„Die Vergangenheit gibt uns Wurzeln, die Gegenwart Energie und die Zukunft gibt uns Flügel.“
Was nach abstrakter Philosophie klingt, ist de facto konkrete Familien-Sozialarbeit. Prof. Birgit Leyendecker, Entwicklungspsychologin an der Uni Bochum, überschrieb mit dem Zitat ihren Vortrag über Bildungs-Ressourcen für Kinder inner- und außerhalb der Familie bei der „TAFF“-Fachtagung. Zu der Veranstaltung, die heute in Essen stattfand, waren Akteure der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe gekommen, für die Eltern-Arbeit eine wichtige Rolle spielt. Denn als Eltern-Bildungsprogramm unterstützt TAFF diese Arbeit, mit dem Ziel, dass die Wertschöpfung dort ankommen, wo sie letztendlich am wertvollsten ist: bei den Kindern.

- „TAFF“ – die Abkürzung steht für „Training, Anleitung, Förderung von und für Familien“
Die Angebote richten sich vor allen an Eltern, die mit familiären und anderen Problemen konfrontiert sind. Ziel des Angebotes ist auch, die interkulturelle Be¬geg-nung zu fördern.
In kostenlosen Kursen (es gibt inzwischen in ganz Deutschland über 200) üben sie in Rollenspielen und Diskussionen neue Verhaltensweisen ein. Sie erfahren, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind. Die Kursleiter gehen auf alltägliche Familienkonflikte ein und entwickeln mit den Eltern Lösungen. Ins Leben gerufen hatte das Programm die Arbeiterwohlfahrt (AWO), wir von der RWE Stiftung sind der finanzielle Förderer.

- Entwicklungspsychologin Prof. Birgit Leyendecker
Das Motto der Tagung entsprach einem der TAFF-Kerngedanken, nämlich „Wertschöpfung durch Wertschätzung“. Wie dieses Wertschätzung zur positiven Entwicklung von Kindern beitragen kann, erläuterte Leyendecker: Da Eltern in schwierigen Lebenssituationen von „normalen“ Unterstützungsprogrammen oft nicht erreicht werden, schafft TAFF neue Zugangswege. Zugangswege, die – wie im Titel ihres Vortrages angedeutet – an den familiären Wurzeln ansetzen, energetisieren und beflügeln.

- Diplompsychologe Prof. Arist von Schlippe
Prof. Arist von Schlippe, Diplompsychologe an der Universität Witten-Herdecke, betonte in diesem Zusammenhang besonders das Potenzial von Netzwerken – wie die Familie eines darstellt: „Kaum sind wir geboren, schon fangen wir an, uns durch Blickkontakt mit unseren Eltern zu vernetzen“, sagte von Schlippe in seinem Vortrag. „Ein Netz trägt, aber es hält auch gefangen.“ Je näher vernetzte Personen sich stünden, desto größer würden Kontrolle und Einengung. Wichtig sei, über den eigenen Tellerrand zu schauen und Verbindungen zu anderen Netzwerken zuzulassen.
„Wir brauchen die konsequente und flächendeckende Bereitstellung früher Hilfen sowie funktionierende Netzwerke“, forderte Britta Altenkamp, Vorsitzende der AWO Bezirksverband Niederrhein, in ihrer Begrüßungsrede. NRW müsse einen konsequenten Weg dabei gehen, alle Angebote der Kinder- und Jugendhilfe präventiv auszurichten. Altenkamp: „Ich bin überzeugt, dass Geld, das jetzt zielgerichtet und nachhaltig wirkend investiert wird, sich in Zukunft doppelt und dreifach auszahlt.“

- Dt. Stephan Muschick, Geschäftsführer der RWE Stiftung
Stephan Muschick, Geschäftsführer unserer RWE Stiftung, freute sich über den Erfolg von TAFF. „Wir fördern das Projekt, weil wir wissen, wie wichtig es ist, Eltern bei ihrem Erziehungsauftrag zu unterstützen und damit bessere Voraussetzungen für die Kinder zu schaffen.“
Was denken Sie? Ist Elternförderung der richtige Ansatz, um Kindern und Jugendlichen bessere Entwicklungschancen zu bieten? Wir freuen uns auf Kommentare!
Redaktion am 28. Februar 2012 in Bildung, Soziales