“Sensationelle Kunstausstellung in Berlin” schreibt die BILD und auch den “Tagesthemen” war sie gestern Abend einen Bericht wert: ART and PRESS, eine neue Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin. Sie hält der Presse den Spiegel vor und profitiert zugleich von ihr. BILD ist Medienpartner und wird die Werke der Ausstellung über vier Wochen lang auf einer ganzen Seite vorstellen. BILD-Chef Kai Diekmann sieht darin eine Chance, den 11 Millionen Lesern von “Deutschlands reichweiten stärkster Zeitung” die zeitgenössische Kunst näher zu bringen. Eine tolle Werbung für die Kunst, ein bildungspolitisches Experiment, so die Einen – eine Vereinnahmung, ein PR-Gag, finden Andere. Doch das Experiment kann gelingen, wenn alle Beteiligten offen zusammenarbeiten. Dafür will sich auch Peter Iden einsetzen – Mitglied des künstlerischen Beirats, der das Ausstellungskonzept entwickelte und einer derjenigen, die es vor sich haben, die Sprache der Kunst nicht in die Sprache des Boulevards zu übersetzen. Wir sind gespannt, denn RWE ist Hauptsponsor der Ausstellung und damit Teil des Experiments.
Doch über Kunst soll man nicht lesen, man muss sie sehen. Und dazu war gestern Abend erstmals Gelegenheit. 56 Künstler haben einen Beitrag zu ART and PRESS geleistet – teilweise wurden dafür eigens Werke neu erstellt. Darunter die eindrucksvolle Installation alter Druckmaschinen von Anselm Kiefer, in deren Mitte gestern die feierliche Eröffnung stattfand.

Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien und RWE-Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Großmann fanden ihren Bezug zum Thema im Kontext der “Freiheit der Kunst” und der “Freiheit der Presse”, die vor allem in den Werken von Ai Weiwei und Farhad Moshiri zum Ausdruck kam. In Gesellschaften, in denen nur eine Wahrheit gilt, sei es um die Freiheit der Presse und die Freiheit der Kunst nie gut bestellt, so Großmann. Die Vielfalt der Meinungen und die Möglichkeit diese auch artikulieren zu können, sei ein hohes Gut. Kai Diekmann reflektierte die Zeitung als Teil der Alltagskultur, die immer im Spannungsfeld zwischen Wahrheit und Wirklichkeit steht und der Philosoph Peter Sloterdijk reflektierte in seinem Festvortrag insbesondere die Wahrnehmung der Kunst und ihre ästhetischen Spielregeln.
Kurator und Veranstalter Walter Smerling, Stiftung Kunst und Kultur Bonn, freute sich über mehr als 900 Besucher, darunter viele Künstler und Prominente.

- RWE CEO Jürgen Großmann, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Kurator Walter Smerling (v.l.)

- Gilbert & George

Ab heute ist die Ausstellung für alle geöffnet. Bis zum 24. Juni 2012 besteht die Möglichkeit einige spannende Begleitveranstaltungen zu besuchen. Die erste Lesung und Filmvorführung mit der Künstlerin Marlene Dumas findet bereits heute, 23. März, um 17 Uhr statt. Weitere Gesprächsrunden und Vorträge folgen. www.artandpress.de
Das Verhältnis von Kunst und Zeitung zu reflektieren ist auch Ausgangspunkt für ein interessantes Vermittlungsprogramm, das von der RWE Stiftung gefördert wird. Es richtet sich an Kinder, Jugendliche und Studenten und soll die Fähigkeit zum Lesen und Erfassen von Bildaussagen schulen sowie Erkenntnisse darüber vermitteln, wie sich Bild und Text gegenseitig beeinflussen. “Damit werden Alltagskompetenzen gestärkt, die eine wichtige Funktion im schulischen und sozialen Kontext haben”, so Dr. Stephan Muschick, Geschäftsführer der RWE Stiftung. Um möglichst vielen den Zugang zum Angebot zu ermöglichen sind die ersten 100 Workshops sogar kostenlos. www.gropiusbau.de

Die Ausstellung ART and PRESS geht mit der Zeit: Ab Montag, dem 26. März, bietet ein App für iPhone und Android Hintergrundinformationen und Einblicke in digitaler Form. Interessierte können einen Audioguide, Interviews mit Künstlern und Mitwirkenden der Ausstellung sowie das Rahmenprogramm herunterladen. Den klassischen Katalog gibt es natürlich auch noch. Ein umfangreicher Bildband mit Fachtexten von Götz Adriani, Peter Iden und Heiner Bastian uvm. – erschienen im Wienand Verlag.
Wer jetzt Lust hat, nach der Wahrheit zu suchen, wird hier in Berlin nicht die eine Wahrheit finden, aber viele. Und das ist auch gut so.

Alle Bilder: David Ausserhofer, www.ausserhofer.de
Daniela Berglehn am 23. März 2012 in Allgemeines, Kultur