaften, in denen nur eine Wahrheit gilt, sei es um die Freiheit der Presse und die Freiheit der Kunst nie gut bestellt, so Großmann. Die Vielfalt der Meinungen und die Möglichkeit diese auch artikulieren zu können, sei ein hohes Gut. Kai Diekmann reflektierte die Zeitung als Teil der Alltagskultur, die immer im Spannungsfeld zwischen Wahrheit und Wirklichkeit steht und der Philosoph Peter Sloterdijk reflektierte in seinem Festvortrag insbesondere die Wahrnehmung der Kunst und ihre ästhetischen Spielregeln.

Kurator und Veranstalter Walter Smerling, Stiftung Kunst und Kultur Bonn, freute sich über mehr als 900 Besucher, darunter viele Künstler und Prominente.

RWE CEO Jürgen Großmann, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Kurator Walter Smerling (v.l.)
RWE CEO Jürgen Großmann, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Kurator Walter Smerling (v.l.)
Die Künstler Gilbert & George
Gilbert & George

Peter Raue und Peter Sloterdijk

Ab heute ist die Ausstellung für alle geöffnet. Bis zum 24. Juni 2012 besteht die Möglichkeit einige spannende Begleitveranstaltungen zu besuchen. Die erste Lesung und Filmvorführung mit der Künstlerin Marlene Dumas findet bereits heute, 23. März, um 17 Uhr statt. Weitere Gesprächsrunden und Vorträge folgen. www.artandpress.de

Das Verhältnis von Kunst und Zeitung zu reflektieren ist auch Ausgangspunkt für ein interessantes Vermittlungsprogramm, das von der RWE Stiftung gefördert wird. Es richtet sich an Kinder, Jugendliche und Studenten und soll die Fähigkeit zum Lesen und Erfassen von Bildaussagen schulen sowie Erkenntnisse darüber vermitteln, wie sich Bild und Text gegenseitig beeinflussen. “Damit werden Alltagskompetenzen gestärkt, die eine wichtige Funktion im schulischen und sozialen Kontext haben”, so Dr. Stephan Muschick, Geschäftsführer der RWE Stiftung. Um möglichst vielen den Zugang zum Angebot zu ermöglichen sind die ersten 100 Workshops sogar kostenlos. www.gropiusbau.de

Die Ausstellung ART and PRESS geht mit der Zeit: Ab Montag, dem 26. März, bietet ein App für iPhone und Android Hintergrundinformationen und Einblicke in digitaler Form. Interessierte können einen Audioguide, Interviews mit Künstlern und Mitwirkenden der Ausstellung sowie das Rahmenprogramm herunterladen. Den klassischen Katalog gibt es natürlich auch noch. Ein umfangreicher Bildband mit Fachtexten von Götz Adriani, Peter Iden und Heiner Bastian uvm. – erschienen im Wienand Verlag.

Wer jetzt Lust hat, nach der Wahrheit zu suchen, wird hier in Berlin nicht die eine Wahrheit finden, aber viele. Und das ist auch gut so.

 

Alle Bilder: David Ausserhofer, www.ausserhofer.de

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Daniela Berglehn am 23. März 2012 in Allgemeines, Kultur

Kleine Kunstperlen zwischen Bergen von Beliebigkeit

Als Shige Fujishiro im November 2011 mit seinen Arbeiten den Best-Box-Award im Dortmunder Depot gewann, hat er es zunächst kaum fassen können. Seine preisgekrönten Arbeiten sind seit Dienstag in der Foyer-Galerie des RWE Towers zu sehen. Und eins hat der in Hiroshima geborene Künstler mit seiner Präsentation gewiss erreicht. Wohl selten zuvor hat ein Eröffnungspublikum so lange ganz genau hinsehen müssen und auch wollen, um sich in einer Kunst-Welt zurechtzufinden, die nur auf den ersten Blick banal scheint. Unter einer harmlosen Oberfläche aus bunten Perlen lauert tiefe Erkenntnis. Einfach verblüffend.

 

Shige Fujishiro mit seiner Arbeit „Heute Feind – Morgen Freund”

Oder verblüffend einfach, vielleicht sogar zu einfach? Shige Fujishiro macht es uns nicht leicht, ihm auf den gefährlich-schmalen Grat zwischen Kitsch und Kunst zu folgen. Allein die Wahl seiner Werkstoffe macht Kunsthistoriker ebenso nervös wie -Kenner, die glauben, schon alles gesehen zu haben. Sicherheitsnadeln, Draht und Glasperlen. Der Kosmos des Shige Fujishiro besteht aus wenigen, ganz einfachen Bausteinen. Wie im richtigen Leben. Für menschliches Erbgut braucht es eine knappe Handvoll chemischer Verbindungen, für den Literaturnobelpreis nicht mehr als die Buchstaben eines gut sortierten Alphabets.

Sicherheitsnadeln und Glasperlen. Da geraten selbst gestandene Museumsdirektoren ins Stirnrunzeln. Denn: „Das Material macht stutzig. Ist das Kunst oder eher Bastelei?“, fragt Hans Günter Golinski aus Bochum in seiner beherzten Einführungsrede, zeigt sich aber fasziniert und überzeugt gleichermaßen von Fujishiros respektlosem Umgang mit dem schönen Schein der Dinge. Durch Sicherheitsnadeln, Draht und Glasperlen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht, gibt uns die seltsame Aldi-Tüte in der Ausstellung ebenso zu denken, wie die Tasche von Louis Vuitton, der Bonsai mit Löwenzahn und die von fetten Faltern umflatterte, blumige Installation auf Zucker mit dem Titel „Letzte Nacht hatte ich einen Traum in meines Freundes Bett“. Das wirkt nicht nur wegen des Zuckers irgendwie süß, macht aber einen bitterem Nachgeschmack. Glasperlen gehören nicht nur zu den ältesten Zahlungsmitteln und Kunst-Stoffen des Planeten. Glasperlen haben ganze Völkerstämme ums Wohl gebracht. Und schließlich wissen wir doch alle, wie schnell so ein schöner Schein getauscht ist gegen die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

„Spuren von Tränen“ nennt Fujishiro denn auch sein nachdenklichstes Werk auf der großen weißen Stirnwand der Tower-Galerie. Für mich die ergreifendste der Arbeiten, die der in Hannover lebende Fujishiro für „LESS IS MORE“ zusammengestellt hat. Mit Sicherheitsnadeln, Draht, Glasperlen und sechs Gehörnen (Material-Liste) zitiert er die Kirschblüte, den Tod und die Gedanken des Zen, wo weder die Blüte am Baum wirklich wichtig ist noch das verwelkte Blatt am Boden. Was zählt, ist  der Augenblick, in dem es herunterfällt. Aber Digitalfotografen haben es leicht, den Geschichten von Shige Fujishiro zu folgen.  So ein Pixel ist als monochrome Farbfläche an Schlichtheit kaum zu überbieten. Erst die Menge ergibt ein Muster, das sich mit dem nötigen Betrachtungsabstand zum Bild formt. Ein schneller Prozess, der täglich milliardenfach Berge der Beliebigkeit erzeugt. Da hat es Shige Fujishiro leichter aufzufallen. Die Einzigartigkeit von Fastfood-Ketten-Tüten aus Sicherheitsnadeln, Draht und Glasperlen wird wohl niemand bezweifeln.

Wie es mit Fujishiro weitergeht, ist ebenfalls geklärt. Aus Essen war Irma Gublia-Segerath nach Dortmund gekommen, sozusagen als Scout für den Galeristen Thorsten Obrist. Der möchte Shige Fujishiro in seiner Galerie am Museum zeigen. Wir sind gespannt.

Die Bilder aus Dortmund:

 

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Frank Vinken am 15. März 2012 in Allgemeines, Kultur

Ein offener Brief gegen die Ohnmacht -
Update Nr. 1 aus Bochum

Vielleicht sollte man nach den heftigen Reaktionen auf die Pläne einer möglichen Schließung des Museums Bochum nicht ohne ein kurzes update zur Tagesordnung übergehen. Die deutlichen Worte der beiden Sprecher der RuhrKunstMuseen, Hartwig Fischer (Museum Folkwang) und Kurt Wettengel (Museum Ostwall im U) haben eine laute bundesweite Resonanz erzeugt und das wird in den kommenden Wochen und Monaten wohl auch noch lauter werden. Zudem erlebten die Besucher beim Neujahrsempfang des Bochumer Museums am Donnerstagabend auch noch einen dramatischen Augenblick, als Hans Günter Golinski am Mikrofon im großen Saal just in dem Augenblick alle Kräfte verließen, als er die Solidaritätsadressen der Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz und Kulturdezernent Michael Townsend übermittelte.

Es war wohl alles ein wenig viel, aber am Ende wohl tatsächlich nur ein Schwächeanfall. Nach einem langen Tag, mit der Präsentation des 2012er Jahresprogramms vor der Brust und der Pressekonferenz am Vormittag in Essen auf den Schultern. Da hatten fast alle der nachfragenden Journalisten nur Zahlen von ihm haben wollen. Zahlen von einem, der den Inhalt von Köpfen zu seinem Lebenswerk gemacht hat und nicht deren rentabilitöse Anzahl für Modellrechnungen, wieviel Besucher es denn noch sein mögen bis zum nächsten Einsparplan.

Folgendes Thumnail braucht nun dringend einen Mausklick, denn es zeigt die Mitarbeiter des Bochumer Hauses am Donnerstag mit ihrem Direktor. Hier ausnahmsweise als Galerievorschaubild und ausnahmsweise nur ein einziges, aber dafür wird es größer. Ganz sicher.

Sicher ist sich allerdings auch der Bochumer Aktions- und Installationskünstler Jochem Ahmann in seinem Urteil zur Bochumer Kulturdebatte.  Fest mit Arbeiten und Aussagen in der Ruhrgebietsszene verwurzelt und dementsprechend erdig hat er seine – für gewöhnlich tragende – Stimme in einem offenen Brief erhoben. Und als dessen Vorstandsmitglied bezieht Ahmann auch für den Deutschen Werkbund Nordrhein-Westfalen Position, wenn er schreibt:

“Es wird immer offensichtlicher, dass anscheinend manche Entscheidungsträger der Stadt Bochum ein gespaltenes Verhältnis zur Kunst haben. Ist “ dort oben “ eigentlich niemandem bewusst, welch’ verheerende Schäden in der landes – nein weltweiten Außendarstellung der Stadt Bochum schon allein durch die angedachte Schließung des Kunstmuseums  und  einen Ausverkauf seiner bedeutenden Sammlung angerichtet werden? Das Echo auf die Kunstzerstörung im letzten Jahr war schon vernichtend. Nun zeigt es sich, es gibt tatsächlich noch eine Steigerung dieses andauernden Barbarentums. Der Deutsche Werkbund NW fordert mehr Sensibilität im Umgang mit der Kunst!”

Frühe Berichte zum Thema finden Sie unter den Links zum Portal derwesten.de,  zu den Ruhrnachrichten (Kultur- und Lokalteil). Das Tema aufgegriffen haben unter anderem auch wechselausstellungen.de, die RP-online, Radio Bochum, coolibri und der Deutschlandfunk  auf dradio.de.

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Frank Vinken am 27. Januar 2012 in Allgemeines, Kultur

“. . . als würde man die Brennstäbe verkaufen, um das Kraftwerk zu sanieren”

„ . . . als würde man die Brennstäbe verkaufen, um das Kraftwerk zu sanieren.“ Mit diesem Bild beschrieb heute der Direktor des Museum Folkwang, Hartwig Fischer, die Überlegungen Bochumer Lokalpolitiker, für die Haushaltssanierung der Stadt das dortige Museum zu schließen. Gemeinsam mit seinem Dortmunder Kollegen Prof. Dr. Kurt Wettengel (Museum Ostwall im U) und dem Bochumer Museumsdirektor Dr. Hans Günter Golinski nahm Fischer auf einer Pressekonferenz in Essen für die RuhrKunstMuseen zu den Sparplänen Stellung.

von links: Prof. Dr. Kurt Wettengel, Hartwig Fischer, Dr. Hans Günter Golinski

Und zwar mit deutlichen Worten. Hartwig Fischer: „Damit wird man keinen Haushalt sanieren aber zweifellos die Anziehungskraft der Region verringern. Das wäre ein nachhaltiger Schaden, den wir mit Nachdruck ablehnen. Wir müssen uns gegen diesen Versuch eines schleichenden Kulturabbaus mit der größten Solidarität zur Wehr setzten. Es geht um das, was diese Region erst lebenswert macht.“
Dazu betonte der RuhrKunstMuseen-Sprecher Prof. Wettengel sein Unverständnis, dass diese Diskussion geführt werde, nachdem sich die Ruhr-Museen zum Besuchermagneten und zu einem Netzwerk von ganz besonderer Stärke entwickelt haben: „Wir werden bis 2014 aus Landes- und EU-Mitteln  mit 800.000 Euro gefördert und arbeiten zur Zeit mit der Ruhr Tourismus GmbH an neuen und nachhaltigen Marketing-Konzepten.“

Professor Kurt Wettengel, Sprecher der RuhrKunstMuseen

In der Tat haben die RuhrKunstMuseen im Kulturhauptstadtjahr Zehntausende Besucher und vor allem Kinder und Jugendliche aus allen Schulformen mit den „Collection Tours“ regelrecht begeistert. Die Busreisen zu den Sammlungen und Museen an der Ruhr gehörten  zu den gefragtesten 2010-Projekten. Mit fachkundigen Führerinnen und Führern, die ihre Gäste schon während der Fahrt mit Lunchpaket und liebevoll aufbereiteter Information für die Kunstlandschaft Ruhrgebiet zu faszinieren wussten.
Der Bochumer Museumsdirektor Hans Günter Golinski selber sieht entscheidende Kernaufgaben seines Hauses in Gefahr:  Die museumspädagogische Arbeit mit Kindern und die Förderung der „visuellen Mündigkeit“. „Wir waren und sind ein Bürgermuseum mit einem pädagogischen Auftrag und keine  freizeitindustrielle Massenveranstaltung“, erläuterte Golinski, der nichts von Zahlenspielen hält und zudem die ökonomische Stromlinie als Maßstab strikt ablehnt: „Kinder und Jugendliche haben ohnehin freien Eintritt und viel wichtiger als die Quantität der Besuche ist in einem Museum deren Qualität“.

Das Podium im Museum Fokwang

 

Professor Ute Eskildsen, Leiterin der Fotografischen Sammlung im Gespräch mit Journalisten

Noch eine Notiz zu den Stichwörtern Quantität und Qualität. Am 31. Oktober 2010 hat dazu im Museum Bochum alle gepasst. Das folgende Archivbild aus dem RWE-Blog “energiekultur.de” zeigt die Eröffnung der Ausstellung “Out of the Office” mit 83 Kunstwerken aus den Räumen von 29 Ruhrgebiets-Unternehmen. Da waren nicht nur die 2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen (am Pult) und Prof. Oliver Scheytt dabei, sondern auch die beiden ersten Stipendiaten des Visit-Programms der RWE-Stiftung, Sebastian Mölleken aus Oberhausen und Joana Deltuvaite aus Vilnius in Litauen.

Fotos: Frank Vinken | dwb

 

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Frank Vinken am 25. Januar 2012 in Allgemeines, Kultur

Von Sternen im Keller und am Himmel

Am 27. März 2011 endete die Ausstellung “Licht 21″ im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna. Licht-Kunst-Visionen für das 21. Jahrhundert waren das Thema und die drei ganz unterschiedlichen Künstler H.C. Berg, Brigitte Kowanz und Christina Benz bezogen in den Gewölben der alten Lindenbrauerei Position. Eine kleine, aber exzellente Ausstellung. Sicher, es gab spektakulärere Projekte an weit aus weltstädtischeren Orten als Unna – aber kaum erhellendere. Die Treppen in den dunklen Keller hinunter zu steigen und dann dem “Eye of Light” von H.C. Berg gegenüber zu stehen – das war berührend und fordernd, schön und auch ein wenig schrecklich. Wie eben alles Schöne.

 

Und es ist dieses Werk, das mir einfällt, wenn es in diesen Tagen vermehrt um Sterne geht, die einem den Weg weisen und das Licht, das in die Welt gebracht wurde. Damals war es noch richtig dunkel, kein Hirte, kein Schaf und kein König wurden durch Leuchtreklame abgelenkt. Das Licht konnte seine ganze Schönheit entfalten. Muss toll gewesen sein. Fast wie Unna.

(Foto: Frank Vinken)

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Daniela Berglehn am 23. Dezember 2011 in Kultur

“Das Ding leuchtet . . .”

Mischa Kuballs “New Pott” ist sicher das leiseste der ganz großen Kulturhauptstadt-Projekte aus dem vergangenen Jahr. Mit dem Düsseldorfer Fotografen Egbert Trogemann hat Kuball ein Jahr lang 100 Einwanderer-Familien aus 100 Nationen im Revier besucht und sie in deren Wohnzimmer im Schein einer tageslichtweiß-leuchtenden Kugellampe interviewt. Die RWE Stiftung zeigt Ausschnitte aus Kuballs multimedialer Dokumentation jetzt noch einmal im RWE-Turm Essen. Zum Eröffnungstreffen kamen Projektfamilien und  Mischa Kuball diskutierte mit Bernd J. Wieczorek aus dem Beirat der RWE Stiftung über die Rolle der Kultur an der Ruhr und neue Netzwerke im “New Pott”.

Stichwort Netzwerke. Die haben Kuball bei der Arbeit am Projekt, wie er sagt, am stärksten beeindruckt. Internationale Geflechte, die mit den Freunden und Verwandten der interviewten Revierbürger ganz selbstverständlich entstanden sind, die gut funktionieren und sich im Ruhrgebiet dynamisch kreuzen. Wie die Begegnung auf unserem Bild oben illustriert: Maxim, dessen abchasische Mutter Irma als Kunsthistorikerin Theaterprojekte in Essen fördert, erklärt Xin aus der Inneren Monglei sein Interview-Video. Xin ist als Gast der deutsch-niederländischen “New-Pott”-Familie von Abraham van Veen und Jutta Kohn mit in den Turm gekommen und studiert in Bochum. Jetzt stehen beide im Turm-Foyer, finden einander sympathisch und werden sich irgendwann einmal wiedersehen. Man trifft sich ja immer zweimal. So klein kann die Welt sein.

Was für eine übergeordnete Idee er denn verfolgt hat, möchte Moderatorin Christiane Hoffmans von Mischa Kuball wissen. Einmal mehr reagiert der weltweit gefragte Düsseldorfer Licht- und Installationskünstler mit der großen Gabe, die eigenen Themen sehr beredt und nahezu nahtlos in den Glanz großer Zusammenhänge zu rücken. Kuball:  “New Pott hilft uns, diese bunte Welt als etwas Selbstverständliches zu akzeptieren. Es ist der Beweis, dass das Thema Migration weit mehr Dimensionen beinhaltet, als der oft oberflächliche mediale Umgang mit dem Thema suggeriert.”

“Das Ding leuchtet und über das Projekt kommt die Energie all dieser Familien zum Ausdruck”, da sind sich Mischa Kuball und Bernd J. Wieczorek vom Stiftungs-Beirat einig. Außerdem ist Bernd J. Wieczorek  sicher: “Kultur und deren Förderung können ganz entscheidende Standortfaktoren sein. Da wird der Kultur keinesfalls zuviel aufgebürdet. Wir können uns doch nur über die Kultur fortbilden und weiter entwickeln. Kultur ist unser Lebenselixir. Alles andere ist austauschbar.”

Zu empfehlen bliebe da nur noch das hervorragenden Buch zum Projekt. Mit einem kantigen Vorwort von Herausgeber Harald Welzer, das prima zur aktuellen Diskussion über die Nachhaltigkeit des vergangenen Kulturhauptstadtjahrs 2010 passt. Welzer schreibt: “Der ( Pott)  hat sich gerade als Kulturhauptstadt inszeniert und sich dabei als ein ‘Neues’ imaginiert . . . Das wirklich Neue ist natürlich nicht der modernisierte Kumpel und seine handfeste Frau, die vermeintliche Herzlichkeit und Herberts Hymne . . . Das Neue sind die Anderen, die ein Büdchen gepachtet haben, im Restaurant bedienen,  Zahnärzte sind oder Managerin und die den lebendigen ‘New Pott’ bilden, den wirklich modernen Teil des Ruhrgebiets. ”

Und dann war da noch das kleine Schlusswort vom Künstler persönlich. Er kennt Einwanderer, berichtet Kuball, die es auch in Berlin versucht haben, aber wegen der offenen Atmosphäre wieder zurückgekommen sind in die neue Heimat Ruhrgebiet: “Sie fühlen sich hier einfach besser . . .”

“New Pott – Neue Heimat im Revier” ist mit  700 Seiten bislang nur in einer kleinen Auflage von Christoph Keller beim JRP|Ringier Kunstverlag Zürich erschienen. Kuballs Vorwort finden Sie hier.

Auf 2010LAB.tv sind sämtliche Interviews dokumentiert.

Und hier die Bilder aus dem RWE Turm in Essen:

Mischa Kuballs Lichter . . .

. . . auf dem Äquator graviert mit dem lateinischen Bibelzitat:  „LUX VENIT IN MUNDUM ET DILEXERUNT HOMINES MAGIS TENEBRAS QUAM LUCEM.“ – „Das Licht kam in die Welt, aber die Menschen liebten die Dunkelheit mehr als das Licht.”

 

Jutta van Veen (Niederlande) vor ihrem Interview-Video mit Sohn Michael und Gästen aus China.

Diskutierte mit Mischa Kuball und Dr. Christiane Hoffmans über Kulturförderung und Standortfaktoren: Bernd J. Wieczorek aus dem Beirat der RWE Stiftung.

Blick in den RWE Turm

Prof. Ute Eskildsen, Leiterin der Fotografischen Sammlung des Museums Folkwang

Egbert Trogemann, Video- und Fotograf des “New-Pott”-Projekts

Mischa Kuball

Fotos: Frank Vinken

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Frank Vinken am 12. Dezember 2011 in Kultur