Vor ein paar Tagen habe ich mich auf Facebook beschwert, dass die FAZ/ FAS nur ausgewählte Beiträge online veröffentlicht. Vielmehr: Das häufig die spannendsten Beiträg zunächst nicht online verfügbar sind. Zunächst – denn zwei, drei Tage später schickte mir unser Freund Thomas Kuta den Link zu – versehen mit einem süffisanten “Smile”.
Heute können Sie also selbst lesen, warum mich der Beitrag - ein Gespräch zwischen einer (“deutschstämmigen” – sagt man wohl so) Lehrerin und drei Eltern mit Migrationshintergrund so beeindruckt hat. Das Spannende: Lehrerin und Eltern geben selbst Einblick in das, wie sie Schule und ihre Kinder als Schüler erleben. Und sie reflektieren darüber, was sie selbst als Eltern tun können, damit aus ihren Kindern mal etwas Anständiges wird. Keine Klischees also, keine Klugscheißerei, keine Patentrezepte. Das wirkliche Leben. Dafür ein Dank an die FAZ! Drei Beispiele sollen zeigen, wie kompliziert das ist – “Bildung mit Migrationshintergrund” – und wie einfach zugleich:
1. Die Lehrerin macht den Vorschlag, dass Eltern ihre Kinder zu Hause laut vorlesen lassen sollen- auf Deutsch natürlich, aus jedem x-beliebigen Schriftstück, das auf dem Küchentisch liegt. Da wirft der türkischstämmige Vater ein: “Wir können aber nicht von den Kindern erwarten, Zeitung oder Bücher zu lesen, wenn die Eltern nicht entsprechend ausgebildet sind. Wir können nicht erwarten, dass das zu Hause passiert.” FAZIT: Die Schule muss ran!
2. Arbeit mit Schülern ist Arbeit mit Eltern. Nur: Ohne Engagement und Einfallsreichtum läuft gar nichts. Sagt der türkischstämmige Vater, der seinen Kumpels Schulthemen im Kaffeehaus unterschiebt. Sagt die Lehrerin, die – obwohl das nicht gern gesehen wird – die Eltern zu Hause aufsucht. Zeitintensiv sei das, weil man die ganze Familiengeschichte kennenlernt – und sinnvoll, weil man ein besseres Verständnis der Lebenssituation der Schüler mitnimmt. Sagt die RWE Stiftung, die gemeinsam mit der Deutschen Kinder und Jugendstiftung das Projekt “Rollberg-Väter” in Berlin-Neukölln unterstützt. FAZIT: Väter in die Schulen (oder Kitas)!
3. Gestern habe ich überlegt, ob das Sprichwort lautet “Leerer Bauch studiert nicht gern” oder “Voller Bauch studiert nicht gern”. Was meinen Sie? Richtig ist auf jeden Fall die Beobachtung unserer Lehrerin: Ob ein Kind Stullen und Äpfel mit in die Schule bekommt oder es sich Chips und Salzstangen am Kiosk kauft, hat nicht nur mit Bildung, sondern auch mit der Frage “Wie wertvoll sind mir meine Kinder?” zu tun. FAZIT: Ein klarer Blick aufs Umfeld ist wichtiger als sinnlose Elternversammlungen. Und er eröffnet viel Spielraum für neue Ideen.
In diesem Sinne viel Glück und Energie im neuen Jahr!
Und zum Schluss noch ein kleiner Spaß zum Thema:

Quelle: Greser & Lenz: Ist Europa noch zu retten?
smu am 27. Dezember 2011 in Bildung, Soziales