Von Wolkenkugeln, Piranhas und einer Webcam im Meisennest . . .

Während in vielen Städten des Ruhrgebiets bei Bürgern und Bürokraten langsam die Erinnerung an das Kulturhauptstadtjahr verblasst und sich Wissenschaftler skeptisch distanzieren, blickt Christa Schragmann glücklich zurück und erinnert sich begeistert an die Aufbruchstimmung im Revier. Für die Leiterin des  Naturkundemuseums „Haus RuhrNatur“ in Mülheim war 2010 das Beste, was passieren konnte. Die RWW haben ihrem Haus im denkmalgeschützten Betriebsgebäude auf der Kraftwerksinsel am Mülheimer Wasserbahnhof neben der Renovierung eine komplette neue „Forschungsabteilung”  spendiert. Mit Lehr- und Lernstationen zu den Themen, Wind- und Wasserenergie, Solartechnik und Bionik, mit einer zauberischen Wolkenkugel (unser Bild), mit Strömungsbecken für die Wasserkraftforschung und einem virtuellen Erdball für die lichtschnelle Reise durch alle erforschten Erdzeitalter und Klima-Epochen.

Christa Schragmann mit Wolkensimulator im „Haus RuhrNatur” in Mülheim

Ich treffe Christa Schragmann hinter der Kasse, wo sie den diensthabenden Kollegen vertritt. An diesem sonnigen Frühlingstag ist der Empfang, eine enge aber effektive Mischung aus Kasse, Information und Museums-Shop, dicht umlagert. Eine Kindergruppe schnattert angeregt durcheinander und ist sehr geneigt, das Ausflugs-Taschengeld in kleine Experimente zu investieren, mit denen sich die Naturforschung zu Hause fortzusetzen lässt. Einen knappen Meter daneben rauscht lautstark Wasser mit Hochdruck durch den Kanal der Strömungsanlage, um dort in kürzester Zeit einen Wall aus Sand und Steinen einzuebnen, den kurz zuvor ein Großelternpaar samt Enkeln stolz in den Strom gebaut hatte. Viel los im Hause „RuhrNatur. „Wir werden hier zeitweise regelrecht überrannt.” Christa Schragmann hebt die Stimme gegen das Getöse und gönnt sich das kappe Lächeln des Museums-Profis, der weiß, dass keine Besucherzahl so hoch ist, dass sie sich nicht noch erhöhen ließe.

21.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr ins „Haus RuhrNatur“ auf der Insel mit dem „Wasserbahnhof” und der niedlichen Schleuse, in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angelegt, um die Fallhöhe für das Wasserkraftwerk Kahlenberg auf rund fünf Meter zu erhöhen. Für zahlreiche Biologie-Grund und -Leistungskurse der Gesamtschulen und Gymnasien des Reviers ist das „Haus RuhrNatur” zum festen Bestandteil der Unterrichtsprojekte geworden.

Wer die Lernstationen im „Haus RuhrNatur” durchforscht hat, der weiß, wie man aus Wasser Energie gewinnt, warum Haie so schnell schwimmen, wie man erfolgreich Solar-Module mit Motoren verkabelt und dass eine Kaplan-Turbine nichts mit der Kirchensteuer zu tun hat. Stichwort: Energie-Bildung. Ich allerdings gebe zu, beim Rundgang vor dem Piranha-Aquarium zweimal nachgefragt zu haben. Was haben die kleinen Fische mit dem großen Gebiss mit der „RuhrNatur” zu tun? „Neubürger“, erklärt Christa Schragmann knapp: „Neubürger und ein gutes Beispiel dafür, dass exotische Tiere nicht in unser Ökosystem gehören.“ Gedankenlos ausgesetzt finden sich Piranhas vor Kühlwasser-Einlässen und sollen auch schon von Anglern aus Mülheimer Hafenbecken gefischt worden sein. Eine der spannendsten „RuhrNatur”-Installationen gibt es allerdings nur im Frühling. Christa Schragmann hat eine Webcam ins Meisennest hinterm Haus geschmuggelt. Wie auf dem Monitor im Mikroskopierraum zu sehen ist, wird zur Zeit noch gebaut . . .

Bleibt zu erwähnen, dass im „Haus RuhrNatur” am 30. Juni auch wieder eine Extraschicht gefahren wird. „2011 waren wir bei der Publikumsbefragung unter den Top Ten”, berichtet Christa Schragmann stolz. 2012 sollen Licht- und Klanginstallationen auf der Kassenbergbrücke zum Wasserkraftwerk  ganze Zeitalter überspannen und den Sound der Zeitalter hörbar machen. Zudem wird das schönste Naturkundemuseum des Ruhrgebiets im August seinen 20. Geburtstag feiern. Das Programm ist in Arbeit. Wir kommen darauf zurück.

Die Bilder:

 

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Frank Vinken am 18. April 2012 in Bildung, Kultur

Wasser-Zeichen für den Wissensdurst

Wir finden, dass zur Diskussion über Energie-Bildung, Erziehung und Kultur in Krisenzeiten auch die vom RWE geförderten Museen „Strom und Leben“ im Umspannwerk Recklinghausen, das Haus Ruhrnatur und das Wassermuseum „Aquarius“ in Mülheim gehören. Der „Aquarius“ feiert  in diesem Jahr den 20. Geburtstag. Betrieben wird das 50 Meter hohe Baudenkmal von der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft, RWW, die im laufenden Jahr ebenfalls Grund zum Feiern hat. Die RWE-Tochter wird 100.

Für zahlreiche Schulen des Ruhrgebiets gehört der „Aquarius“ seit Jahren zum festen Projekt- und Exkursionsprogramm. Die Besucherzahlen sind auf hohem Niveau stabil. Nach 48.000 Gästen im Kulturhauptstadtjahr 2010 waren es 2011 rund 40.000, die sich mit einer persönlichen Chipkarte durch die interaktiven Module der 30 Erlebnis-Stationen auf 14 Ebenen durch die Welt des Wassers geforscht haben. Vom virtuellen Labor-Experiment bis zur Steuerung eines komplettes Wasserwerks in der realistisch nachgebauten Leitwarte.

Das museumspädagogische Programm des „Aquarius“-Teams reicht vom 3. bis zum 10. Schuljahr. Mit Klemmbrett, Stift und Wissensdurst folgen die jüngsten Besucher in kleinen Gruppen den Spuren des Froschkönigs durch das Wasser-Zeichen an der Ruhr. Für ältere Jahrgänge und erwachsene Besucher wird seit 2010 die Sonderausstellung zum aktuellen Thema „Virtuelles Wasser“ präsentiert. Wie viel Wasser wird tatsächlich und weltweit für die Erzeugung unserer Nahrungsmittel und Konsumgüter verbraucht? Was kostet der Biss in den Burger wirklich, wenn zur Erzeugung einer einzigen Tomate bereits rund 13 Liter Wasser nötig sind und 1 Kilogramm Rindfleisch von der Geburt des Tieres bis zum Fast-Food-Grill rund 15.500 Liter Wasser verschlingt? Was ein Automobil im Durchschnitt kostet, will man angesichts der Wasserknappheit in den Dürreregionen des Planeten gar nicht wissen. Es sind nach Angaben der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. – abhängig von Größe und Modell – im Durchschnitt 400.000 Liter.

Doch zurück zum 20. Geburtstag der Land- und Lernmarke an der Ruhr. Gefeiert werden soll unter anderem mit dem Eintritt von einem Euro für alle am Weltwassertag der UNESCO. Für den Frühsommer ist ein Familienfest geplant und Mechthild Großmann, die Münsteraner “Tatort”-Staatsanwältin mit der markant tiefen Stimme, wird bei der 2012er Extraschicht mit einer Lesung im „Aquarius“ gastieren. Das komplette Programm ist in Arbeit.

Anzumerken bliebe, dass die meisten Bilder unserer “Aquarius”-Galerie 2009 und 2010 für die Dokumentation der RWE-Aktivitäten im Kulturhauptstadtjahr entstanden sind. Unter anderem für den Band “Kultur elektrisiert“, der im Klartext-Verlag erschienen ist, im Foyer des Wassermuseums ausliegt und als Sammlerstück immer noch im gut sortierten Buchhandel erhältlich ist.

Zwei Dinge noch. Erstens werden Die Seelöwen von Ottmar Hörl nach einer Präsentation in Dortmund bald im Duisburger Zoo zu sehen sein. 5o der schwarzen Multiples sollen dort ihren lebenden Artgenossen als Dauerleihgabe Gesellschaft leisten und den Kindern für ausgiebige Streicheleinhaten zur Verfügung stehen.  Zweitens war die Gelegenheit  günstig, “Aquarius”-Direktor Andreas Macat unsere vier Energie-Fragen zu stellen.

Andreas Macat

Seine Antworten:

Welche spontanen Assoziationen haben Sie bei dem Begriff Energie?
Energie ist für mich zu allererst Lebensenergie. Eine Kraft, die uns antreibt. Die Freude und Wohlbefinden schafft. Energie ist jener Motor, der uns durchs Leben führt. Nicht nur uns Menschen, sondern alles Leben auf unserem Planeten.

Was verbinden Sie mit der Energiewende?
Die Energiewende ist die notwendige Einsicht in die Tatsache, dass fossile Energieträger endlich sind. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Vorräte an Erdöl, Kohle usw. aufgebraucht sind. Darauf müssen wir uns einstellen. Die Energiewende kann aber kein eindimensionaler Prozess sein, dafür spielen zu viele Faktoren und Wechselbeziehungen ein Rolle. Kreativität ist gefragt.

Wo tanken Sie Energie?
Um Energie zu tanken, gehe ich oft ins Freie. Licht und Sonne geben mir Energie. Ein Spaziergang in der Sonne, eine Wanderung im Bergischen, wo ich lebe, oder am Meer wirken oft Wunder.

Wofür hätten Sie gerne mehr Energie?
Ich kann nicht sagen, dass ich mir für etwas mehr Energie wünsche. Es ist eher ein Frage der Einstellung, der Haltung. Wofür möchte ich meine Energie einsetzen? Wofür lohnt es sich? Für ein bequemeres Sofa oder ein schnelleres Auto? Für die Beziehung zu einem Menschen?  Für mein eigenes Wohl oder das anderer?

 

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Frank Vinken am 13. Februar 2012 in Allgemeines, Bildung, Kultur