Bronnbacher Stipendium: Im besten Fall entsteht eine Sehnsucht nach Kunst

Am 9. Mai 2012 fand an der Ruhr-Universität Bochum die Abschlussfeier des 5 Jahrgangs des von der RWE Stiftung geförderten Bronnbacher Stipendiums statt. Das Programm ermöglicht den Stipendiaten ein Jahr lang einen intensiven Einblick in zeitgenössische Kunst. Als Stipendiaten ausgewählt wurden Studierende und Promovierende aus verschiedensten fachlichen Disziplinen. Das Besondere daran: von der Wirtschaftswissenschaft über die Medizin bis hin zur Chemie handelt es sich dabei gerade um „kunstferne“ Fächer. Im Laufe der vierzehn Abend- und Wochenendveranstaltungen begegneten sie Künstlern und Kulturschaffenden, setzten sich mit einzelnen Werken und spezifischen Positionen auseinander und nahmen auch selbst aktiv an künstlerischen Workshops teil.
Das fünfjährige Bestehen des Stipendiums ist Anlass genug einmal nachzufragen. Beim Kurator Dr. Sven Sappelt, der das Stipendium an der Ruhr-Universität Bochum aufgebaut hat und bis heute leitet. Und bei den ehemaligen Stipendiaten. Was passiert, wenn „Fachfremde“ auf zeitgenössische Kunst treffen?

5 Jahre Bronnbacher Stipendium sind eine lange Zeit und viele Erfahrungen. Was waren aus deiner Sicht die Highlights des Programms?

Sven Sappelt: Im Laufe von fünf Jahren kommen natürlich etliche Veranstaltungen zusammen. Wir haben Kulturmetropolen wie Berlin, Wien, Paris, Istanbul und Stockholm besucht; mit eindrucksvollen Persönlichkeiten wie Nele Hertling, Heiner Goebbels und Matthias Lilienthal gesprochen und mit jüngeren Künstlern wie Doris Dziersk, Herbordt & Mohren, Maxi Obexer, FÖN und Jan Wagner zusammengearbeitet. Da fällt es schwer, einzelnes besonders hervorzuheben.

Du arbeitest mit Studierenden und Promovierenden aus verschiedenen Fachbereichen. Wie ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit?

Sven Sappelt: Zunächst einmal versuche ich die Stipendiaten gar nicht als Studierende zu sehen, sondern als Menschen mit individuellen Biografien und besonderen Begabungen. Das schafft schon einmal viele Gemeinsamkeiten. Dass sie sich um eine Teilnahme an dem Programm bewerben müssen, gewährleistet, dass sie freiwillig kommen und wirklich etwas wissen möchten. Für mich bedeutet das wiederum, dass ich auch etwas bieten muss, da sie ansonsten einfach wegbleiben. Dieses gegenseitige Interesse ist eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Stipendiaten-Statement Nr. 1

Während des Bronnbacher Stipendiums lernten wir eine Reihe von intelligenten und kreativen Köpfen kennen, sowohl unter den Mitstipendiaten als auch unter unseren Gesprächspartnern bei den wöchentlichen Exkursionen. Das alles gab mir viele Denkanstöße mit und zeigte mir, wie ich in gewissen Situationen das Beste aus mir raushole. Seit dem Bronnbacher Stipendium bin ich sensibler für kulturelle und politische Themen und habe eine Meinung zu Themen, denen ich früher gleichgültig oder unwissend gegenüber stand. Außerdem nehme ich aktiver am kulturellen Leben meiner Stadt teil und bin motivierter mich sozial zu engagieren. Nicht zuletzt lernte gute Freunde fürs Leben kennen.

Kerstin Poggemann (26); 3. Bronnbacher Jahrgang; Studiengang: Humanmedizin; berufliche Tätigkeit: Assistenzärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin

Grenzen überschreiten

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Sarah Meyer-Dietrich am 14. Mai 2012 in Bildung, Kultur

bilnos – Lehrer-Förderung, die Schülern hilft

Im ersten Moment klingt es paradox: Warum sollte sich ein soziales Förderprojekt um Lehrer kümmern, wenn doch eigentlich die Schulkinder im Fokus des Interesses stehen?

„bilnos“, das Projekt zur „Bildungs- und Lernberatung im nördlichen Osnabrücker Land“ (daher auch der Kunstname als Abkürzung) gibt die Antwort. Weil Lehrerförderung natürlich indirekt eine ganz wertvolle Form der Schülerförderung ist. Weil nur Lehrkräfte, die sich bewusst sind, wie man unterschiedlicher leistungsstarke Schüler individuell unterstützt, dies auch im Schulalltag tun können. Und weil gut ausgebildete Lehrer damit das Fundament eines Bildungssystems sind, in dem auch intellektuell oder sozial benachteiligte Kinder Aufstiegschancen haben.

Ein Videoteam hat sich daher im Osnabrücker Land genau diese Facette von bilnos genauer angeschaut. Wie schafft es das Projekt, die Lehrer fit zu machen? Siegfried Leicht, Vorsitzender des Bildungsfonds e.V.  als Träger von bilnos, und Thomas Nachtwey vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft standen der Video-Crew Rede und Antwort. Sehen Sie selbst:


Sie wollen mehr über das von der RWE Stiftung seit 2011 geförderte Programm erfahren? Weitere Infos finden Sie hier auf der Website oder bei uns im Blog, wo wir neulich schon ausführlich über bilnos berichtet haben.

Uns interessiert Ihre Meinung: Müssen Lehrer in Deutschland in Sachen Individualförderung mehr Unterstützung/mehr Input erhalten? Oder könnte man das Geld sinnvoller einsetzen?

 

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Redaktion am 10. April 2012 in Bildung

TAFF – Eltern machen sich stark für ihre Familie

Die TAFF-Elternkurse gehören zu den ganz besonderen Angeboten der AWO-Familienbildung in Essen. TAFF steht für „Training, Anleitung, Förderung von und für Familien”. Was das genau bedeutet, hat uns Beate Lamm aus der Sicht einer pädagogischen Mitarbeiterin im Projekt geschildert:

Beate Lamm

„Die Eltern, die es nötig haben, kommen doch nicht“ – dieser Satz ist immer wieder zu hören und meint, dass, obwohl Fachleute viele tolle Angebote entwickelt haben, genau die Eltern, die es anscheinend „so nötig haben“, diese nicht in Anspruch nehmen.
Aber wer ist damit gemeint, mit den Eltern, „die es nötig“ haben? Häufig jene, die augenscheinlich Probleme mit ihren Kindern haben, die sich in belastenden Lebenssituationen und Schwierigkeiten befinden, wie Trennung, Arbeitslosigkeit und Armut.

Die Erziehung in der Familie, also da, wo es um die Beziehung zwischen Mutter, Vater und Kind geht, ist mit das Intimste im Leben. Wer lässt sich da gerne hinein schauen? Wer macht gerne öffentlich, was so vertraut und privat ist, auch wenn es nicht zur Zufriedenheit aller ist? Wenn es manchmal hakt, Eltern sich fürchterlich ärgern, Kinder bocken und die Beziehung durch starke Gefühle erschüttert wird. Und da, wo starke Gefühle im Spiel sind, geht ‘was ab, ist Reibung, da entstehen Konflikte und Auseinandersetzungen. Keine Frage, genau hier wäre Begleitung und Beratung hilfreich. Doch wem geht es nicht so? Begleitung ist für alle Menschen hilfreich und kann Entwicklung fördern. Denn: „Im Konflikt liegt die Chance zur positiven Entwicklung“ und „Der Mensch kennt die Lösung seines Problems, er weiß nur nicht, dass er sie kennt.“ (Milton H. Erickson).
Und da beißt sich die Katze in den Schwanz . . . um Hilfe zu holen, wirkliche Hilfe, um die Beziehungen in der Familie zu stärken, bedarf es der Öffnung nach außen. Dies ist eine Fähigkeit, die entwickelt werden will und die nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann. Sätze wie „die hätten es aber nötig“, oder „wieso kommen Mütter und Väter nicht, die es überhaupt nicht auf die Reihe bekommen“, wirken wie Ohrfeigen und ermuntern wenig, z.B. einen Elternkurs zu besuchen.
Damit die Einladung zum Elternkurs nicht als Hinweis verstanden wird, dass Eltern es nötig haben, das RICHTIGE Elternverhalten zu lernen, ist eine einladende Haltung maßgebend und genau hier setzt TAFF an: Es geht nicht darum, ein Ziel zu erreichen, wie beispielsweise den Bildungsabschluss des Kindes. TAFF bildet vielmehr durch Gespräche und den direkten Austausch zwischen Menschen, die sich erst einmal als Frau, als Mann begegnen. Menschen, die über ihre Lebenssituationen Ähnlichkeiten und Verschiedenartigkeiten erkennen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden, die neugierig aufeinander werden und gemeinsam Handlungsstrategien für ihr eigenes Wohlergehen und das ihrer Familie entwickeln.
Hier wird ganz deutlich, es geht nicht um ein enges Verständnis von Lernen, sondern um ein in Beziehung treten. TAFF hilft, mit Eltern einen wirklichen Dialog zu führen, ihnen mit Respekt zu begegnen in dem Bewusstsein, dass sie grundsätzlich das Beste für ihre Kinder wollen. TAFF spricht ganz sensibel Eltern an, denn alle Eltern haben ein Recht auf Unterstützung bei der Erziehung ihrer Kinder.
Wenn Eltern auf diese Art in ihrem Selbstverständnis und in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden, dann werden sie sicherer in ihren Beziehungen und auch in ihrer Erziehung. Und das gilt für alle und nicht nur für die, die es angeblich „so nötig haben”.

Soweit Beate Lamm zu TAFF. Auf der Suche nach Bildern für diesen Beitrag haben wir eine Reportage über den TAFF-Elternkurs im Mai 2011 in der Emscherschule im Essener Norden gefunden.

Szenen einer „Familienbildung”:

Fotos: Frank Vinken | dwb

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Frank Vinken am 06. März 2012 in Soziales

Soziale Energie

Kultur elektrisiert – das war der einprägsame Slogan der RWE AG im Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010. Auf den dazugehörigen Plakaten konnte man sehen, wie den von Kultur Elektrisierten die Haare vom Kopf standen.

In meinem letzten Beitrag ging es unter anderem darum, wie Musik elektrisieren, wie sie unter Strom setzen, welche Energieflüsse sie auslösen kann. Gemeint war dabei nicht unbedingt, dass man beim Griff nach der E-Gitarre Gefahr läuft, sich einen Stromschlag einzufangen (auch wenn es Menschen zu geben scheint, die dieses Problem haben). Fazit war jedenfalls, dass Musik ziemlich viel mit Energie zu tun hat – uns in Bewegung versetzt, äußerlich wie innerlich.

Anders verhält es sich bei einer anderen Kultursparte, könnte man meinen: der Literatur. Wer einen versunkenen Leser übers Buch gebeugt sitzen sieht, mag denken, dass das recht wenig mit Energie zu hat – abgesehen davon vielleicht, dass die elektrische Energie das Rezeptionsverhalten des Lesers nicht unbeeinflusst gelassen hat: Ob das E-Book die traditionellen Printerzeugnisse wirklich zu verdrängen vermag, wird man zwar erst in Jahrzehnten zu sagen vermögen. Aber versuchen Sie doch bitte mal, ohne Taschenlampe heimlich unter der Bettdecke zu lesen!
Fernab von diesem durch elektrische Energie veränderten Rezeptionsverhalten mag in dem still und versunken dasitzenden Leser aber wesentlich mehr passieren als von außen sichtbar. Nicht immer müssen sich einem im wortwörtlichen Sinne die Haare sträuben, wenn man unter Strom steht. Was aber kann Literatur im Leser auslösen, welche Energien setzt sie frei? Befragen wir zunächst einmal die Literatur selbst:

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Sarah Meyer-Dietrich am 02. März 2012 in Allgemeines, Bildung, Kultur, Soziales

Viel erreicht, wenig gewonnen!

Einen “realistischen Blick auf das Ruhrgebiet” verspricht das druckfrische Buch  ”Viel erreicht, wenig gewonnen” aus dem Klartext-Verlag. Vier Bochumer Professoren haben sich zusammengetan und tatsächlich: Hier wird aufgeräumt mit den immer gleichen Worthülsen (“Strukturwandel”), hier werden die Defizite und offenen Wunden, die jeder kennt, der einmal im Regionalexpress von Essen nach Recklinghausen gefahren ist, geradeaus benannt. Da ist wenig “Phönix flieg” – wie ein anderes, vor rund einem Jahr erschienenes Buch und eine Tagung im Dezember selbstbewusst, aber auch etwas trotzig forderte. Da sind, mit Verlaub, eine Menge Probleme.

Dass Bodo Hombach, der spiritus rector der “Phönix-Bewegung”, nun selbst das neue Klartext-Buch, das man durchaus als Antithese zu allzu viel deklamatorischem Optimismus auffassen könnte, präsentierte, spricht für seine menschliche Große. Und es spricht für einen neuen Realismus im Revier. Viele sind die Worthülsen (noch so eine: “Metropole Ruhr”) Leid, die Sprünge immer neuer Tiger, die dann doch als Bettvorleger landen, die immer neuen Säue, die durch die Dörfer gejagt werden, die Mischung aus Larmoyanz und der wahnwitzigen Vorstellung, man sei der Nabel der Welt, die Absurditäten des Mit- oder Gegeneinanders im Ruhrgebiet. Neuer Realismus hält Einzug, vielleicht ein Stück neue Ehrlichkeit.

Auf den ersten Blick irritiert es da, dass die Kultur, an der im Ruhr.2010-Jahr das Revier noch genesen sollte, in dem 178 Seiten starken Buch nur auf sechs Seiten abgehandelt wird, und dann noch unauflösbar verquickt mit einer auch nach dem Kulturhauptstadtjahr schwer greifbaren “Kreativwirtschaft”. Das mag tatsächlich ein Defizit des Buches sein. Auf der Pressekonferenz wurde dann aber klar: Gerade im Kulturbereich zeigt sich exemplarisch, dass viel erreicht und mancherorts tatsächlich wenig gewonnen wurde. Ein millionenschweres Konzerthaus in Bochum? Kann man zumindest hinterfragen. Ruhrkunstmuseen? Ein schöner Ansatz, von dem hoffentlich mehr übrig bleibt als PR-Aktionen. Schließungs- und Kürzungsdebatten allerorten. Leere Kassen.

Für uns Stiftungen, aber auch für jedes fördernde Unternehmen entsteht so eine schwierige Situation. Denn wenn der Ruf nach Vielfalt zu Unübersichtlichkeit und Fürstentum-Denken führt, wenn privates Geld nur dazu gebraucht wird, Löcher in Luftschlössern zu stopfen, nervt das nicht nur die potenziellen privaten Geldgeber, sondern am Ende verlieren auch die Kulturinstitutionen – und das Ruhrgebiet. Wohlgemerkt: Es geht nicht um Einheitsbrei und ausgedünnte Strukturen. Vielmehr geht es auch hier – wie in der gesamten Ruhrgebietsdebatte – um mehr Realismus, um arbeitsfähige Strukturen, um die Einsicht, dass man jeden Euro nur einmal ausgeben kann. Arbeitsteilung – oder wie es die Buchautoren nennen: “funktionale Differenzierung” – sollte kein Unwort sein.

Das ist übrigens in der Bildung nicht anders. Hier gibt es allerdings vielversprechende Beispiele von Allianzen, ohne Qualität und Vielfalt zu gefährden. Vielleicht ist die Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) tatsächlich mehr als ein Wortungetüm. Das KWI jedenfalls hat sich als Zusammenschluss aller drei Ruhrgebietsuniversitäten überregionale Akzeptanz erarbeitet.

Die Debatte über die Zukunft unserer Region ist also längst nicht beendet. Um nochmal auf das Buch zurückzukommen: Vieles wurde richtig angesprochen, wenig wurde ausgelassen. Manches aber doch. Von der Kultur-Lücke war schon die Rede. Auch die Frage nach der Rolle der industriellen Basis sparen die Autoren weitgehend aus. Dazu wiederum hatten die Phönix-Autoren einiges gesagt.

Abb.: Klartext Verlag

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smu am 14. Februar 2012 in Allgemeines, Bildung, Kultur

Wirtschaft und Energie – zwei Bildungslücken an unseren Schulen

Eine Frage an Sie: Was das ist?

New Economy, Dot.com-Aktien, Börsenhype.
***
Euro-Pleite, Rettungsschirm, Banken-Krise.

Diese zwei mal drei Begriffe sind die Schlagworte, unter denen viele von uns das ökonomische Geschehen in den Jahren 2001 beziehungsweise 2011 subsumieren. Ein Jahrzehnt liegt nur dazwischen. Geblieben vom Aktienboom zur Jahrtausendwende und dem anschließenden Niedergang sind aber nur ein paar wenige Kernbegriffe (die zudem noch viel zu kurz greifen). Werden wir in zehn Jahren von der aktuellen Misslage auch nur noch drei Schlagworte im Kopf haben?

Folgt man dem, was Autorin Lisa Becker gestern in der „FAZ“ geschrieben hat, ist das zu befürchten: „Wer wenig weiß, muss viel glauben“ heißt ihr Kommentar zu wirtschaftlicher Bildung in der Schule. Ökonomie sei dort jahrzehntelang vernachlässigt worden und wenn, dann nur von Lehrern unterrichtet worden, deren Wirtschaftswissen sehr überschaubar sei. „Diese Situation ist nicht hinnehmbar (…). Wirtschaft muss an den allgemeinbildenden Schulen ein verpflichtendes Fach werden, das von gut ausgebildeten Lehrern unterrichtet wird“, schreibt Becker. Es gehe um die Erziehung der Kinder zu mündigen Bürgern, gerade mit Blick auf politische Entscheidungsfähigkeit. Denn Politik sei in den vergangenen Jahren hauptsächlich Wirtschaftspolitik gewesen: „Doch wie will sich ein Bürger, der kaum etwas von Wirtschaft versteht, zu weitreichenden, auch ihn betreffenden Entscheidungen, die derzeit getroffen werden – zum Beispiel zum Umfang des dauerhaften Krisenfonds ESM (…) -, positionieren, wenn er die Grundzüge der Finanz- und Geldpolitik nicht kennt?“

Wieso wir das Thema hier im Blog aufgreifen? Weil wir bei Energie-Bildung, die ja eines unserer wichtigen Anliegen ist, ein ähnliches Dilemma sehen: Erste Ergebnisse der Energiebildungsstudie , die das Leibniz-Institut  für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik (IPN)  zurzeit für unsere Stiftung durchführt, deuten darauf hin: Schüler setzen sich mit entscheidenden Energiefragen, die die Welt zurzeit umtreiben, kaum auseinander. Und zwar, weil sie die Themen in der Schule nicht umfänglich vermittelt bekommen. „Wer wenig weiß, muss viel glauben“ gilt insofern auch in hier: Wer sich mit dem Wandel hin zu regenerativen Energien, mit Fragen moderner Mobilität oder mit den Pros und Contras konventioneller Kraftwerke nicht auskennt, dem fehlt ein essentieller Teil moderner Bildung.

Entscheidend ist dabei allerdings, dass Energie nicht nur unter naturwissenschaftlich-technischen Aspekten vermittelt wird, sondern auch Einzug hält in den Ethik-, Erdkunde-, Politik-, sowie (sofern vorhanden) in den Wirtschaftsunterricht.

Im Forum der FAZ hat sich derweil eine kritische Bildungs-Diskussion entspannt: „Eher wird den Schülern heute eingeredet, die Wirtschaft sei schlecht und böse“, kritisiert ein Leser. Und ein anderer fordert: „Wirtschaftsunterricht sollte mehr, als “BWL-light” sein“. Es fehle „Schülern wie Lehrern (!) meist schon am Vorstellungsvermögen darüber, wie sich die wirtschaftliche Realität eines Handwerkers oder Kaufmanns darstellt.“

Unsere Frage an Sie analog dazu hier im Blog: Wie stehen Sie zum Thema Energie? Sollten sich Kinder und Jugendlichen intensiver damit auseinander setzen? Braucht es Energiebildung gar als Schulfach? Oder ist die Bildungslücke lässlich oder aber die Fragestellungen für Schüler vielleicht sogar zu komplex? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

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Redaktion am 01. Februar 2012 in Allgemeines, Bildung

“. . . als würde man die Brennstäbe verkaufen, um das Kraftwerk zu sanieren”

„ . . . als würde man die Brennstäbe verkaufen, um das Kraftwerk zu sanieren.“ Mit diesem Bild beschrieb heute der Direktor des Museum Folkwang, Hartwig Fischer, die Überlegungen Bochumer Lokalpolitiker, für die Haushaltssanierung der Stadt das dortige Museum zu schließen. Gemeinsam mit seinem Dortmunder Kollegen Prof. Dr. Kurt Wettengel (Museum Ostwall im U) und dem Bochumer Museumsdirektor Dr. Hans Günter Golinski nahm Fischer auf einer Pressekonferenz in Essen für die RuhrKunstMuseen zu den Sparplänen Stellung.

von links: Prof. Dr. Kurt Wettengel, Hartwig Fischer, Dr. Hans Günter Golinski

Und zwar mit deutlichen Worten. Hartwig Fischer: „Damit wird man keinen Haushalt sanieren aber zweifellos die Anziehungskraft der Region verringern. Das wäre ein nachhaltiger Schaden, den wir mit Nachdruck ablehnen. Wir müssen uns gegen diesen Versuch eines schleichenden Kulturabbaus mit der größten Solidarität zur Wehr setzten. Es geht um das, was diese Region erst lebenswert macht.“
Dazu betonte der RuhrKunstMuseen-Sprecher Prof. Wettengel sein Unverständnis, dass diese Diskussion geführt werde, nachdem sich die Ruhr-Museen zum Besuchermagneten und zu einem Netzwerk von ganz besonderer Stärke entwickelt haben: „Wir werden bis 2014 aus Landes- und EU-Mitteln  mit 800.000 Euro gefördert und arbeiten zur Zeit mit der Ruhr Tourismus GmbH an neuen und nachhaltigen Marketing-Konzepten.“

Professor Kurt Wettengel, Sprecher der RuhrKunstMuseen

In der Tat haben die RuhrKunstMuseen im Kulturhauptstadtjahr Zehntausende Besucher und vor allem Kinder und Jugendliche aus allen Schulformen mit den „Collection Tours“ regelrecht begeistert. Die Busreisen zu den Sammlungen und Museen an der Ruhr gehörten  zu den gefragtesten 2010-Projekten. Mit fachkundigen Führerinnen und Führern, die ihre Gäste schon während der Fahrt mit Lunchpaket und liebevoll aufbereiteter Information für die Kunstlandschaft Ruhrgebiet zu faszinieren wussten.
Der Bochumer Museumsdirektor Hans Günter Golinski selber sieht entscheidende Kernaufgaben seines Hauses in Gefahr:  Die museumspädagogische Arbeit mit Kindern und die Förderung der „visuellen Mündigkeit“. „Wir waren und sind ein Bürgermuseum mit einem pädagogischen Auftrag und keine  freizeitindustrielle Massenveranstaltung“, erläuterte Golinski, der nichts von Zahlenspielen hält und zudem die ökonomische Stromlinie als Maßstab strikt ablehnt: „Kinder und Jugendliche haben ohnehin freien Eintritt und viel wichtiger als die Quantität der Besuche ist in einem Museum deren Qualität“.

Das Podium im Museum Fokwang

 

Professor Ute Eskildsen, Leiterin der Fotografischen Sammlung im Gespräch mit Journalisten

Noch eine Notiz zu den Stichwörtern Quantität und Qualität. Am 31. Oktober 2010 hat dazu im Museum Bochum alle gepasst. Das folgende Archivbild aus dem RWE-Blog “energiekultur.de” zeigt die Eröffnung der Ausstellung “Out of the Office” mit 83 Kunstwerken aus den Räumen von 29 Ruhrgebiets-Unternehmen. Da waren nicht nur die 2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen (am Pult) und Prof. Oliver Scheytt dabei, sondern auch die beiden ersten Stipendiaten des Visit-Programms der RWE-Stiftung, Sebastian Mölleken aus Oberhausen und Joana Deltuvaite aus Vilnius in Litauen.

Fotos: Frank Vinken | dwb

 

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Frank Vinken am 25. Januar 2012 in Allgemeines, Kultur

Akzeptanz für Technik braucht mehr als technisches Verständnis

Weihnachtszeit – Lesezeit. Das Herze lacht, wenn die Stapel aus Büchern und herausgerissenen Zeitungsseiten immer kleiner werden. Darunter: Ein Interview mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in der FAZ vom 22. Dezember 2011, der sich ja bekanntlich nicht nur mit großtechnischen Lösungen wie der Deutschen Bahn herumschlägt, sondern auch ein ganz passabler Pianist ist. Thema: Akzeptanz für Industrieprojekte und die damit verbundenen Bauvorhaben. Tenor: “Es gibt kein Industrieland ohne Nebenwirkungen.” Und das bezieht der Minister ganz ausdrücklich nicht nur auf die Bahn, sondern auch auf den Energiesektor: “Ohne Energie und ohne Verkehr gibt es keine Investitionen und keine Arbeitsplätze.”

Wie nun soll die viel beschworene Energiewende bewältigt werden? Mal abgesehen von Finanzierungsfragen: Ohne Eingriffe in die Natur, ohne sichtbare industrielle Bauten, ohne jedwede Nebenwirkung wird es nicht gehen. Aber: Sensibilität ist gefragt, und die legt der Minister durchaus an den Tag: “Aber wir müssen gleichzeitig das bewahren, was ein Gleichgewicht zu diesen Belastungen bildet: unsere Lebensqualität und Kulturlandschaften.”

Das klingt, als hätte der Mann die Programmatik der RWE Stiftung gelesen: Technik ja, naturwissenschaftliche und technische Kenntnisse: unbedingt, Innovationen: ja, bitte – aber ohne ein gesellschaftliches (und möglicherweise kulturelles und psychologisches) Verständnis dieser Dinge geht es nicht. Hier setzen wir an. Hier wollen wir, dass (junge) Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Und dabei muss man nicht so weit gehen wie der Autor Uwe Schneidwind vom Wuppertal-Institut in seinem Zeit-Artikel. Sein Tenor ist nämlich (ein wenig erinnert das an einen Ausspruch Sarrazins aus seiner Zeit als Berliner Finanzsenator): nicht die Klimaanlage soll es richten, sondern die Lockerung des Dresscodes in Richtung warmer Pulli. Nicht technische, sondern soziale Innovation. Auch das ist aber aus meiner Sicht zu kurz gesprungen.

Immerhin: Ein Ausgangspunkt für Diskussionen und “energiegeladene”, überraschende Begegnungen ist das allemal. Und im Bildungsbereich – beginnend in der Vorschule, aber vor allem in der Schule liegt der Schlüssel: für ein Denken, das auf soliden Kenntnissen basiert, das aber keine Scheuklappen und Berührungsängste kennt. Das zu klaren Urteilen kommt. Pulli an, Pulli aus – das ist nicht die Frage. Es geht um die Frage, wie wir morgen leben wollen. Ohne Energie – geht’s nicht.

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smu am 06. Januar 2012 in Allgemeines, Bildung

Unsere Highlights des Jahres

Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende – auch für uns bei der RWE Stiftung: Wir wollen hier gewiss kein Ranking unserer Projekte vornehmen, aber diese drei verdienen es, dass wir sie nochmals kurz in Erinnerung rufen:

TAFF – „Die Eltern sind der Schlüssel“

Wie man benachteiligten Kindern am besten hilft, darüber streiten Regierung und Opposition seit langem. Über eines sind sie sich aber alle einig: Wer Kinder fördern will, muss die Eltern in den Blick nehmen. Dass das gelingt, zeigt das Beispiel „TAFF“, ein Projekt der Arbeiterwohlfahrt, das von der RWE Stiftung seit 2010 unterstützt wird.

Erfolg hat, wer Ausdauer besitzt: Das gilt beim Tauziehen wie beim Thema Bildungsarbeit

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Redaktion am 30. Dezember 2011 in Bildung, Kultur, Soziales

Wer soll’s richten? Bildung und Migrationshintergründe.

Vor ein paar Tagen habe ich mich auf Facebook beschwert, dass die FAZ/ FAS nur ausgewählte Beiträge online veröffentlicht. Vielmehr: Das häufig die spannendsten Beiträg zunächst nicht online verfügbar sind. Zunächst – denn zwei, drei Tage später schickte mir unser Freund Thomas Kuta den Link zu – versehen mit einem süffisanten “Smile”.

Heute können Sie also selbst lesen, warum mich der Beitrag - ein Gespräch zwischen einer (“deutschstämmigen” – sagt man wohl so) Lehrerin und drei Eltern mit Migrationshintergrund so beeindruckt hat. Das Spannende: Lehrerin und Eltern geben selbst Einblick in das, wie sie Schule und ihre Kinder als Schüler erleben. Und sie reflektieren darüber, was sie selbst als Eltern tun können, damit aus ihren Kindern mal etwas Anständiges wird. Keine Klischees also, keine Klugscheißerei, keine Patentrezepte. Das wirkliche Leben. Dafür ein Dank an die FAZ! Drei Beispiele sollen zeigen, wie kompliziert das ist – “Bildung mit Migrationshintergrund” – und wie einfach zugleich:

1. Die Lehrerin macht den Vorschlag, dass Eltern ihre Kinder zu Hause laut vorlesen lassen sollen- auf Deutsch natürlich, aus jedem x-beliebigen Schriftstück, das auf dem Küchentisch liegt. Da wirft der türkischstämmige Vater ein: “Wir können aber nicht von den Kindern erwarten, Zeitung oder Bücher zu lesen, wenn die Eltern nicht entsprechend ausgebildet sind. Wir können nicht erwarten, dass das zu Hause passiert.” FAZIT: Die Schule muss ran!

2. Arbeit mit Schülern ist Arbeit mit Eltern. Nur: Ohne Engagement und Einfallsreichtum läuft gar nichts. Sagt der türkischstämmige Vater, der seinen Kumpels Schulthemen im Kaffeehaus unterschiebt. Sagt die Lehrerin, die – obwohl das nicht gern gesehen wird – die Eltern zu Hause aufsucht. Zeitintensiv sei das, weil man die ganze Familiengeschichte kennenlernt – und sinnvoll, weil man ein besseres Verständnis der Lebenssituation der Schüler mitnimmt. Sagt die RWE Stiftung, die gemeinsam mit der Deutschen Kinder und Jugendstiftung das Projekt “Rollberg-Väter” in Berlin-Neukölln unterstützt. FAZIT: Väter in die Schulen (oder Kitas)!

3. Gestern habe ich überlegt, ob das Sprichwort lautet “Leerer Bauch studiert nicht gern” oder “Voller Bauch studiert nicht gern”. Was meinen Sie? Richtig ist auf jeden Fall die Beobachtung unserer Lehrerin: Ob ein Kind Stullen und Äpfel mit in die Schule bekommt oder es sich Chips und Salzstangen am Kiosk kauft, hat nicht nur mit Bildung, sondern auch mit der Frage “Wie wertvoll sind mir meine Kinder?” zu tun. FAZIT: Ein klarer Blick aufs Umfeld ist wichtiger als sinnlose Elternversammlungen. Und er eröffnet viel Spielraum für neue Ideen.

In diesem Sinne viel Glück und Energie im neuen Jahr!

Und zum Schluss noch ein kleiner Spaß zum Thema:

Quelle: Greser & Lenz: Ist Europa noch zu retten?

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smu am 27. Dezember 2011 in Bildung, Soziales