bilnos – Lehrer-Förderung, die Schülern hilft

Im ersten Moment klingt es paradox: Warum sollte sich ein soziales Förderprojekt um Lehrer kümmern, wenn doch eigentlich die Schulkinder im Fokus des Interesses stehen?

„bilnos“, das Projekt zur „Bildungs- und Lernberatung im nördlichen Osnabrücker Land“ (daher auch der Kunstname als Abkürzung) gibt die Antwort. Weil Lehrerförderung natürlich indirekt eine ganz wertvolle Form der Schülerförderung ist. Weil nur Lehrkräfte, die sich bewusst sind, wie man unterschiedlicher leistungsstarke Schüler individuell unterstützt, dies auch im Schulalltag tun können. Und weil gut ausgebildete Lehrer damit das Fundament eines Bildungssystems sind, in dem auch intellektuell oder sozial benachteiligte Kinder Aufstiegschancen haben.

Ein Videoteam hat sich daher im Osnabrücker Land genau diese Facette von bilnos genauer angeschaut. Wie schafft es das Projekt, die Lehrer fit zu machen? Siegfried Leicht, Vorsitzender des Bildungsfonds e.V.  als Träger von bilnos, und Thomas Nachtwey vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft standen der Video-Crew Rede und Antwort. Sehen Sie selbst:


Sie wollen mehr über das von der RWE Stiftung seit 2011 geförderte Programm erfahren? Weitere Infos finden Sie hier auf der Website oder bei uns im Blog, wo wir neulich schon ausführlich über bilnos berichtet haben.

Uns interessiert Ihre Meinung: Müssen Lehrer in Deutschland in Sachen Individualförderung mehr Unterstützung/mehr Input erhalten? Oder könnte man das Geld sinnvoller einsetzen?

 

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Redaktion am 10. April 2012 in Bildung

Arm, ärmer, Deutschland

Diese Überschrift hat uns vergangene Woche am meisten bedrückt: „Wo Deutschlands ärmste Kinder wohnen“ titelte der Spiegel online. Das Magazin berief sich auf eine sehr aufschlussreiche Studie der Bertelsmann-Stiftung, wonach in manchen Teilen Deutschlands jedes dritte Kleinkind mit seiner Familie von Hartz IV lebt.

Quelle: "Spiegel Online" vom 1. Februar

Erschreckend waren vor allem die regionalen Unterschiede. Wie zu erwarten sind wieder die sozialen Brennpunkte besonders betroffen: In Berlin wächst über ein Drittel (36,3 Prozent – Zahl von 2010) der Unter-Dreijährigen in einer Hartz-IV-Familie auf. In Gelsenkirchen – einer vom Strukturwandel besonders betroffenen Kommune im Ruhrgebiet – sind es sogar 40,4 Prozent. Ganz anders dagegen die Lage in Bayern und Baden-Württemberg: In den reichen Flächenstaaten im Süden ist laut Bertelsmann-Stiftung  nur eines von zehn Kleinkindern auf die staatliche Stütze angewiesen.

Die Studie dämpft die gute Stimmung, die noch Anfang des Jahres bei den Sozialpolitikern herrschte: Da hatte eine Erhebung der Bundesagentur für Arbeit suggeriert, dass sich die Lage der Unterschicht verbessere: Die Zahl der unter 15-Jährigen in Hartz-IV-Familien sei zwischen 2006 und 2011 um eine Viertelmillion gefallen, so die Sozialforscher. Doch auch hier hatten sich schon regionale Unterschiede gezeigt: Besonders stark sei der Rückgang in Bayern gewesen – dem ohnehin wohlhabendsten Bundesland also.
Andere Institutionen hatten daraufhin bereits vor Euphorie gewarnt: Der Kinderschutzbund etwa wies darauf hin, dass der aktuelle Aufschwung offenbar an der Unterschicht vorbei ginge. Zwar sei die Zahl der Arbeitssuchenden zwischen September 2006 und September 2011 insgesamt um gut ein Drittel zurück gegangen, bei erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfängern jedoch betrug der Rückgang nur 16 Prozent. Heißt: Neue Jobs entstehen, aber die Armen profitieren kaum davon.

Was bedeuten diese Ergebnisse für uns bei der RWE Stiftung? Zunächst: Kinder- und Jugend-Förderung in Deutschland ist und bleibt wichtig. Projekte wie „TAFF“, „Lichtpunkte“ oder „bilnos“, über das wir gerade diese Woche hier im Blog geschrieben haben, helfen, dieses Ungleichgewicht zu mindern. Dass „Lichtpunkte“ einen speziellen Fokus unter anderem auf Berlin setzt, ist absolut richtig und entspricht den realen Nöten hierzulande. Denn Deutschland mag als reich gelten – zahlreiche seiner Einwohner und Kinder sind es sicherlich nicht…

Uns interessiert Ihre Sicht: Sollte sich Kinder- und Jugend-Förderung auf die Brennpunkte fokussieren? Oder benachteiligt das andere Regionen? Und wer steht in Sachen Förderung in der Schuld? Der Staat? Die Wirtschaft? Oder wir alle zusammen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

 

 

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Redaktion am 09. Februar 2012 in Bildung, Soziales

Wo Bildungsförderung auch der Wirtschaft hilft

Bildung – das ist doch Sache der Schulen.

Diese Meinung ist leider noch immer vielerorts in Deutschland vertreten.  Mit dem Ergebnis, dass Bildungsgerechtigkeit vielerorts ein Fremdwort ist, weil schulische Ausbildung nie allen gerecht werden kann und weil das Weiterlernen abseits der Schulbank meist ein Privileg der Oberschicht bleibt. Für die, die sich Nachhilfe leisten können (und wollen) und für die, deren Eltern ein Bewusstsein dafür haben, wie wichtig Lernen ist.

Lerngruppe im Rahmen des bilnos-Programms

Wir wollen hier gewiss nicht für Gleichmacherei eintreten oder Bildung sozialisieren, aber Chancengleichheit ist ein wichtiger Wert in einem demokratischen Land. Ein vorbildliches Beispiel, sie zu fördern, erleben wir zurzeit im Raum Osnabrück. Dort haben sich Anfang 2011 einige Gemeinden zusammengeschlossen, um kostenlose außerschulische Lernförderung anzubieten. Die RWE Stiftung und eine Handvoll anderer Stiftungen unterstützen das bis 2013 laufende Projekt mit dem schönen Kunstnamen „bilnos“ („Bildungs- und Lernberatung im nördlichen Osnabrücker Land“. Die Stiftungen tragen fast zwei Drittel der Gesamtkosten von 260.000 Euro.

bilnos ermöglicht es rund hundert Kindern und Jugendlichen, einmal in der Woche in Kleingruppen Lesen, Schreiben und Rechnen zu üben, um den Anschluss in der Schule zu behalten. Der Fokus liegt auf Kindern, deren Eltern das Geld für private Nachhilfe fehlt und Kindern mit Migrationshintergrund (letzte machen ein Drittel der Förderschüler aus).

bilnos versteht sich dabei als ganzheitlicher Unterstützer der Kinder und Jugendlichen. Daher bietet das Netzwerk auch Fortbildungen für Lehrer an, damit diese als wichtige Bezugspersonen der Schüler sicherer werden im Umgang mit Lernschwachen – ein Thema, das viele Pädagogik-Studiengänge verschämt umgehen. 64 Lehrer aus Grundschulen und Sekundarstufen Eins haben diese Fortbildungen im vergangenen Jahr bereits besucht und sich dabei ganz elementaren Fragen gewidmet: Wie erkenne ich überhaupt ein lernschwaches Kind?  Wie kann Förderung früh genug ansetzen und nicht erst, wenn der Rückstand offenkundig wird? Wie gebe ich benachteiligten Kindern Selbstvertrauen?

Das Programm (mehr Infos gibt es hier) kommt bei Kindern und Lehrern sehr gut an – und auch bei den Eltern, die bilnos selbstverständlich mit ins im Boot holt (und damit einen ähnlichen Weg geht wie unsere anderen  Förderprogramme)  Die Fehlzeiten sind – trotz Freiwilligkeit und Kostenfreiheit – gering. Im Februar laufen sogar vier neue Fördergruppen an  – bilnos wächst!


Bildungsgerechtigkeit ist dabei das eine Ziel der Initiative. Das andere lautet, einen qualifizierten Nachwuchs auszubilden angesichts des absehbaren Fachkräftemangels, den der demografische Wandel in Deutschland mit sich bringt. Ein vorbildliches Beispiel also, wie Bildungs- und Wirtschaftsförderung Hand in Hand gehen.

 

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Redaktion am 06. Februar 2012 in Bildung